04/04/2026
TW: s3xualisierte Gewalt
Hallo zusammen,
ich bin Yvonne, 30 Jahre alt, und lebe auf dem Land, 25 km von Ingolstadt entfernt. Ich bin Überlebende mehrerer Taten und habe vor einiger Zeit entschieden, darüber offen zu sprechen.
Ich dachte lange, die letzte Tat hätte mich gebrochen. Ich fiel in ein tiefes, schwarzes Loch. Über Monate hinweg hatte ich Albträume, Panikattacken und Flashbacks, mein Körper reagierte stark und mein Immunsystem war am Ende. Mein Leben stand in dieser Zeit still.
Nach einigen Monaten kam ein erstes Aufatmen. Mein Gerichtsprozess begann. Ich reiste nach Podgorica, um vor Gericht auszusagen. Doch von da an folgte eine Hiobsbotschaft der nächsten. Wichtige Beweismittel waren nicht mehr vorhanden, der Täter war nach einem Jahr nicht mehr auffindbar und das Verfahren zog sich immer weiter in die Länge, bis es schließlich durch einen Richterwechsel abgebrochen und neu aufgerollt wurde.
Nach fast zwei Jahren Prozess fühle ich oft, wie mir die Kraft ausgeht und ich nicht mehr kann. Doch wenn ich über meine Geschichte spreche oder von weiteren Fällen und Missständen höre, wird mir klar, warum ich weitermache. Ich kämpfe nicht nur für mich, sondern für alle, denen Unrecht widerfährt.
Heute versuche ich, mein Leben wieder bewusst und glücklich zu gestalten. Viel zu lange habe ich das Erlebte wie einen Schatten mit mir herumgetragen. Ich werde es nie vergessen, aber ich versuche, dem Täter keine Macht mehr über mich zu geben.
Ich wünsche allen Betroffenen viel Kraft und den Mut, laut zu sein. Die Last wird leichter, wenn wir sie gemeinsam tragen!
Hinweis: Alle Texte in der Kategorie „Wir sind kein Opfer“ sind von den jeweiligen Betroffenen selbst geschrieben.