Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

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Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. Unabhängige, kostenfreie und vertrauliche (Selbst-)Hilfe, Beratung und Fortbildung für Angehörige. V. (BApK). B. ApK Bayern e.

Mehr als 50 Prozent der psychisch erkrankten Menschen leben in ihrer Familie und sind zeitweise oder auch dauerhaft auf die Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen. Dies bedeutet auch, dass Angehörige häufig eine zentrale Rolle in der Krankheitsbegleitung des Betroffenen einnehmen. Deshalb benötigen Angehörige von psychisch erkrankten Menschen häufig ebenso Hilfe, Beratung und Unterstützung. Gerade, wenn eine psychische Erkrankung länger andauert, wiederholt auftritt oder zu einer chronischen Erkrankung wird, stellen die Selbsthilfe und der Austausch mit anderen Angehörigen eine wertvolle und vielfach entlastende Hilfe dar. Der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. (ApK Bayern) unterstützt Angehörige von psychisch erkrankten Menschen in Bayern durch Einzelberatung, Rechtsberatung, Veranstaltungen und Seminaren und speziell auf die Situation von Angehörigen zugeschnittenen Ratgebern und Informationsmaterial - und dies bereits seit 30 Jahren. Außerdem gibt es in Bayern ein Netzwerk an über 20 Selbsthilfegruppen, in denen Angehörige auf andere Angehörige treffen, die Ihnen Verständnis entgegenbringen, sie stärken und sich gut in Ihre Lage hineinversetzen können. Auf politischer Ebene engagieren wir uns für die Interessen und Nöte von Angehörigen und ihren psychisch erkrankten Nahestehenden, um ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Der ApK Bayern ist prozentual zur Bevölkerungszahl der mitgliederstärkste Landesverband im Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. Durch die Mitarbeit im Bundesverband nimmt der Landesverband direkt Einfluss auf die gesundheitspolitische Arbeit des Bundesverbandes. Werden Sie Teil dieser starken Gemeinschaft, finden Sie Unterstützung und erhalten Sie Informationen über z. neue Therapiemöglichkeiten, Anlaufstellen und die aktuellen sozialpolitischen Entwicklungen aus erster Hand. Telefon: 089/51086325
E-Mail: [email protected]
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VIDEOBOTSCHAFT zum Tag der Selbsthilfe: Wir sagen DANKE an all unsere Ehrenamtlichen im ApK Bayern e.V.! Ob in Selbsthil...
16/09/2026

VIDEOBOTSCHAFT zum Tag der Selbsthilfe: Wir sagen DANKE an all unsere Ehrenamtlichen im ApK Bayern e.V.!

Ob in Selbsthilfegruppen, in der Beratung oder im politischen Einsatz: Wenn ein Mensch psychisch erkrankt, sind es unsere ehrenamtlich Aktiven, die betroffenen Familien Halt, Zuversicht und eine unüberhörbare Stimme geben.

Ihr leistet tagtäglich Unschätzbares!

Weil Worte auf dem Papier gar nicht ausreichen, um diese riesige Wertschätzung auszudrücken, haben sich unsere Vorstände zusammengeschlossen und eine ganz persönliche Videobotschaft für euch aufgenommen:

https://youtube.com/shorts/bI1HHi1yZUs

Gleich reinschauen, Video abspielen und gerne teilen!

Gemeinsam sind wir unschätzbar stark.

16/09/2026

Der Pflegealltag stellt für viele pflegende Angehörige eine große Herausforderung dar.

Bei einer Erkrankung der pflegenden Person, aber auch für eine geplante Auszeit stehen Maßnahmen der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung. Dafür wurde 2025 ein sogenannter Gemeinsamer Jahresbetrag eingeführt, der von vielen Angehörigen als unbürokratisches Instrument begrüßt wurde. Der Betrag kann flexibel verwendet werden, um bedarfsgerecht und passend zur Situation die Pflege zu organisieren, wenn die Pflegeperson ausfällt.

Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung für ein Pflegeneuordnungsgesetz sieht hier Änderungen vor. Viele pflegende Angehörige befürchten negative Auswirkungen. Was ist geplant? Der Gemeinsame Jahresbetrag und die Verhinderungspflege als eigene Leistung sollen in der bisherigen Form entfallen. Stattdessen wird ein Überbrückungsbudget für Akutsituationen eingeführt. In anderen Verhinderungssituationen sollen Angehörige auf das Sachleistungs- oder ihr Entlastungsbudget zurückgreifen, je nachdem, wer wann welche Vertretung übernimmt.

Klingt kompliziert? Ist es auch! Betroffene müssten künftig genau prüfen, welcher Topf für welche Vertretungssituation infrage kommt. Es wird also viel bürokratischer. Zudem steht auch weniger Geld in Vertretungssituationen zur Verfügung. Die Aufteilung auf verschiedene Budgets enthält versteckte Kürzungen. Jürgen Dusel spricht sich darum im Gesetzgebungsverfahren ganz klar gegen diese geplanten Änderungen aus. Pflegende Angehörige brauchen mehr Entlastung statt zusätzlicher Belastung.

Wichtig ist, dass niedrigschwellige und flexible Nutzungsmöglichkeiten für Vertretungssituationen zur Verfügung stehen. Neben verlässlichen Angeboten für Akutsituationen wie Erkrankungen von pflegenden Angehörigen muss auch die Möglichkeit bestehen, geplante Auszeiten zu nehmen. Angehörige und Pflegebedürftige sollten selbst entscheiden können, wie sie Situationen der Verhinderungspflege organisieren. Flexible und unbürokratische Entlastungsleistungen müssen also ausgebaut statt abgebaut werden!

„Deine Geschichte ist nicht zu Ende.“ Wenn ein nahestehender Mensch in eine schwere Krise gerät oder unter Suizidgedanke...
10/09/2026

„Deine Geschichte ist nicht zu Ende.“

Wenn ein nahestehender Mensch in eine schwere Krise gerät oder unter Suizidgedanken leidet, hält für Angehörige die Welt an. Die Sorge um die Mutter, den Partner, das eigene Kind oder die Schwester wiegt oft schwerer, als man es in Worte fassen kann.

Als Angehörige stehen wir in diesen dunklen Phasen an der Seite unserer Liebsten. Wir versuchen zu halten, zu trösten und Hoffnung zu bewahren, wo sie verloren gegangen scheint. Aber wir wissen auch: Manchmal reicht die eigene Kraft kaum noch aus.

Zum heutigen Weltsuizidtag (10. September) möchten wir deshalb eine Botschaft senden, die gleich doppelt gilt:

1️⃣ An alle Betroffenen: Bitte holt euch Hilfe. Eure Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Es gibt Menschen, die zuhören und Wege aus der Dunkelheit kennen.

2️⃣ An alle Angehörigen: Ihr müsst diesen schweren Weg nicht alleine tragen. Auch eure Geschichte geht weiter – und ihr dürft euch selbst dabei nicht vergessen.

Die Kampagne „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ (ein Projekt der Universität Würzburg und dem NaSPro) macht heute auf ein Thema aufmerksam, das uns alle angeht.

WICHTIGE HILFSANGEBOTE:

Soforthilfe & Krisendienste: Unter suizidpraevention.de/hilfe findet ihr schnelle, bundesweite Hilfsangebote.

Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

In Bayern: Der Krisendienst Bayern unter 0800 655 3000.

Unterstützung für Angehörige:
Der ApK Bayern e. V. stärkt Angehörige im Alltag und bietet in seinen Selbsthilfegruppen einen geschützten Raum für Austausch und Entlastung. Ihr seid nicht allein! ➡️ www.apk-bayern.de

Selbstbestimmt durch die Krise: Eine fundierte psychiatrische Patientenverfügung für mehr Sicherheit Wenn eine psychisch...
03/09/2026

Selbstbestimmt durch die Krise: Eine fundierte psychiatrische Patientenverfügung für mehr Sicherheit

Wenn eine psychische Krise auftritt, zählt oft jede Minute – und leider wird die Stimme der Betroffenen in Akutsituationen viel zu selten gehört. Wer entscheidet dann, was hilft und was nicht?Genau hier schafft eine psychiatrische Patientenverfügung Klarheit, Sicherheit und Würde. Das Bochumer SALUS-Projekt (Ruhr-Universität Bochum) hat gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen, Fachkräften und Juristen eine kostenfreie, wissenschaftlich fundierte Vorlage erarbeitet!

Das Besondere an diesem Formular:
Betroffene wie Iris haben intensiv mitgearbeitet, damit die Vorlage im Alltag wirklich funktioniert und verständlich bleibt. Studien zeigen zudem, dass solche Verfügungen die Rate von Zwangsunterbringungen signifikant senken können!

Für uns beim ApK Bayern e. V. ist klar: Eine verlässliche Vorsorge gibt Angehörigen und Erkrankten das beruhigende Gefühl, selbst das Heft des Handelns in der Hand zu behalten.

Sie können sich die Vorlage und den passenden Leitfaden direkt als kostenlosen Download herunterladen.

Hier geht’s direkt zum Formular:https://forschen-und-teilen.de/wp-content/uploads/2025/12/SALUS-Patientenverfuegung.pdf

Gemeinsam gegen den Pflege-Kollaps: Wir unterstützen die Petition der Diakonie Bayern!Das geplante Pflegeneuordnungsgese...
28/08/2026

Gemeinsam gegen den Pflege-Kollaps: Wir unterstützen die Petition der Diakonie Bayern!

Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) droht die häusliche und stationäre Pflege in Deutschland noch weiter an die Belastungsgrenze zu treiben.Als ApK Bayern e.V. schauen wir mit großer Sorge auf die Pläne der Bundesregierung. Ob drohende Leistungskürzungen oder die Streichung wichtiger Entlastungsangebote wie der Verhinderungspflege: Für Millionen pflegende Angehörige – insbesondere auch von psychisch erkrankten Menschen – ist dieser Gesetzesentwurf ein massiver Rückschlag.

Pflege darf nicht unbezahlbar werden, und Entlastung darf kein Luxusgut sein!

Wer Angehörigen die Kraft zum Durchatmen nimmt, gefährdet das gesamte System. Deshalb stellen wir uns Seite an Seite mit der Diakonie Bayern und fordern den Bundestag auf, das Pflegeneuordnungsgesetz zu überarbeiten!

Jede Stimme zählt!

👉 Hier direkt unterschreiben: https://www.openpetition.de/petition/online/nein-zum-pflegeneuordnungsgesetz-pnog

27/08/2026

UMFRAGE:
Wie wichtig ist Ihnen die Verhinderungspflege?

27/08/2026

In einem Monat beginnt unsere Jahrestagung und wir freuen uns schon sehr auf den Trialog.

Eine trialogische Tagung bedeutet für uns, dass wir einen Raum schaffen, in dem sich Betroffene, Angehörige und Profis auf Augenhöhe über die Bipolaren Störungen austauschen können.

Das dreitägige Programm, gespickt mit Workshops und Vorträgen aus der Selbsthilfe und Wissenschaft, findet ihr auf unserer Website. Dort ist auch die Online-Anmeldung bis zum 06. September 2026 möglich. Danach könnt ihr euch noch vor Ort anmelden.

Übrigens die Plätze für die Abendveranstaltungen (get together und Tagungsfest) sind begrenzt. Eine baldige Anmeldung ist daher empfehlenswert.

Link zum Programm und zur Anmeldung: https://dgbs.de/verein/dgbs-jahrestagungen/jahrestagung-2026

Angehörige machen Geschichte(n) – Eine Entscheidung, die alles verändertNun ist es so weit. Ich stehe seit einer halben ...
27/08/2026

Angehörige machen Geschichte(n) – Eine Entscheidung, die alles verändert

Nun ist es so weit. Ich stehe seit einer halben Stunde vor der KJP und versuche mich irgendwie auf das vorzubereiten, was gleich kommen wird. Aber kann ich das? Kann eine Mutter sowas jemals? Es war die schwierigste Entscheidung, die ich in meinem Leben treffen musste. Jetzt in diesem Moment kommt es mir vor, als wäre sie Jahre her. Dabei habe ich den Anruf vom Jugendamt erst vor ein paar Stunden erhalten. Sie haben eine Bereitschaftspflegefamilie für unsere Tochter gefunden. Die Übergabe soll jetzt in der Klinik stattfinden.

Die Entscheidung, dass meine Tochter nicht mehr bei uns leben kann, fiel gestern. Ein Anruf der netten Psychiaterin, die mir die Pistole auf die Brust setzte: Wo sollte Lia in Zukunft leben? Zu Hause oder nicht? Die Psychiaterin sagte, sie dürfe die Entscheidung selbst nicht treffen, nicht mal eine Empfehlung geben dürfe sie. Wir Eltern müssten uns entscheiden. Es war die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste. Und doch schien es nur einen Weg zu geben.

Denn wie sollte ich mit Lias immer stärker werdenden selbstverletzenden Verhalten umgehen? Mit ihren impulsiven Ausbrüchen und Kontrollverlusten, die uns immer wieder zwangen, die Polizei einzuschalten? Wie damit umgehen, dass meine Tochter sich das Leben nehmen wollte? Wie hätten wir es zu Hause schaffen können, dass sie gesund wird?

Die Belastung, unter der jeder einzelne von uns stand, war enorm. Heute weiß ich das. Damals haben wir alle einfach funktioniert. Leichter wurde es, weil alles einvernehmlich war. Meine Tochter wollte in eine Jugendhilfeeinrichtung. Und weil es keine freien Plätze gab, blieb nur der Weg über eine andere Familie, die Bereitschaftspflegefamilie.
Ausweis und Krankenkarte wurden ausgetauscht. Ich war unfähig, etwas zu sagen, war nur körperlich anwesend, konnte die „Pflegefrau“, wie ich sie nannte, kaum anschauen. Ich packte mit meiner Tochter die Koffer, wir fielen uns in die Arme und weinten heftig. Ich sprach ihr Mut zu, wir würden es schaffen, sie würde es schaffen, ich wäre immer für sie da. Papa wäre immer für sie da. Selbst die nette Ärztin hatte Tränen in den Augen, als sie mich verabschiedete, auch sie sprach mir Mut zu. Sagte Worte, die unendlich guttaten: „Lia ist ein tolles Mädchen, sie schaffen das“. Dann stand ich allein da. Nicht nur Lia wurde entlassen, sondern auch wir Eltern. Ich ging allein nach Hause. Ängste, Sorgen und Schuldgefühle plagten mich und doch auch das Wissen, dass es so nicht weitergegangen wäre.

Schwerer Schritt, steiniger Weg

Noch vier Monate zuvor konnte ich Lia kaum noch helfen. Ihr innerer Druck brach in überdimensionalen Wutattacken aus. Sie bedrohte Lehrer, flog von der Schule, von wo ich sie schon vorher immer wieder hatte abholen müssen. Ein Verhalten, das sich seit frühster Kindheit zeigte und sich trotz Therapien und jeglicher Hilfeversuche immer verschlimmerte, bis sie mich mit dem Messer bedrohte und von der Polizei in die KJP gebracht wurde. „Nun wird ihr endlich geholfen“, dachte ich da. Doch man schickte uns wieder nach Hause: „Ihre Familie ist ja durch den Autismus Ihres Sohnes schon bekannt, sie schaffen das gut zu Hause. Und auf unserer Warteliste steht Ihre Tochter ja schon.“ Außerdem könne ich sie doch für ein paar Stunden zur Oma bringen, bis sie sich beruhigt habe. Ich war außer mir, verzweifelt, aufgelöst und sprachlos. Gehen mussten wir trotzdem, es gab keinen Platz in der KJP.

So viel lag hinter uns. Aber noch mehr vor uns. Plötzlich steckte ich in einem System, das noch kaputter schien als es nach außen kaum kommuniziert wird. Ich war entsetzt von der Bereitschaftspflegefamilie. Es gab keine Regeln, Lias Handykonsum steigerte sich plötzlich auf zehn bis 14 Stunden am Tag, sie hatte einen Fernseher im Zimmer, erzählte von Horrorfilmen, die sie sich in der Nacht ansehen konnte, Schule hatte sie keine, da ja auf einen Platz in der stationären Jugendhilfe gewartet wurde und Lia als schwer beschulbar galt. Die Pflegeeltern stritten sich vor ihr darüber, wer von beiden auf die blöde Idee gekommen sei, das andere Kind noch aufzunehmen, das da zeitweise auch untergebracht war.

Ich setzte mich mit dem Jugendamt auseinander, wollte wissen, welche Aufgaben Bereitschaftsfamilien haben. Keine, hieß es. Essen, Trinken und ein Dach über den Kopf, aber die Bereitschaftspflege habe keine pädagogischen Aufgaben, ich solle ruhig sein, sonst würde die Familie Lia nicht behalten und das Jugendamt könne Lia gerade sonst nirgends unterbringen. Hätte ich nicht zufällig eine Freundin bei dem Gespräch dabeigehabt, hätte mir das keiner geglaubt. Wahrscheinlich hätte ich mich selbst in Frage gestellt.
Nach der Bereitschaftsfamilie folgte die stationäre Jugendhilfe. Doch von den Wahlmöglichkeiten, die man gesetzlich theoretisch hat, war keine Sicht. Mein Bauchgefühl riet von der ersten Einrichtung ab. Es war eine nette Wohngruppe mit gutem und fürsorglichem Personal, aber die Rahmenbedingungen stimmten nicht: es gab keine therapeutische Anbindung, wenig Strukturen und Regeln und genau die brauchte Lia doch so sehr. Ein Jahr war sie dort. Es folgten wieder Psychiatrieaufenthalte, Schulängste, zunehmende Selbstverletzungen, bis hin zu einem Suizidversuch mit Notfalleinweisung ins Krankenhaus. Meine Sorgen wurden kaum ernst genommen, Lias Probleme als Pubertät abgetan. Ich forderte eine Versetzung in eine spezialisierte Einrichtung ein, kämpfte mit dem Jugendamt, mit der Wohngruppe, denn die Therapie, die für Lia notwendig gewesen wäre, wurde gar nicht erst beantragt, Medikamente ohne unser Wissen als Eltern angepasst. Als ich die zuständige Ärztin kontaktierte, ermahnte sie mich, dass ich ja eine andere Psychiaterin suchen könne. Doch das war aussichtslos. Kein ambulanter Arzt im Einzugsgebiet nahm Neupatient*innen auf.

Ich musste aushalten, dass keine der Blutkontrollen stattfand, die die Klinik empfohlen hatte. Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Krankenhaus und weiß, wie wichtig Blutkontrollen bei Spiegelmedikamenten sind. Doch mein Einfluss als Mutter schien mir genommen zu sein. Sorgeberechtigt zu sein, spielte scheinbar keine Rolle mehr, seit meine Tochter in einer Jugendhilfeeinrichtung lebte.

Es war schwierig. Ich forderte mehr und mehr Rechte ein und holte mir Unterstützung. Dann endlich eröffnete sich die Option einer intensivpädagogischen Wohngruppe, die mehrere hundert Kilometer entfernt war. Sie ist spezialisiert auf Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten, inklusive therapeutischen Angebot. Ich war den Tränen nahe vor Erleichterung, als Lia einziehen konnte. Hier würde alles besser werden.

Endlich Austausch

Lia wurde uns nicht genommen, weil sie nicht bei uns leben durfte, sondern weil sie nicht bei uns leben kann, wenn wir unsere gute Beziehung zu ihr bewahren wollen. Wir möchten ihr schöne Zeiten ermöglichen, die im Alltag mit ihrer ausgeprägten Besonderheit nicht umsetzbar sind. Doch auch hier blieben die versprochenen regelmäßigen Gespräche aus. Ich hatte wieder das Gefühl, dass die Jugendhilfe das Familiensystem nicht beachtet. Lia war nicht nur weit weg, sondern es entstand eine Mauer zwischen uns. Informationen schienen im luftleeren Raum zu hängen. Auch hier kam ich wieder ins Fordern, was mich überforderte, denn ich wollte einen guten Austausch. Ich möchte, dass Lia gesund wird. Dazu gehört doch selbstverständlich, dass Eltern dazugehören und gebraucht werden. Wie sollen Zusammenhänge erkannt werden, wenn man nicht miteinander spricht?

Lias komplexes Symptombild hat eine Geschichte: Mein Päckchen ist zu Lias Paket geworden. Durch meine eigene Kindheit, die von sexuellem Missbrauch geprägt ist, habe ich ein ähnliches Symptombild wie sie. Ich habe es ihr unbewusst vorgelebt, bis ich eine eigene Therapie gemacht habe. Ich habe mein Trauma an meine Tochter weitergegeben. Doch meines ist heute greifbar, Lias versteckt sich hinter einem Vorhang, der erst geöffnet wurde, als uns endlich jemand zuhörte. In ihren Arztbriefen stehen nur Diagnosen und Tests wie IQ-Test, Autismus- und ADHS-Tests. Doch der familiäre Hintergrund wird in einem Satz abgehandelt, obwohl er so wichtig ist. Wäre ich anders einbezogen worden, hätte ich helfen können. Ich ahnte schon lange, welches Päckchen Lia trägt, doch es fiel mir schwer, es in Worte zu fassen. Manchmal dissoziierte ich in den Familiengesprächen, manchmal saß ich eine Stunde lang vor dem Telefon und schaffte es nicht, in der Wohngruppe anzurufen. Sie haben das lange nicht verstanden. Bis ich ihnen eine E-Mail schickte mit dem Betreff „Ohnmacht und Verzweiflung“.

Ich möchte nicht immer fordern. Ich möchte, dass Eltern auch in der stationären Jugendhilfe selbstverständlich dazugehören. Die Hilfe sollte nicht nur dem Kind dienen, sondern immer auch der Rückführung in die Familie. Und da sind wir jetzt. Lia lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen und wir lernen, mit ihrem Verhalten umzugehen. Das ist nur möglich, weil es endlich die geforderte Zusammenarbeit gibt und Informationen in beide Richtungen ausgetauscht werden. Trotz der ersten Unstimmigkeiten bin ich der jetzigen Jugendhilfeeinrichtung sehr dankbar. Sie durchschauen Lia, halten an ihr fest und stehen alle Gefühlsausbrüche mit ihr zusammen durch, ohne sie aufzugeben. Der Weg bis hierhin war sehr steinig, und am Ziel sind wir noch lange nicht. Dennoch kann ich es wieder sehen.

Mittlerweile habe ich einige Eltern anderer Jugendlicher aus der Psychiatrie kennengelernt und bin erstaunt, wie ähnlich unsere Erfahrungen mit dem System sind. Es gibt viel Unmut und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Theorie und der Praxis unterscheiden sich stark. Wir als Eltern sind Menschen mit eigenen Erfahrungen, Ängsten und Sorgen.
Es war nie meine Absicht, meiner Tochter eine solche Last mitzugeben.

von Vanessa

Diese Geschichte wurde uns im Rahmen der bundesweiten Aktion „Angehörige machen Geschichte(n)“ zugesandt: https://www.lapk-bayern.de/angehoerige-machen-geschichten-eine-entscheidung-die-alles-veraendert/

👉 Sie möchten Ihre Geschichte mit uns teilen? Hier können Sie sie bei uns einschicken: https://www.lapk-bayern.de/beratung-hilfe/angehoerige-machen-geschichten/

SAVE THE DATE für den nächsten DGSP Fachtag Sucht!
25/08/2026

SAVE THE DATE für den nächsten DGSP Fachtag Sucht!

SAVE THE DATE: Fachtag Sucht 2027

"Niedrigschwellige Substitution - eine Diskussion um Haltung und Fachlichkeit" -
mit namhaften Fachkolleg:innen aus Wissenschaft und Versorgungseinrichtungen

📆 Veranstaltungsdatum: 16. April 2027

📍 Veranstaltungsort: Berlin

Weitere Infos folgen in Kürze auf unserer Website ▶ https://www.dgsp-ev.de/

Hoch verarbeitete Lebensmittel und DepressionsrisikoEine aktuelle systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal MDPI Nut...
23/08/2026

Hoch verarbeitete Lebensmittel und Depressionsrisiko

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit im Fachjournal MDPI Nutrients (2026) zeigt eindrücklich: Wer täglich viele hochverarbeitete Lebensmittel (wie Fertiggerichte, Softdrinks oder verpackte Snacks) konsumiert, hat ein deutlich höheres Risiko für Depressionen als Menschen, die weitgehend frisch kochen.

Besonders brisant: Erstmals wurde dieser Zusammenhang gezielt bei Kindern und Jugendlichen untersucht. Das Ergebnis: Je mehr "Ultra-Processed Food" auf dem Teller landet, desto häufiger zeigen sich Angststörungen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen.

Auch der Einfluss von hochverarbeiteter Nahrung auf schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie und bipolare Störungen wird derzeit intensiv erforscht.

Unser Alltagstipp: Niemand muss perfekt essen! Aber schon kleine Schritte – wie Wasser statt Softdrinks oder eine Handvoll Nüsse statt der Fertigwaffel – tun dem Kopf und dem Bauch gut.



Quelle: MDPI Nutrients (2026): Ultra-Processed Foods and Mental Health in Children & Adolescents; Wise Mind Nutrition Research Update.

Adresse

PappenheimStr. 7 (1. Stock)
Munich
80335

Öffnungszeiten

Dienstag 10:00 - 14:00
Mittwoch 10:00 - 14:00
Donnerstag 10:00 - 14:00
Freitag 10:00 - 14:00

Telefon

+498951086325

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