Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V.

Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. Unabhängige, kostenfreie und vertrauliche (Selbst-)Hilfe, Beratung und Fortbildung für Angehörige. V. (BApK). B. ApK Bayern e.

Mehr als 50 Prozent der psychisch erkrankten Menschen leben in ihrer Familie und sind zeitweise oder auch dauerhaft auf die Unterstützung ihrer Angehörigen angewiesen. Dies bedeutet auch, dass Angehörige häufig eine zentrale Rolle in der Krankheitsbegleitung des Betroffenen einnehmen. Deshalb benötigen Angehörige von psychisch erkrankten Menschen häufig ebenso Hilfe, Beratung und Unterstützung. Ge

rade, wenn eine psychische Erkrankung länger andauert, wiederholt auftritt oder zu einer chronischen Erkrankung wird, stellen die Selbsthilfe und der Austausch mit anderen Angehörigen eine wertvolle und vielfach entlastende Hilfe dar. Der Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. (ApK Bayern) unterstützt Angehörige von psychisch erkrankten Menschen in Bayern durch Einzelberatung, Rechtsberatung, Veranstaltungen und Seminaren und speziell auf die Situation von Angehörigen zugeschnittenen Ratgebern und Informationsmaterial - und dies bereits seit 30 Jahren. Außerdem gibt es in Bayern ein Netzwerk an über 20 Selbsthilfegruppen, in denen Angehörige auf andere Angehörige treffen, die Ihnen Verständnis entgegenbringen, sie stärken und sich gut in Ihre Lage hineinversetzen können. Auf politischer Ebene engagieren wir uns für die Interessen und Nöte von Angehörigen und ihren psychisch erkrankten Nahestehenden, um ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Der ApK Bayern ist prozentual zur Bevölkerungszahl der mitgliederstärkste Landesverband im Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e.V. Durch die Mitarbeit im Bundesverband nimmt der Landesverband direkt Einfluss auf die gesundheitspolitische Arbeit des Bundesverbandes. Werden Sie Teil dieser starken Gemeinschaft, finden Sie Unterstützung und erhalten Sie Informationen über z. neue Therapiemöglichkeiten, Anlaufstellen und die aktuellen sozialpolitischen Entwicklungen aus erster Hand. Telefon: 089/51086325
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Angehörige machen Geschichte(n) – „Wenn die Stimmen die Macht übernehmen“Er war für sich auf einem guten Weg: trotz diag...
20/08/2026

Angehörige machen Geschichte(n) – „Wenn die Stimmen die Macht übernehmen“

Er war für sich auf einem guten Weg: trotz diagnostizierter Autismusspektrumsstörung, Legasthenie und Dyskalkulie war unser Sohn immer sehr motiviert – wollte „sein wie die anderen“, dazugehören, Freunde haben, eine Ausbildung und den Führerschein machen, selbstständig Leben und Arbeiten. Das war sein Plan, es war ihm immer wichtig. Er konnte nur schwer akzeptieren, dass sein Weg über Förderschulen, Berufsschule für junge Menschen mit Defiziten, anschließend eine weitere Berufsqualizierungsmassnahme führte. Kein Führerschein möglich war. Die Ausbildung – endlich durfte er – konnte er nur mit großer Mühe und durch unsere Unterstützung abschließen, sich erkämpfen. Doch er wurde aufgrund der Defizite im Anschluss nicht übernommen. Ein Tiefschlag für ihn, ein Schmerz. Unverständnis. Auch für uns Eltern. Inklusion? – nein, das geht bei uns nicht. Dann ein neuer Versuch in diesem Bereich, eine neue Arbeitsstelle. Noch immer war er hochmotiviert. Er wollte doch so gerne!!! Man zeigte sich begeistert von seinem Einsatz, seinem Tatendrang. Doch auch hier fielen die Defizite zu schwer ins Gewicht und eine Übernahme nach der Probezeit wurde verweigert. Zu viele Steine im Weg, die das Lernen erschwerten, die die Konzentration einschränkten. Fehler passierten. Inklusion? – ähh, nein, das kann unser Betrieb nicht leisten…

Abweisung. Verletzungen. Enttäuschungen. Fehlende Anerkennung, fehlende Freundschaften. Fehlendes ALLES. Unser Sohn wurde psychisch krank, sehr krank. Er suchte die Schuld an allem in mir, seiner Mutter. Ich war es, die ihm „sein Leben vermurkst hatte“ – so sagt er. Skurrile Vorwürfe, die mich, die ich immer für und mit ihm gekämpft und gelitten hatte, ihn von ganzem Herzen liebte, sehr verletzten. Die er rundum in vielen Häusern verbreitete. Denn ich wollte nämlich, dass er auf eine Förderschule ging, nur um zu verhindern, dass er mit den anderen aus unserem Ort Freundschaft schließen konnte. Ich wollte, dass er am Nachmittag eine Heilpädagogische Tagesstätte besuchte, um ihn loszuwerden. Ich habe einen Behindertenausweis für ihn ausstellen lassen, um ihn zu demütigen. Ich habe ihn als Kind misshandelt, habe ihn als Baby mehrfach an die Wand geworfen. Ich habe ihn nie gewollt. Wegen mir verlor er seine Arbeitsplätze, weil ich das den Betrieben vorschlug. Ich habe alles Gute in seinem Leben bewusst verhindert. Doch nun habe er mich durchschaut, sagte er, er wisse nun Bescheid. Und wie sehr er mich hasst, auch das hörte ich täglich. Er verfolgte jeden meiner Schritte im Haus, mit starrer Mimik und leeren Augen beobachtete er alles, was ich tat. Ständig auf der Suche nach Beweisen. Lauschte jedem Telefonat, jedem Gespräch. Ich war der Feind und der Feind hatte mittlerweile Angst vor ihm, schloss sich nachts ein. Unser Sohn bettelte im Ort um etwas Essbares, denn zuhause mischte ich Gift in sein Essen. Seine Geburtstagsgeschenke warf er aus dem Fenster. Sein Gesicht war von der Krankheit gezeichnet, sein immer weniger werdender Körper stets in Anspannung. Die Entwicklung spitzte sich weiter zu, nichts war mehr planbar, unser Familiensystem völlig zersprengt. Der Wahnsinn lebte unter uns. Meine Hilferufe beim Sozialpsychiatrischen Dienst, der Lebenshilfe, dem Landratsamt, der Polizei und selbst beim Bezirkskrankenhaus blieben erfolglos. Überall der gleiche Tenor: so lange keine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliege, könne man nicht handeln. Ja. Doch wo beginnt diese? Für uns lebte die Gefährdung seit Monaten unter uns. Nein, er ist nicht krank. Seine Mutter ist es.

Eine Tante schaffte es schließlich unter geduldig-großer Anstrengung, unseren Sohn von einer medizinischen Behandlung zu überzeugen und brachte ihn ins Bezirkskrankenhaus. Diagnose Psychose, Verdacht auf Schizophrenie. Nach vier Wochen Behandlung kam unser Sohn langsam wieder in sich zurück, er suchte Kontakt zu uns und vertraute mir wieder. Ich war so glücklich darüber. Er schaute mich an wie mein Sohn, es gab keine hässliche Maske mehr. Nach drei Monaten Klinikaufenthalt wurde er spontan entlassen. Mit der Aussage „mehr bezahlt die Krankenkasse nicht und wir sind ja schließlich kein Sozialamt“ wurde diese fahrlässige Entscheidung getroffen. Wir hatten intensiv darauf hingewiesen, dass wir unseren Sohn noch nicht stabil wahrnehmen. Und wurden nicht gehört. Ohne Medikamente kam er zurück in eine Familie, die keine mehr war. Nach zwei für mich enorm anstrengenden Monate, in denen ich stets versuchte, mögliche Eskalationen zu vermeiden, freute er sich auf den Umzug in eine Therapeutische Wohngemeinschaft. Und wir freuten uns mit ihm. So sehr. Nun, so hofften wir, wird er Freundschaften schließen können und auf einem gesunden Weg in ein selbstständiges Leben finden. Bei jedem Besuch lachten wir beide viel miteinander, er erzählte mir stets mit strahlenden Augen von seinen Erlebnissen, von seinen Plänen, von sich. Doch sein Leben überlegte es sich anders: die Psychose kam sehr schnell zurück, mit voller Wucht. Wir hatten einen Besuch vereinbart und so stand ich in seinem WG-Zimmer – und wurde nach nur zehn Minuten verbal aggressiv rausgeworfen. Das war nicht mein Sohn, der mir den Hass entgegenschleuderte. Es war eine psychoseverzerrte Maske. Eine Figur, deren demütigendes, verletzenden Handeln von einer schrecklichen Krankheit gesteuert wurde. Wo war mein Sohn? Irgendwo in ihr, traurig zusammengekauert und bitterlich weinend. Er brach erneut den Kontakt zu uns ab, denn ich war ja wieder schuld an allem. Die wenigen Anrufe bei mir waren erneut voller Vorwürfe, voller Hass. Es gab auch wenige Aufeinandertreffen mit klaren Phasen, in denen unser Sohn sichtbar war. In denen ich innerhalb von Sekunden jedoch die Wesensänderung beobachtete. Schlagartig verspannte sich der Körper, die Mimik verzerrte, die Augen starrten und der Ton wurde laut und hässlich. Er benötigte dringend medizinische Hilfe.

„Ihr Sohn ist bei uns“ – ein Anruf der Polizei früh um 4.30 Uhr. „Nein, er möchte nicht, dass Sie ihn abholen. Wir lassen ihn nun gehen.“ Bei minus 20 Grad Kälte war er irgendwo unterwegs. Da erneut keine Krankheitseinsicht gegeben war, befand er sich zunehmend in großer Gefahr. Wir wussten oft tagelang nicht, ob er überhaupt noch lebte. Ihm wurde die WG gekündigt, da er nicht mehr an der Maßnahme teilnahm. Er stand vor der Entmündigung, da er aufgrund seiner Dyskalkulie nicht mit seinem Geld umgehen konnte, sich jedoch Psychose bedingt nicht mehr dabei helfen ließ. Er war kaum noch greifbar, nicht mehr erreichbar. Ich hatte große Angst um ihn – und auch um mich. Eine „Abgrenzung“ war mir nicht möglich, da ich fast täglich frequentiert wurde. Ich war Ansprechpartnerin für die WG, für die gesetzliche Betreuerin, für die Polizei. Einmal waren sie bei uns und brachten unseren Sohn gewaltsam ins BKH. Seine Schreie werde ich nie vergessen. „Warum hilfst Du Deinem Sohn nicht, warum lässt Du das zu? Das ist ja schrecklich!!“ – ein Anruf unserer Nachbarin währenddessen. Am nächsten Morgen wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Wir mussten hilflos mitansehen, wie die Wahnvorstellungen, die von ihm vernommenen Stimmen und deren Anweisungen, wie die Krankheit das Leben unseres Sohnes zerstörte. Und konnten nichts bewirken. Wie war das mit Eigen- und Fremdgefährdung?? Für uns lag monatelang offensichtlich Eigengefährdung vor!! – und auch Fremdgefährdung im Hinblick auf uns selbst.

Dann kam der Abend, an dem ich ihm vom Bahnhof abholen sollte. Doch er stieg nicht aus dem Zug. Nun, dann ist er vielleicht doch eine Station früher ausgestiegen und läuft lieber, um mich nicht sehen zu müssen. So meine Gedanken, nach den vielen Erfahrungen in dieser Richtung. Am nächsten Morgen begleitete mich meine Tochter zur Polizei und gemeinsam meldeten wir ihn als vermisst. Die Fahndung begann und somit eine filmreife Dynamik in einem unvorstellbaren emotionalen Ausmaß. Da sein Handy im nahen Umfeld eines Sees geortet wurde, kamen zusätzlich zur Polizei auch Taucher des Technischen Hilfswerks, die Wasserwacht, Feuerwehren, Hubschrauber, Drohnen und Hundestaffel zum Einsatz. Zwei Tage und zwei schlaflose Nächte vergingen, bis unser Sohn hochpsychotisch im Wald gefunden wurde. Und nun endlich wegen Eigengefährdung auf richterlichem Beschluss die medizinische Hilfe bekam, die er seit (zu) langer Zeit schon dringend brauchte.

Fünf Monate lang war unser Sohn erneut stationär. Diagnose Schizophrenie. Mit Medikamenten eingestellt ist er nach dem Klinikaufenthalt nun in einer Übergangseinrichtung für junge Menschen, die psychisch erkrankt sind. Mit einem Konzept, dass Schutz und gleichzeitig Entwicklung ermöglicht. Er kommt nun zur Ruhe, findet Struktur, ist dort angekommen, es geht ihm gut. Wir wünschen ihm von ganzem Herzen, dass er durch diese Maßnahme in ganz kleinen Schritten ins Leben zurückfindet, trotz Krankheit stabil genug dafür und freundlich-wohlwollend behandelt wird.

Der lange Leidensweg unseres Sohnes ist auch unser Leidensweg. Wie alle Eltern erhofften auch wir für unsere Kinder eine glückliche Zukunft, einen gesunden Weg in ein selbstständiges Leben. Doch diese Krankheit merzte all unser Hoffen und Wünschen grob aus. Die langfristige enorme Angst um unseren Sohn, die schmerzhafte Hilflosigkeit, die Überforderung und auch das Gefühl, damit allein gelassen zu werden veränderte uns. Es gab Tage, an denen ich mich in Gedanken am Grab meines Sohnes stehen sah und Erleichterung verspürte. Und ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht wie viele andere jubelte, als die Fahndung nach ihm Erfolg zeigte und er lebend gefunden wurde. Mein bis dahin erhöhter Adrenalinspiegel wich innerhalb von Sekunden einer enormen Erschöpfung. Es gab für uns keine Pause. Ein kurzes Aufatmen, ja. Jedoch kein Durchatmen.

„Ich war da nicht ich“, sagte er mal zu mir, rückblickend auf seine Krankheitsphase, und dass es ihm leid tut, was passierte. Er wirkte beschämt. Doch wir wissen, und das sage ich ihm auch immer wieder, dass nicht er es war, der so handelte. Dass es die Krankheit war, die Macht über ihn hatte. Eine Psychose ist ein Schutzmechanismus: wenn die Realität zu schmerzhaft wird, die Widersprüche zwischen der inneren und äußeren Welt nicht mehr zuordenbar, Gefühle nicht mehr aushaltbar sind. Wenn der Bezug zur Realität verloren geht, sich die Wahrnehmungen verändern. Wenn nur noch Misstrauen und Ängste gefühlt werden. Wenn die Kommunikation schwierig bis nicht mehr möglich wird, gesprochene Sätze sich in ihren Themen verlieren, unvollendet abbrechen, weil der rote Faden nicht mehr sichtbar ist.

Wäre die Geschichte eine andere gewesen, wenn die Gesellschaft mehr Empathie für unseren Sohn und damit für Menschen mit Defiziten gezeigt hätte? Wenn Inklusion nicht nur ein inhaltloses Wort wäre? Ich fühle Wut in mir, ja.

Ein gebrochenes Bein sieht jeder.

Eine gebrochene Seele nicht.

von Martina

Diese Geschichte wurde uns im Rahmen der bundesweiten Aktion „Angehörige machen Geschichte(n)“ zugesandt: https://www.lapk-bayern.de/angehoerige-machen-geschichten-wenn-die-stimmen-die-macht-uebernehmen/

ONLINE-SEMINAR: Die elektronische Patientenakte (ePA) – Durchblick im digitalen DschungelSeit Frühjahr 2025 ist die elek...
17/08/2026

ONLINE-SEMINAR: Die elektronische Patientenakte (ePA) – Durchblick im digitalen Dschungel

Seit Frühjahr 2025 ist die elektronische Patientenakte bundesweit Standard. Doch was bedeutet das konkret für Sie als Angehörige oder Betroffene? Die ePA bietet enorme Chancen für eine bessere Vernetzung von Ärzten, Therapeuten und Apotheken – wirft aber auch viele Fragen auf.

In diesem Online-Seminar bringen wir Licht ins Dunkel und zeigen Ihnen, wie Sie die ePA selbstbestimmt und sicher nutzen können.

Themenschwerpunkte:

Einführung: Was kann die ePA und wie bediene ich sie im Alltag?
Datenschutz: Wer hat Zugriff auf meine Daten und wie lege ich Rechte fest?
Individuelle Anpassung: Die ePA nach den eigenen Bedürfnissen gestalten.
Offener Austausch: Raum für Ihre persönlichen Fragen und Bedenken.

Stärken Sie Ihre digitale Gesundheitskompetenz und erfahren Sie, wie Sie die Kontrolle über Ihre Gesundheitsdaten behalten. Wir freuen uns auf Sie!

Anmeldung unter: https://www.lapk-bayern.de/service/termine/

Zuranolon: Neue Hoffnung bei postpartaler DepressionDie EU-Kommission hat Zuranolon (Zurzuvae®) zugelassen – das weltwei...
15/08/2026

Zuranolon: Neue Hoffnung bei postpartaler Depression

Die EU-Kommission hat Zuranolon (Zurzuvae®) zugelassen – das weltweit erste Medikament, das gezielt für die Behandlung der postpartalen Depression (Wochenbett-Depression) entwickelt wurde. Was dieses Medikament so besonders macht:

Schneller Wirkeintritt: Während klassische Antidepressiva oft 3 bis 4 Wochen brauchen, zeigt Zuranolon oft schon nach rund 3 Tagen eine Wirkung.

Kurze Einnahmedauer: Es wird als 14-tägige Kur eingenommen – statt über viele Monate hinweg.

Eine postpartale Depression trifft die gesamte junge Familie und löst bei Angehörigen oft große Hilflosigkeit aus. Umso wichtiger ist es, dass die Wissenschaft hier neue, rasch helfende Wege eröffnet!

Kennst du jemanden, dem diese Information helfen könnte? Dann teile diesen Beitrag gerne!



Quelle: Pharmazeutische Zeitung (2026): Postpartale Depression – neues Antidepressivum in der EU zugelassen.

Angehörige machen Geschichte(n) – Bitte, bitte sieh es doch ein! – Die Welt meines Sohnes„Was soll ich einsehen? Hörst D...
13/08/2026

Angehörige machen Geschichte(n) – Bitte, bitte sieh es doch ein! – Die Welt meines Sohnes

„Was soll ich einsehen? Hörst DU mir nicht zu? Die stalken mich. Dauernd sind sie hinter mir her. Ich muss aufpassen, dass sie mich nicht auf die U-Bahn Gleise schubsen. Was meinst du denn, warum ich abends nicht mehr das Haus verlasse! Sie lauern im Treppenhaus und ich kann nicht runter gehen.

Jetzt haben sie wieder gedroht, meinen Sohn zu entführen und behaupten, ich sei ein Pädophiler. Keiner hört mir zu.
Die Polizei auch nicht. Jetzt habe ich schon die vierte Anzeige erstattet und nichts wird bearbeitet. Die ganze Welt ist gegen mich.
Du hörst mir auch nicht zu. Hör auf, mich immer zum Arzt schicken zu wollen. Der kann ja nichts machen.

Geh mit mir zur Polizei und sag denen, dass die Stalker mir nach dem Leben trachten. Jede Nacht dieses Geschrei, dass sie mich umbringen werden. Weder DU, Mutter, noch A, meine Frau hört was. Seid ihr alle taub?

Ich weiß nicht wohin noch. Hier in der Wohnung kann ich nicht bleiben, sie bestrahlen mich jede Nacht. Und bei meiner Schwester kann ich auch nicht übernachten, denn dort sind sie auch schon. Sie wissen immer wo ich hin gehe. Ich kann doch nicht jede Nacht in ein anderes Hotel?

Danke für dein Angebot zu dir zu kommen, aber ich muss auf meinen Sohn aufpassen. Außerdem ist es bei dir auch nicht sicher. Dein obiger Nachbar hat sich ja auch schon mit denen verbrüdert. Haben wir doch bei meinen letzten Besuch gesehen. Der lügt, wenn er behauptet, er wohne allein.

Ich kann nicht arbeiten, so wie sie mich verfolgen, stören sie mich bei jeder Arbeit.
Wenn Du nichts hörst, dann kann ich mich auch umbringen. Versprich mir, auf meinen Sohn aufzupassen. Aber erst muss ich die noch umbringen, denn dann haben meine Frau und mein Sohn Ruhe.

Ich kann noch nicht mal auf den Balkon gehen, von oben werde ich mit Geruchsspray besprüht. Gegenüber geht immer, wenn ich rauskomme das Licht an, das machen die extra für mich, damit alle sehen, wohin ich gehe.

Du willst einfach nicht einsehen, dass ich gestalkt werde. Denk mal drüber nach, ich bin nicht verrückt. Die anderen sind verrückt, mich einfach so zu stalken und mir nach dem Leben zu trachten. Ich bring mich um, dann sind die zufrieden. Ihr seid verrückt, nicht ich.

von Kagehn

Diese Geschichte wurde uns im Rahmen der bundesweiten Aktion „Angehörige machen Geschichte(n)“ zugesandt.

ONLINE-SEMINAR: "Medikamentöse Therapie bei psychischen Erkrankungen: Wirkungen, Nebenwirkungen und Aussichten“Für die m...
10/08/2026

ONLINE-SEMINAR: "Medikamentöse Therapie bei psychischen Erkrankungen: Wirkungen, Nebenwirkungen und Aussichten“

Für die meisten psychischen Erkrankungen gibt es sowohl psychotherapeutische als auch pharmakologische Behandlungsmöglichkeiten. Doch welche verschiedenen Psychopharmaka gibt es, wann werden sie eingesetzt und wie wirken sie genau? Was kann es für Nebenwirkungen geben und welche Alternativen gibt es, wenn ein Medikament nicht vertragen wird? Welche Wechselwirkungen müssen beachtet werden?

Diese und andere Fragen klärt Dr. Antonia Feyrer, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, im Rahmen eines umfassenden Vortrags zu Medikamenten, die in der psychiatrischen Behandlung zum Einsatz kommen, und gibt im Anschluss Raum für Fragen der teilnehmenden Angehörigen.

Anmeldung unter: https://www.lapk-bayern.de/service/termine/

Können „Abnehmspritzen“ die psychische Gesundheit verbessern? Ein kritischer Blick auf den aktuellen Forschungsstand | T...
08/08/2026

Können „Abnehmspritzen“ die psychische Gesundheit verbessern? Ein kritischer Blick auf den aktuellen Forschungsstand | TEIL 2

Negative Nebenwirkungen auch auf Psyche

Obwohl GLP-1-Präparate laut neuerer Studien auch positive Auswirkungen auf die menschliche Psyche haben sollen, können sie offenbar auch genau das Gegenteil bewirken. Zumindest zeigt dies eine Auswertung von gemeldeten Nebenwirkungen aus über 31.000 Berichten aus dem Jahr 2024. Etwa 1,2 Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen betrafen psychische Beschwerden: 50 Prozent Depressionen, 39 Prozent Angstzustände und 20 Prozent Suizidgedanken. Obwohl die Gesamtzahl gering ist, gab es
leider auch sehr ernste Fälle. Es wurden 9 Todesfälle und 11 lebensbedrohliche Zustände gemeldet, die im Zusammenhang mit psychischen Problemen standen. Auffällig war, dass fast alle Todesfälle (8 von 9) Männer betrafen, obwohl insgesamt mehr Frauen die Medikamente nahmen. Die meisten schweren Verläufe (Todesfälle) wurden im Zusammenhang mit dem Wirkstoff Liraglutide gemeldet. Bei Semaglutid (dem Wirkstoff in Ozempic/Wegovy) gab es einen gemeldeten Todesfall in diesem Zeitraum.

Auch wenn die Zahlen insgesamt eher klein sind und Experten deren Bedeutung als wenig relevant einordnen, sollte eine Therapie mit einem GLP-1-RA, insbesondere, wenn bereits eine psychische Erkrankung vorliegt, nur unter engmaschiger Kontrolle und in Absprache mit einem Behandler begonnen werden.

Fazit

GLP-1-Rezeptoragonisten bieten neue Chancen zur effektiven Gewichtsabnahme, vor allem dann, wenn keine andere Methode oder Therapie wirksam gewesen ist. Die Therapie ist jedoch aktuell noch kostenintensiv, muss zum Erhalt des Gewichts dauerhaft
durchgeführt werden und kann kurzfristige, aber auch dauerhafte, teils schwerwiegende Nebenwirkungen haben. All das sollte man vor Therapiebeginn wissen. Eine Lebensstiländerung sollte am besten schon während der Therapie begonnen werden, damit sie
gegebenenfalls auch nach Beendigung der Medikation leichter weitergeführt werden kann.

Hinweis: Leider gibt es mehr und mehr unseriöse Anbieter im Internet, die vorgeben, Abnehmspritzen auch ganz ohne Arztkontakt zu vertreiben. Von einem Kauf über solche Händler raten wir dringend ab. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an
einer Therapie mit einer Abnehmspritze an Ihren
behandelnden Arzt.

# angehörige

Angehörige machen Geschichte(n) – Nie hätte ich gedacht, dass meine Ehe so enden würdeEs fing alles so wunderbar an. Ich...
06/08/2026

Angehörige machen Geschichte(n) – Nie hätte ich gedacht, dass meine Ehe so enden würde

Es fing alles so wunderbar an. Ich war sehr verliebt und er war ein toller Mann – charmant und gut aussehend. Wir verstanden uns von Anfang an gut. Nach einer Weile wurden wir ein Paar.

Mein (jetziger) Ex-Mann war beruflich ehrgeizig und gerade dabei, sich neu zu orientieren. Bereits nach einem halben Jahr begann es, dass er keine körperliche Nähe mehr zulassen konnte. Es waren auch keine Gespräche darüber möglich. Er sagte, er fühle sich unter Druck gesetzt. Körperliche Nähe konnte er die ganzen weiteren gemeinsamen Jahre nicht mehr zulassen. Ich wartete – viele Jahre – immer in der Hoffnung, dass es besser werden würde, wenn er beruflich angekommen sei und der Stress nachgelassen hat. Dies traf aber nie ein, denn mein Ex-Mann stürzte sich sehr in die Arbeit. Er war eigentlich immer überlastet und überfordert.
Mein Ex-Mann hatte frühe Traumatisierungen in der Kindheit durch seine Eltern erlebt. Eine Zeitlang war er bereit, zu einem Psychologen zu gehen und bekam auch eine Weile ein Antidepressivum. In dieser Zeit, als er die Medikamente nahm, war er zugänglicher und wesentlich entspannter. Aber er sah sich selbst nicht als „krank“ an und setzte die Medikamente bald wieder ab.

Es begann, dass er oft sehr wütend wurde. Meist auf Nachbarn oder Kollegen, die sich aus seiner Sicht nicht richtig verhielten. Er zeigte zunehmend zwanghafte Verhaltensweisen, insbesondere betraf das unsere gemeinsame Wohnung. Dort mussten die Dinge auf eine bestimmte Weise stehen und es sollte am besten 3 x täglich Staub gewischt werden. Mir war lange nicht klar, dass mein Mann sehr krank war. Ich schob es auf den Stress, wobei ich schon häufig versuchte, ihn dazu zu bewegen, sich therapeutische Hilfe zu holen. Dies lehnte er stets ab. Er sei nicht krank.

Ich wurde aber inzwischen krank und wurde gegen Depressionen behandelt. Nun fing es an, dass er – nach anfänglichem Verständnis – mich abzuwerten begann. Immer wieder stellte er es so dar, dass er der Starke, Gesunde sei und ich diejenige, die er ertragen müsse. Während der Pandemie war ich vermehrt im Homeoffice und der dann weniger vorhandene Abstand fiel meinem Ex-Mann sehr schwer. Ihm gefiel es nicht, dass ich mehr zu Hause war. Wir verstanden uns immer weniger. Mein Ex-Mann geriet immer mehr unter Druck, vielleicht auch, weil er beruflich neue Herausforderungen gesucht hatte. Er begann mich zu beschimpfen und bekam schließlich fast täglich schlimme Wutanfälle.

Neu war, dass nun ich (aus seiner Sicht) diejenige war, die Schuld war an der Situation und die Zielscheibe seines Zornes. Er redete manchmal stundenlang auf mich ein und gab erst Ruhe, wenn ich seinem Standpunkt zustimmte. Das Zusammenleben mit ihm wurde immer anstrengender für mich, da ich ständig aufpassen musste, was ich tat oder sagte, da alles seinen Unmut wecken konnte. Ich hatte inzwischen sogar große Angst vor ihm. Ich fühlte mich ausgeliefert, da wir ja in einer gemeinsamen Wohnung wohnten und ich nicht wusste, wohin ich hätte gehen können, um mich in Sicherheit zu bringen.

Schließlich vertraute ich mich meinem Bruder und meiner Freundin an. Die Beiden halfen mir, aus dieser Situation herauszukommen. Ich zog in einer Nacht- und Nebelaktion zu meiner Freundin. Ich hatte Angst, dass mein Ex-Mann, hätte er es mitbekommen, möglicherweise sogar gewalttätig geworden wäre. Ich sagte meinem Ex-Mann, dass ich Abstand brauche und auch nicht in den geplanten Urlaub mit ihm fahren möchte. Daraufhin kündigte er seinen Suizid an. Ich verständigte die Polizei, die ihn glücklicherweise rechtzeitig fand und ihn an den Sozialpsychiatrischen Dienst vermittelte. Dann war mein Ex-Mann mehrere Monate in der Psychiatrie. Erst dann erfuhr ich, dass er wohl eine Persönlichkeitsstörung hat. Noch während er in der Klinik war, sagte ich ihm, dass ich nicht in die gemeinsame Wohnung zurückkehren werde. Ich hatte große Angst vor ihm und seinen Wutanfällen.

Ich ging in eine Angehörigengruppe für Angehörige von psychisch Kranken und in eine Beratungsstelle für Beziehungsgewalt. Dort fand ich viel Hilfe und Unterstützung. Ich trennte mich von meinem Ex-Mann, ließ mich scheiden und wir verkauften die gemeinsame Wohnung. Leider konnte ich aus Sicherheitsgründen mich nicht mehr mit ihm treffen, es gab also auch kein klärendes Gespräch oder Ähnliches. All das wäre viel zu gefährlich gewesen. Mittlerweile beschimpfte mich mein Ex-Mann nur noch schlimm. Ich wusste aus der Vergangenheit, dass er zu Racheaktionen neigte und daher erfuhr er auch meine neue Wohnungsanschrift aus Sicherheitsgründen nicht.

Was ich sehr traurig finde, ist, dass wir nicht miteinander sprechen konnten. Aber die Therapeuten sagten mir, dass das nicht ginge, da mein Ex-Mann zu krank dafür ist. So muss(te) ich für mich diese Geschichte aufarbeiten. Glücklicherweise habe ich die Unterstützung meiner Familie und meiner Freunde und heute ein schönes neues Leben, in dem ich mich sicher fühlen kann.

von A. E.

Diese Geschichte wurde uns im Rahmen der bundesweiten Aktion „Angehörige machen Geschichte(n)“ zugesandt.

ONLINE-SEMINAR: "Homöopathie bei psychischen Erkrankungen“ – Möglichkeiten und Grenzen der BehandlungDie Behandlung psyc...
03/08/2026

ONLINE-SEMINAR: "Homöopathie bei psychischen Erkrankungen“ – Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung

Die Behandlung psychischer Erkrankungen erfordert oft einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen. Neben der klassischen Psychopharmakotherapie suchen viele Betroffene und Angehörige nach ergänzenden, sanften Wegen, um das seelische Gleichgewicht zu unterstützen. Doch was kann die Homöopathie in diesem sensiblen Bereich leisten, und wo liegen ihre klaren Grenzen?

In diesem Online-Seminar gibt der erfahrene Psychiater Dr. med. Kai Besserer mit ausgewiesener Expertise im Bereich der Homöopathie einen fundierten Einblick in die komplementärmedizinischen Möglichkeiten.

Im Anschluss an den fachlichen Vortrag bleibt ausreichend Zeit für Ihre persönlichen Fragen an den Experten. Nutzen Sie die Gelegenheit, um mehr über die Chancen einer integrativen Psychiatrie zu erfahren, die das Beste aus beiden Welten vereint.

Anmeldung unter: https://www.lapk-bayern.de/service/termine/

Spannende Studie aus Finnland, die wir gerne teilen möchten.
03/08/2026

Spannende Studie aus Finnland, die wir gerne teilen möchten.

Neben dem Elternhaus haben auch Peer-Gruppen einen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen. In einer Studie aus Finnland wurde dies besonders deutlich bei Schülern der Oberstufe, wobei sich vor allem internalisierende Störungen auf Mitschüler auswirkten. Bei den externalisierenden Störungen überwog der Einfluss der familiären Umgebung.➡️Mehr Informationen in unserem Artikel: https://daebl.de/71xw

Können „Abnehmspritzen“ die psychische Gesundheit verbessern? Ein kritischer Blick auf den aktuellen Forschungsstand | T...
01/08/2026

Können „Abnehmspritzen“ die psychische Gesundheit verbessern? Ein kritischer Blick auf den aktuellen Forschungsstand | TEIL 1

Seit einigen Jahren schon, sind die landläufig als „Abnehmspritzen“ bezeichneten Medikamente in aller Munde. Bekanntermaßen schaffen sie häufig das, was sonst nur durch eine konsequente Änderung des Lifestyles zu erreichen ist: Sie lassen die Pfunde
zuverlässig purzeln. Dies hat vielen Menschen, die bereits an unzähligen Diät-Versuchen gescheitert sind, Hoffnung gegeben. Doch warum gelingt das Abnehmen damit so effektiv?

Die ursprünglich aus der Typ-2-Diabetesforschung stammenden Medikamente, auch GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) genannt, ahmen die Wirkung des körpereigenen Hormons Glucagon-like Peptide-1 nach. Dieses senkt u.a. den Blutzuckerspiegel, indem
es die Insulinproduktion fördert, es steigert das Sättigungsgefühl
und verzögert die Magenentleerung. Alles zusammen führt in der Regel recht schnell und zuverlässig zu einem signifikanten Gewichtsverlust.

Abnehmen und die Psyche

Die Wirkstoffe scheinen jedoch auch Auswirkungen auf die psychische Gesundheit zu haben. Erst im März dieses Jahres kam eine Studie der Universität Ostfinnland, des Karolinska-Instituts in Stockholm und der Griffith University in Australien zu dem Ergebnis, dass Menschen, die Semaglutid, eines der bekanntesten
GLP-1-RAs, nutzten, ein um 42 Prozent geringeres Risiko für eine Verschlechterung ihrer psychischen Erkrankung hatten. Bei dem Medikament Liraglutid lag das Risiko immerhin noch um 18 Prozent niedriger.

Konkret sank das Risiko bei einer Depression um 44 Prozent, bei Angststörungen um 38 Prozent. Auch konnte ein geringeres Risiko für Substanzmissbrauch sowie weniger Krankschreibungen und
Klinikaufenthalte wegen Drogen- oder Alkoholkonsum festgestellt werden. Auch wenn es sich hierbei um eine Beobachtungsstudie mit Daten von 95.000 Menschen handelt und kein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme der Medikamente und dem psychischen Befinden auszumachen ist, sind die Ergebnisse dennoch bemerkenswert und sollten, so die Studienautoren, in klinischen Studien weiter untersucht werden.

Gewichtsreduktion unter Neuroleptika

Eine weitere Studie konnte zeigen, dass Semaglutid
bei Menschen mit Schizophrenie oder schizoaffektiven
Störungen, die unter Clozapintherapie an Gewicht
zugenommen haben, wirksam ist und das Gewicht
deutlich stärker reduziert als ein Placebo. Auch das
sind zunächst ermutigende Daten, da Patienten häufig
unter der teils enormen Gewichtszunahme leiden.
Nicht selten brechen deshalb auch einige von ihnen
die Therapie ab, deren Weiterführung jedoch für ihre
psychische Gesundheit absolut notwendig wäre.

Therapie hat ihren Preis

Jedoch haben diese Medikamente nicht nur ihre Vorteile. Zunächst ist eine Therapie mit einer „Abnehmspritze“ wie z.B. Wegovy oder Mounjaro ziemlich kostenintensiv. In Deutschland sind die Medikamente zwar auf Rezept zu bekommen – die Kosten dafür
muss aber der Patient (bisher) vollständig selbst tragen. Lediglich bei Vorliegen eines Typ-2-Diabetes übernehmen Krankenkassen die Kosten. Je nach Medikament können monatlich zwischen 300 – 500
Euro zusammenkommen. Hinzu kommt, dass die Spritzen dauerhaft angewendet werden müssen, um das Gewicht zu halten. Setzt man das Medikament ab, kommt meist das Hungergefühl zurück und die Patienten nehmen erneut zu. Um eine allzu starke Gewichtszunahme zu verhindern, muss spätestens jetzt eine deutliche Lebensstiländerung erfolgen, was vielen Menschen jedoch schwerfällt. Deutlich besorgniserregender ist jedoch das Nebenwirkungsprofil der Wirkstoffe: Magen-Darm-Beschwerden
wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Völlegefühl sind meist zu Beginn spürbar, aber nur selten schwerwiegend. Ganz anders verhält es sich mit den seltener vorkommenden Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Gallenproblemen sowie einem möglichen Abbau von Muskelmasse. Im Rahmen einer
weiteren Analyse von fast 150.000 Patienten fanden Forscher heraus, dass Personen, die GLP-1-Medikamente einnahmen, ein deutlich erhöhtes Risiko für Skeletterkrankungen aufwiesen. Über fünf Jahre war das Risiko für Osteoporose – eine Erkrankung, bei
der Knochen porös und brüchig werden – knapp 30 Prozent höher. Das Gicht-Risiko, eine schmerzhafte Arthritis durch Harnsäurekristalle in den Gelenken, stieg um 12 Prozent. Das Risiko für Osteomalazie, eine seltene Knochenerweichung aufgrund eines
niedrigen Mineralgehalts, erhöhte sich um mehr als 150 Prozent. Besonders gefährdet, so die Studienautoren, wären postmenopausale Frauen, deren Risiko für Knochenbrüche jährlich steigt.

-> Folgt uns für Teil 2 (nächste Woche) zur gleichen Zeit.

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