15/10/2026
Was wäre, wenn wir das Internet morgen einfach abschalten könnten? Keine sozialen Medien mehr, keine Hasskommentare, keine Algorithmen. Aber auch keine schnellen Nachrichten an unsere Liebsten oder den Weg auf Google Maps nachsehen.
Würden wir es tun?
Die Frage ist gar nicht so abwegig. Die EU fordert den Meta-Konzern auf, Kinder und Jugendliche besser vor den Risiken seiner Plattformen zu schützen. Friedrich Merz spricht sich für eine Klarnamenpflicht im Internet aus. Beides berührt eine Frage, die uns immer mehr beschäftigt: Wie viel Freiheit wollen wir im Internet und wie viel Schutz brauchen wir?
Wir sind zwiegespalten. Die Angst, mit einem vermeintlich „freien“ Internet etwas zu verlieren, dessen Potenzial wir noch gar nicht ganz ausgeschöpft haben, scheint ebenso verbreitet wie unsere Sorge, dass die negativen Konsequenzen, die das Internet schon jetzt auf uns hat, ohne staatliche Steuerung nur noch schlimmer werden.
Wäre es da nicht sinnvoller, das Internet einfach wieder abzuschaffen, damit wir uns mit diesen Problemen gar nicht mehr beschäftigen müssen? Wären die Probleme, die das Internet verstärkt, dann tatsächlich verschwunden?
Wir können die Zeit nicht einfach zurückdrehen. Denn die Ursachen für die Spaltung der Gesellschaft werden dadurch nicht einfach ausgeräumt. Gleichzeitig wäre es naiv, zu glauben, dass wir ohne staatliche Eingriffe im Internet tatsächlich frei wären, weil auch Konzerne wie Meta unseren Internetkonsum gemäß ihren eigenen Interessen lenken.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, noch einmal grundlegender zu fragen: Wie wollen wir miteinander umgehen? Was bedeuten Freiheit und Sicherheit und wie stehen sie im Verhältnis zueinander? Und wie soll nicht nur unsere, sondern auch die Gesellschaft unserer Kinder und Enkel aussehen?
Vielleicht geht es am Ende gar nicht nur darum, ob wir das Internet brauchen. Sondern darum, welche Art von Internet wir wollen, und welche Art von Gesellschaft wir darin miteinander gestalten möchten.