19/09/2026
Am 19. September 2026 kamen Mitglieder der Ackermann-Gemeinde und der Sdružení Ackermann-Gemeinde in Leitmeritz (Litoměřice) zusammen, um das 80-jährige Bestehen unserer Gemeinschaft zu begehen. Anlass war der „Jahr der Versöhnung“ im Bistum Leitmeritz/Biskupství litoměřické
Im Mittelpunkt standen das gemeinsame Erinnern an die Opfer von Nationalsozialismus, Krieg und Nachkriegszeit sowie der Blick auf das Verhältnis zwischen Tschechen und Deutschen. Am ehemaligen NS-Krematorium Richard gedachten die Teilnehmer der Opfer des Konzentrationslagers Flossenbürg und der nationalsozialistischen Verbrechen. Zugleich wurde an das Leid der deutschen Bevölkerung nach dem Krieg und an Vertreibung und Entrechtung erinnert.
Besonders bewegte das Zeugnis von Monika Marková, die über die Erfahrungen ihrer deutsch-tschechischen Familie nach dem Krieg berichtete. Es machte deutlich, wie lange die Folgen von Unrecht und gegenseitigen Verletzungen nachwirken können.
Erzbischof Stanislav Přibyl betonte in seiner Predigt: „Ein Unrecht kann niemals ein anderes rechtfertigen.“ Versöhnung brauche Wahrheit, Vergebung, Mut und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Auch der Vertreter der Deutschen Botschaft, Michael Fuchs, unterstrich, dass Versöhnung nur gemeinsam gelingen könne.
Für die Ackermann-Gemeinde erinnerte Marie Bode daran, dass unsere Gemeinschaft vor 80 Jahren nicht nur als Hilfsorganisation für Vertriebene gegründet wurde, sondern von Beginn an auch den Auftrag hatte, Brücken zwischen Deutschen und Tschechen zu bauen. Heute sehen wir unsere Aufgabe darin, durch Dialog, gegenseitiges Zuhören und gemeinsames Erinnern Vertrauen und Verständigung weiter zu fördern.
Der Tag in Leitmeritz war damit nicht nur ein Gedenken an die Vergangenheit, sondern auch ein Zeichen für eine gemeinsame europäische Zukunft. Zum Abschluss besuchten die Teilnehmer das Grab des früheren Leitmeritzer Bischofs Anton Weber und gedachten seiner in einem stillen Gebet.