11/06/2026
Mit seriösem Journalismus hat das nichts zu tun: Nach einem schweren Busunfall bei Dachau am gestrigen Mittwoch verbreiteten vermeintliche Nachrichtenseiten auf Facebook höchst dramatische Bilder, die offenbar den Anschein erwecken sollen, den Unfall und teils trauernde Rettungskräfte zu zeigen. Die Szenen haben sich so allerdings nicht zugetragen: Die Bilder sind KI-generierte Erfindungen. Teils werden die Bilder ohne Kennzeichnung verbreitet, teils wird klein im Text der Posts erwähnt, es seien „Symbolbilder“.
Der Pressekodex ist hier eindeutig:
"Richtlinie 2.2 – Symbolbild
Kann eine Illustration, insbesondere eine Fotografie, beim flüchtigen Lesen als dokumentarische Abbildung aufgefasst werden, obwohl es sich um ein Symbolbild handelt, so ist eine entsprechende Klarstellung geboten. So sind
• Ersatz- oder Behelfsillustrationen (gleiches Motiv bei anderer Gelegenheit, anderes Motiv bei gleicher Gelegenheit etc.)
• symbolische Illustrationen (nachgestellte Szene, künstlich visualisierter Vorgang zum Text etc.)
• Fotomontagen oder sonstige Veränderungen deutlich wahrnehmbar in Bildlegende bzw. Bezugstext als solche erkennbar zu machen.
[...]
Richtlinie 2.5 – Grafische Darstellungen
Die Sorgfaltspflicht verlangt, bei grafischen Darstellungen irreführende Verzerrungen auszuschließen."
Ein KI-generiertes Bild, das offensichtlich mit der Absicht erstellt wird, eine reale Unglücks-Situation emotionalisierend zu verzerren, ist demnach kaum als sachliches „Symbolbild“ geeignet. Weiter sind hier die Richtlinien 8.2 – Opferschutz und 8.3 – Kinder und Jugendliche relevant.
Dennoch geht die Masche auf, die Posts mit KI-Bildern werden zahlreich geliked und geteilt. Hier ist Medienkompetenz gefragt: Seriöser Journalismus hält sich an den Pressekodex und verzichtet auf übertriebene und gefälschte Darstellungen – auch auf Social Media.
Zum Pressekodex: https://www.presserat.de/pressekodex.html