06/10/2026
Zurück in München: Michael Jäger, Vizepräsident des BdSt in Bayern bei der vbw zu einer Expertenrunde zum Thema "Digitalisierung im Steuerwesen".
Die Begrüßung erfolgte durch Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer, vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Die Einleitung zum Thema hielt Georg Geberth, Vorstandsvorsitzender des Instituts für Digitalisierung im Steuerrecht e. V. & Vorsitzender, vbw Ausschuss Steuer und
Finanzpolitik.
Aus Sicht des Steuerzahlerbundes sind bei diesem Thema die folgenden Punkte wichtig:
- *Digitalisierung muss Bürokratie abbauen – nicht digitalisieren.* Schlechte und komplizierte Verfahren werden nicht besser, nur weil sie elektronisch sind. Erst vereinfachen, dann digitalisieren.
- *Daten nur einmal – statt immer wieder! Das Once-Only-Prinzip* muss zum Standard werden: Was Bürger und Unternehmen dem Staat bereits gemeldet haben, darf nicht bei der nächsten Behörde erneut abgefragt werden. Genau dieses Thema bildet einen Schwerpunkt der Tagung.
- *Der Staat muss seine Daten selbst zusammenführen.* Registermodernisierung und einheitliche Schnittstellen sind Aufgabe der Verwaltung – Bürger und Unternehmen dürfen nicht länger die fehlende Vernetzung staatlicher Stellen ausgleichen.
- *E-Rechnung: Vereinfachung statt neuer Meldebürokratie.* Die E-Rechnung darf nicht zu zusätzlichen Dokumentations-, Speicher- und Meldepflichten führen. Gerade Mittelstand und kleine Betriebe brauchen einfache, bezahlbare Lösungen.
- *Die digitale Betriebsprüfung muss schneller werden.* Wenn Unternehmen strukturierte Daten und funktionierende Steuerkontrollsysteme bereitstellen, muss sich das auszahlen: weniger Prüfungsaufwand, kürzere Prüfungszeiten und schneller Rechtssicherheit.
- *Wir brauchen einheitliche Standards statt einem digitalem Flickenteppich.* Bund, Länder und Kommunen brauchen kompatible Systeme und Schnittstellen. Föderalismus darf nicht bedeuten, dass 16 unterschiedliche digitale Lösungen entstehen.
- *Automatisieren, dort wo es einfach ist – Menschen entscheiden lassen, wo es schwierig wird.* KI und automatisierte Steuerverfahren können Routinefälle beschleunigen. Bei Zweifelsfällen müssen aber immer echte Ansprechpartner, Einspruchsmöglichkeiten und menschliche Entscheidungen gewährleistet bleiben.
- *Digitalisierung muss eine Dividende für Steuerzahler schaffen.* Milliardeninvestitionen in IT sind kein Selbstzweck. Messbare Ziele sollten sein: weniger Verwaltungskosten, weniger Arbeitsstunden für Steuerpflichtige, kürzere Bearbeitungszeiten und weniger Bürokratie.
Zusammengefasst:
„Digitalisierung im Steuerwesen darf nicht bedeuten, dass wir die bestehende Bürokratie einfach vom Papier auf den Bildschirm übertragen. Ziel muss sein: Daten nur einmal zu erfassen, Verfahren zu vereinfachen und Betriebsprüfungen deutlich zu beschleunigen. Digitalisierung ist für den Steuerzahler dann hilfreich, wenn sie am Ende Zeit und Geld spart – beim Bürger, beim Unternehmen und beim Staat. Digitalisierung, die nur Vorteile für die Verwaltung schafft, lehnen wir ab.“