21/12/2025
✨ Unsere Kollegin Iamze ist studierte Kunsthistorikerin und Georgierin. In ihrem Beitrag zu unserem Adventskalender geht es daher heute um Weihnachtsdarstellungen in katholischer und orthodoxer Tradition – und die Gelati-Kirche in Georgien. ✨
Die Darstellungen der Geburt Christi unterscheiden sich deutlich zwischen katholischer und orthodoxer Tradition. In der katholischen Kirche steht die Weihnachtskrippe im Mittelpunkt. Sie zeigt die Geburt in einer idyllischen Szene mit Stall, Ochs und Esel, Hirten und der Heiligen Familie.
In der orthodoxen Kirche hingegen wird die Geburt Christi in einer Ikone dargestellt, die Christus in einer dunklen Höhle zeigt – ein Symbol für Grab und Auferstehung. Maria erscheint in königlichem Gewand, Engel und die drei Weisen sind als Gruppen dargestellt, weniger individuell. Die Ikone hebt die theologische Tiefe hervor: Geburt, Tod und Auferstehung sind untrennbar miteinander verbunden. Typisch ist auch die Szene mit Frauen, die das Bad für das Kind vorbereiten, ein Hinweis auf die wirkliche Menschlichkeit Jesu.
Ein eindrucksvolles Beispiel für die orthodoxe Bildsprache findet sich im Fresko der Geburt Christi im Kloster Gelati in Westgeorgien, das im 12. Jahrhundert von König David dem Erbauer gegründet wurde und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Dort kniet Maria in einem dunkelroten Gewand vor der Höhle, leicht nach vorne geneigt. Die drei Weisen erscheinen als Gruppe, darüber die Engel ebenfalls als Einheit. Am unteren Bildrand sind Josef und ein alter Hirte im Gespräch dargestellt sowie zwei Frauen, die das Bad für das Kind vorbereiten. Diese Komposition verbindet die mystische Symbolik der Höhle mit der konkreten Menschlichkeit des Kindes und zeigt die orthodoxe Ikonographie in ihrer ganzen Tiefe.
Auch die Festdaten unterscheiden sich: Katholiken feiern Weihnachten am 25. Dezember nach dem gregorianischen Kalender, während viele orthodoxe Kirchen wie die georgisch-orthodoxe dem julianischen Kalender folgen und am 7. Januar feiern.