03/05/2026
Unser Bericht zu Freitag 01.05.2026..geschrieben von Claudia und Kathrin
Unser letzter Tag war voll mit Eindrücken und Emotionen. Vormittags ging es zusammen mit Gabi los Richtung Constanța, wo mit der Sanctuary Hope eine weitere kleine Auffangstation das Team rund um Gabi unterstützt.
Am Donnerstag, dem 30.04.26, wurde wieder eine kleine Hündin zwischen den Autos aufgegriffen. Ein typischer Hund, der in Rumänien mit sehr großer Wahrscheinlichkeit etwas wie ein Zuhause gehabt haben muss. Sie bekam zunächst den Namen "Speranță", was Hoffnung bedeutet und nun wurde daraus "Hope".
Nach der ersten Dusche und der ersten Zeckenprophylaxe fuhr Hope mit zu Gabi → durch die Ausreise von Maya, Carla und Onyx war Platz für einen neuen Hund. Nun wird Hope den Weg aller neuen Hunde nehmen: Untersuchung, Chip, Tests und dann Impfungen, um geduldig auf ihre Chance zu warten.
Von Constanța aus fuhren wir nach Corbu, wo es durch die Susy Utzinger Stiftung eine zweitägige Kastrationskampagne gab. Den Blick hinter die Kulissen wird Kathrin beschreiben, die die Thematik kennt, aber bis dato noch nicht hautnah erlebt hat.
Nichts ist im Auslandstierschutz wichtiger als konsequente Kastrationen, um der unkontrollierten Vermehrung und dem daraus entstehenden Elend nachhaltig den Nährboden zu entziehen.
Zum Abschluss des Tages stand noch einmal ein Treffen der meisten der Beteiligten des Teams auf dem Programm. Was ist wichtiger als sich über alle Themen in lockerer Runde auszutauschen.
Jetzt möchte ich euch Kathrins Blick, ihre Gedanken, zu der Kastrationskampagne weitergeben.
Über unsere Wünsche und Träume zur Unterstützung des Teams werden wir mit genügend Abstand der Emotionen der letzten Tage noch berichten. Ebenso werden wir einige Hunde neu vorstellen und bereits bekannte durch unsere Eindrücke aktualisieren.
Danke für eure Geduld des Mitlesens und nun hat Kathrin das Wort:
„Gestern durfte ich einen Tag bei einer Kastrationskampagne in Corbu (ca. 70 km von Mangalia) dabei sein.
Ein Gemeindehaus, das für zwei Tage zur mobilen Klinik wird. Draußen wartende Halter*innen mit ihren Hunden und Katzen, drinnen sieben OP-Stationen, an denen parallel gearbeitet wird. Jeder Handgriff sitzt. Effizient, strukturiert, eingespielt.
Und genau das hat mich nachhaltig beeindruckt.
Von außen könnte man diesen Ablauf vielleicht als reine Routine wahrnehmen. Was ich erlebt habe, war etwas anderes: Eine Form von Professionalität, die nur funktioniert, wenn Fachlichkeit und Haltung zusammenkommen.
Während auf der einen Seite operiert wurde, wurden auf der anderen Tiere vorbereitet, überwacht, beim Aufwachen begleitet. Dazwischen wurde Material desinfiziert, organisiert, kommuniziert – alles in einer Selbstverständlichkeit, die zeigt, wie viel Erfahrung hier zusammenkommt.
Besonders eindrücklich fand ich auch die Details, die vielleicht nicht immer direkt wahrgenommen werden: Noch in Narkose bekommen die Hunde ihre Ohrmarke als sichtbares Zeichen dafür, dass sie bereits kastriert wurden. Bei Hündinnen wird zusätzlich unterhalb der Kastrationsnarbe ein farbiger Strich gesetzt. Eine wichtige zusätzliche Kennzeichnung – denn sollte eine Ohrmarke verloren gehen (beispielsweise durch eine Auseinandersetzung mit Artgenossen o. ä.), lässt sich so trotzdem erkennen, dass die Hündin bereits kastriert ist und wer (i. S. v. welche Stiftung) die Kastration durchgeführt hat.
Was wir auch nicht vergessen dürfen: Die Menschen vor Ort arbeiten ehrenamtlich. Tierärzt*innen, Studierende, Helfer*innen. Sie investieren ihre Freizeit, ihren Urlaub, ihre Energie.
Ein Moment ist mir ganz besonders im Kopf geblieben: Während ich mit einer der Helferinnen gerade einen frisch operierten, großen Rüden in seine Box gelegt habe, lief draußen direkt vor dem Gebäude ein unkastrierter Straßenhund am Zaun entlang. Wenige Augenblicke später war auch er gesichert und wurde versorgt. Später, als er im Aufwachraum lag, wurde deutlich, wie sehr Hunde auf der Straße auch anderen Belastungen ausgesetzt sind: Unter seinem dichten Fell kamen beim Absuchen unzählige Zecken zum Vorschein. Ein weiterer stiller Hinweis darauf, unter welchen Bedingungen viele dieser Hunde leben und wie wichtig die Zeckenprophylaxe ist.
Aber zurück zum eigentlichen Thema: Kastration ist kein emotionales Thema. Es ist kein Bild, das schnell Aufmerksamkeit erzeugt. Aber sie ist der zentrale Hebel, wenn es darum geht, langfristig Tierleid zu reduzieren.
Genau darum geht es. Nicht um einzelne spektakuläre Rettungsmomente, sondern um konsequente, oft unsichtbare Arbeit an der Ursache.
Was ich gestern mitgenommen habe, ist vor allem größter Respekt. Für diese Präzision. Für diese Leichtigkeit trotz hoher Verantwortung. Und für all die Menschen, die genau solche Tage möglich machen.
Zum Abschluss noch ein paar Zahlen und Fakten, die ich gern mit Euch teilen möchte:
Die Kampagne läuft auch heute noch den ganzen Tag. Nach Information der Tierärztin Irina wurden allein gestern 85 Tiere kastriert.
Beim Rüden dauert die Kastration etwas über 6 Minuten, bei Hündinnen zwischen 10 und 20 Minuten. Bei Katzen ist das entsprechend ähnlich.
Eine Kastration kostet zwischen 35 und 40 €. Sie sind ein direkter Beitrag dazu, unkontrollierte Vermehrung und das daraus entstehende Leid nachhaltig zu begrenzen.
Auslandstierschutz beginnt nicht erst dort, wo bereits geborene Tiere Hilfe brauchen. Nachhaltig wird er erst dann, wenn wir an der Ursache ansetzen – und das bedeutet vor allem: konsequente Kastration.“
=> Wir sind wieder in heimatlichen Gefilden und versuchen zu uns zu kommen 🤭