17/11/2025
Volle Aula, begeisterte Zuschauer!
„Spannend wie ein Krimi“ seien seine Vorträge. Das habe sie im Internet gelesen. Mit diesen Worten begrüßte die Vorstandsvorsitzende der Bittmann-Stiftung, Sabine Bittmann, das Publikum am Freitagabend in der vollbesetzten Aula des Paul-Schneider-Gymnasiums in Meisenheim. Und sie sollte Recht behalten. Die Stiftung hatte den Profiler und Kriminalanalysten Mark T. Hofmann für einen Vortrag gewinnen können. Das Thema mit Nutzwert für den Alltag: „Menschen lesen – erfolgreich überzeugen“. Das Publikum applaudierte ausdauernd und intensiv.
Es ist der Widerspruch in den Persönlichkeiten von intelligenten Tätern, die Hofmann antreibt, mit ihnen in Verbindung zu treten, um ihre Motive herauszufinden. Denn nur die „Doofsten sitzen hinter Gittern“, sagt der Kriminalanalyst, der sich in den dunklen Sphären des Internets bewegt, um Kontakte zu knüpfen. Hofmann will wissen, was hoch qualifizierte Hacker antreibt. „Sie haben sich für die Kriminalität entschieden, obwohl sie Alternativen haben und auch auf der guten Seite gut verdienen könnten.“
Teil des alltagsnah aufgebauten Vortrags war dem Thema Lügen gewidmet. Wie sie zu erkennen sind, dazu gab es praktische Lehrbeispiele. Mimik, zu häufiger Augenkontakt, hohe Blinzelfrequenz, besondere Betonung der Wahrheit, detailreiche Antworten auf einfache Ja-Neinfragen und Fragewiederholung, das sind laut Hofmann entlarvende Erkennungszeichen für Menschen, die ein Problem mit der Wahrheit haben. Zur genauen Beurteilung sei allerdings Voraussetzung, den Normalzustand der jeweiligen Kriterien beim Gegenüber zu kennen – die Baseline, wie Hofmann es nennt.
Seine Beispiele sorgten immer wieder für erheiternde Zustimmung im Publikum, sind doch auch einige Erkenntnisse im Laufe des Lebens zum Erfahrungsschatz geworden. Viele Erkenntnisse hat der Profiler bei seinen USA-Aufenthalten von FBI-Ermittlern übernommen und abgeleitet. Er rät: „Mit Augen, Ohren und Herz“ den Fokus auf Details hinter der Fassade richten und die Motive des Gegenübers erkennen.
Gerade in Verhandlungen, sei es geschäftlich oder privat, sei es von Nutzen zu erkennen, mit welchem Typ Mensch man es zu tun habe. Die am häufigsten vorkommenden Erscheinungsarten teilt Hofmann in sechs Motivkategorien: Die Narzissten, die Unsicheren, die Jammernden, die Starken, die besonders Intelligenten und die, die nach Beliebtheit streben. Erkenntnis führe zu einer besseren Verhandlungsposition. Verkaufen heißt zeigen und weniger reden, weil optische Wahrnehmung eindrucksvoller sei als viele Worte - und im richtigen Moment auch einmal stillhalten und nichts sagen, sei oftmals der erfolgversprechendere Weg.
Hofmann hat mithilfe von Videosequenzen prominenter Personen demonstriert, woran Lügen erkannt werden können. Hofmann lenkte dabei den Blick auf das, was nach oft wortreicher Unschuldsbeteuerung geschah, denn „die verräterische Mimik zeigt sich danach“. Verdächtig macht laut Hofmann außerdem die wiederholte Versicherung der Unschuld.
Wenn ein Vortrag über eineinhalb Stunden wie im Fluge vorbeigegangen zu sein scheint, dann hat der Referent bei Themenwahl und Präsentation offenbar alles richtig gemacht. Hofmann hat ganze (Überzeugungs)-arbeit geleistet. Eineinhalb Stunden, schnell waren sie vorbei und Hofmann noch für Fragen aus dem Publikum offen.