19/08/2026
„Er wird die Armen retten, wenn sie zu ihm rufen; er wird den Unterdrückten helfen, die niemanden haben, der sie verteidigt.“
Psalm 72,12
Wer die Bibel mit offenen Augen liest, dem wird es nicht entgehen: Gottes Herz schlägt für die Armen. Vom ersten Buch Mose bis hin zur Offenbarung spielen sie für ihn eine besondere Rolle. Dieser Psalm spricht eine deutliche Sprache: die Armen und Entrechteten haben Gott auf ihrer Seite.
Manchmal frage ich mich: Was hat der, der nichts mehr hat? Eine Antwort auf diese Frage hat mir mein englischer Freund Tony Neeves vor kurzem gegeben. Er hat über 50 Länder besucht und ist dort überwiegend Menschen begegnet, die zu den Armen gehören.
Auf den Bijagos Inseln (Guinea) ist er einem armen Bauern begegnet. Als sie sich verabschiedeten, sagte Tony zu seinem neuen Freund, dass er für ihn beten würde, da es doch sicher sehr schwer sein müsse, in solcher Armut zu leben. Zu seiner Überraschung antwortete der Bauer, dass er auch für Tony beten würde, da er ja auch sehr arm sei. Etwas verwirrt fragte Tony, wie er das meine und warum er ihn auch für arm hielte.
Seine einfachen, aber tiefgründigen Worte sind meinem Freund bis heute im Gedächtnis geblieben: „Oh“, sagte der Bauer, „du bist arm; du hast Gott und Dinge, die dich von Gott ablenken – ich habe nur Gott.“
Offensichtlich hatte dieser Bauer etwas entdeckt, was ihn zu den reichsten Menschen der Erde machte: den direkten, unbeschwerten Weg zu Gott, der zu tiefem Frieden führt. Wie kostbar!
„Was hat der, der nichts mehr hat?“, so lautete meine Frage. Die Antwort: Viel mehr als der, der alles hat. Denn wer nichts mehr hat, hat immer noch Gott. Wer nichts mehr hat, weiß, auf wen er sich verlassen kann.
Ähnliche Situationen habe ich selbst an vielen Orten in den ärmsten Gegenden der Erde erlebt. In den Slums habe ich mit Menschen gesprochen, deren größter Wunsch es war, die nächste Mahlzeit zu erreichen. Immer wieder hörte ich von ihnen: Gott wird uns versorgen.
Steve Volke
CEO Compassion Deutschland