02/12/2013
Eine Unverschämtheit, die Kritik verdient, daher wollen wir diese Aktion unterstützen und hoffen auf eine Stellungnahme! Helft mit, es geht ganz leicht
Am 21.11 lief im SWR ein Beitrag mit dem Titel "Wachsende Armutszuwanderung aus Südosteuropa" über die Situation von rumänischen und bulgarischen Migrant*innen in der Neckarstadt-West. Der Beitrag gleitet in unseren Augen offen ins Rassistische ab und konstruiert auf Kosten von Ausländer*innen ein Bedrohungsszenario. Auf dem traurigen Höhepunkt vergleicht ein zugeschalteter Zuschauer die Einwanderer*innen mit Katzen, die man angefüttert habe und was man nun stoppen müsse, um wieder Ruhe zu haben.
Die Berichterstattung ist einseitig und voruteilsbeladen. Aus der Neckarstadt-West kommen viele unserer Patient*innen, gegen die sich der Beitrag richtet und deren oft schwere Lebensrealität wir kennen. Wir verurteilen diese Form der Stimmungsmache - nicht nur im Öffentlich-Rechtlichen, sondern auch überall sonst.
Privatpersonen aus der Neckarstadt-West haben nun einen offenen Brief aufgesetzt, der den SWR zu einer Stellungsname auffordert. Wir haben uns dazu entschieden, diesen Brief zu unterschreiben und bitten euch, uns das gleich zu tun:
Wenn ihr euren Namen oder den eurer Organisation unter dem Brief sehen wollt, dann schreibt uns bitte EUREN NAMEN per Nachricht BIS MONTAG ABEND hier auf Facebook. Wir leiten die dann gebündelt weiter.
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"Sehr geehrte Damen und Herren,
bereits vor einem Jahr machte der SWR mit dem Fernsehbeitrag über die Mannheimer Neckarstadt West „Ratlos, hilflos, sprachlos. Kommunalpolitik kapituliert vor Zuwanderern aus Bulgarien“ durch eine sehr fragwürdige Berichterstattung auf sich aufmerksam.
Dieser Brief bezieht sich auf einen erneuten Beitrag des SWR, „Zur Sache Baden-Württemberg! Wachsende Armutszuwanderung aus Südosteuropa“ vom 21.11.2013, in dem es ebenfalls um Zuwanderung in den Stadtteil Mannheim Neckarstadt West geht.
Erneut werden die Zustände in der Neckarstadt West durch die Berichterstattung des SWR verzerrt. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass im gesamten Beitrag kein einziger der genannten Zuwanderer aus Bulgarien oder Rumänien zu Wort kommt, sondern ausschließlich Menschen, die die Zuwanderer als problematisch wahrnehmen.
Die aufgebaute Zelle im SWR-Studio, die die Lebensumstände der Zuwanderer verdeutlichen soll, ist weniger den tatsächlichen Zuständen, als vielmehr der bloßen Effekthascherei geschuldet. Offenbar wird dem eigenen Zuschauer nicht zugetraut, sich inhaltlich mit der Problematik zu befassen; vielmehr funktioniert der Beitrag auf einer rein gefühlsmäßigen, intuitiven Ebene. In diesem Zusammenhang erwähnt sei auch das naserümpfend pikierte Öffnen einer Mülltonne durch die Investigativreporterin vor Ort. Das angebliche Mitgefühl gegenüber den unerträglichen Zuständen, denen einige der Zuwanderer ohne Frage ausgesetzt wird, ist angesichts der sonstigen Darstellung lediglich geheuchelt und dient der Unterhaltung der ZuschauerInnen.
Im Beitrag der Reporterin Alexandra Gondorf kommen durch eine selektive Darstellung lediglich AnwohnerInnen zu Wort, die die Situation als beängstigend und unerträglich charakterisieren. Es ist keinerlei Versuch erkennbar, diesen teilweise erheblich sentimentalen Einzelerfahrungen objektiv zu begegnen und sie kritisch an der Realität zu messen. Im Gegenteil: In einem späteren Beitrag wird dieses Negativbild verstärkt, indem – zu bedrohlicher Musik – vermeintliche Kostenexplosionen prophezeit werden, die im Zusammenhang mit der Zuwanderung stehen sollen.
Nebenbei werden hier Menschen auf den Straßen der Neckarstadt West gefilmt, welche die AutorInnen des Beitrags als BulgarInnen oder RumänInnen auszumachen scheinen, ohne hierfür auch nur den geringsten Anhaltspunkt zu liefern. Vielmehr scheinen diese Menschen äußerlich in jenes Bild von der Neckarstadt West zu passen, das die AutorInnen des Beitrags als Bedrohungsszenario zu entwerfen versuchen.
Der Beitrag des SWR ist in jeglicher Hinsicht dazu geeignet, rassistische Vorbehalte gegen Zuwanderer zu schüren. Insofern kann er als geistige Brandstiftung verstanden werden. Der SWR scheint nicht in der Lage, seiner Rolle als öffentlich-rechtlicher Sender nachzugehen und eine seriöse und ausgewogene Berichterstattung zu präsentieren. Die eigentliche Aufgabe des SWR wird somit völlig verfehlt, stattdessen wird mit reißerischen Statements und tendenziöser Berichterstattung die Stimmung gegen südosteuropäische Zuwanderer geschürt.
Als Höhepunkt dieser Stimmungsmache muss zweifellos die Aussage eines zugeschalteten Zuschauers gelten, der die Einwanderung von Menschen aus Bulgarien oder Rumänien nach Deutschland allen Ernstes mit Katzen vergleicht, die man nicht zu viel füttern dürfe, da ansonsten immer mehr davon kämen. Diese menschenverachtende Äußerung wird vom Moderator unkommentiert stehen gelassen und ist ein weiteres erschreckendes Bild dafür, wie unausgewogen diese Art und Weise der Berichterstattung ist.
Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Briefes leben selbst teilweise seit Jahren in der Neckarstadt West. Sie sind der Meinung, dass der SWR-Beitrag die sozialen Probleme der Neckarstadt West in einer Art und Weise umdeutet, die der Problematik nicht nur nicht gerecht wird, sondern, schlimmer noch, rassistische Ressentiments gegenüber den eigentlichen Betroffenen fördert.
Wir fordern den SWR zu einer Stellungnahme auf."
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Der Brief wurde nicht vom MediNetz Rhein-Neckar verfasst, doch wir teilen die Auffassung der Verfasser*Innen und hoffen, dass sich möglichst viele unserer Empörung anschließen.
Der Hilferuf ist deutlich: Die Städte kommen nicht mehr mit den Armutsflüchtlingen aus Südosteuropa zurecht. Schon jetzt hat allein Mannheim offiziell 6.500 Bulgaren und Rumänen aufgenommen, ...