10/04/2026
Die Wahl in Ungarn am Sonntag ist wohl die wichtigste Wahl in diesem Jahr in Europa:
Es geht darum, ob Viktor Orbán nach sechzehn Jahren seine Macht abgeben muss, in den Umfragen liegt er weit hinter seinem Herausforderer Péter Magyar von der Tisza-Partei. Es geht darum, ob Ungarn wieder ein verlässliches Mitglied der EU wird oder ob das Land in Brüssel weiter Entscheidungen torpediert, so wie es Orbán in den vergangenen Jahren getan hat.
Letztlich geht es darum, ob Ungarn sich im Westen verortet oder doch eher in der Einflusssphäre von Wladimir Putin, dessen Nähe Viktor Orbán immer gesucht hat.
Treue Anhängerinnen und Anhänger wie die 84-jährige Erzsébet R. verehren Orbán noch immer als den „gescheitesten Menschen auf der Welt" – auch nach sechzehn Jahren, in denen seine Partei Einfluss auf Justiz, Medien und Universitäten genommen, Bürgerrechte beschränkt und das Wahlsystem zum eigenen Vorteil zurechtgebogen hat. Doch besonders unter jungen Menschen wächst der Unmut.
Emma Krasznahorkai promoviert an der Budapester Eötvös-Loránd-Universität über politische Radikalisierung und hat sich als Aktivistin etwa für LGBTQ-Rechte eingesetzt. Sie hat einen berühmten Vater, den Schriftsteller László Krasznahorkai, der 2025 den Literaturnobelpreis bekam. Sie sagt, sie spüre die Nervosität und Aufbruchstimmung, ganz Budapest vibriere gerade. Orbáns Herausforderer Magyar selbst findet sie zwar furchtbar, schon seine „aggressive Männlichkeit“. Aber sie wird trotzdem seine Tisza-Partei wählen, alle in ihrem eher linken Freundeskreis würden das tun, sie hätten ja keine andere Wahl. „Wir wollen, dass diese Scheiße endlich vorbei ist.“
Wie Orbán Ungarn umgebaut hat, warum ein Systemwechsel so schwierig ist und wie die Menschen auf die Wahl blicken, lest ihr hier (SZ Plus): https://www.sz.de/projekte/artikel/politik/e305985?utm_content=wahl_e305985&utm_medium=organic_content&utm_source=facebook&utm_campaign=op_social