Vorab: Aus den Bergfidelen Interventionen heraus gründete sich der angewandte Vorstadttourismus - kurzum das Projekt WIR VORSTADTTOURISTEN, die die Arbeit translokal fortsetzen und vertiefen werden. Susanne von Bülow / Martina Muck und Ruppe Koselleck für die
www.wirvorstadttouristen.de
Als Gründungsdokument bleibt an dieser Stelle der Text aus BERG FIDEL bestehen. Ateliergemeinschaft Schulstraß
e mit Gästen unterwegs
Im Kontext von Corona arbeiten aktuell bis zu 20 Künstler*innen in kleinen Gruppen im und und um den BERG FIDEL herum. Die Vorstadt am Preußen Stadion verkörpert eine in die Jahre gekommene Utopie einer praktisch konstruierten Wirklichkeit, die Stahl und Beton geworden war. Ein Viertel das seine eigenen Sport- und Naherholungsanlagen nebst den zugehörigen Stellplätzen für automobile Transportation in sich vereint. Der größte Gebäuderiese hatte sein eigenes Schwimmbad und dort wo die Sparkasse war, ist heute ein Ladenlokal zu mieten. Berg Fidel ist dabei mindestens so international wie die Universität Münster und ein großartiger Ort mit sympathischen Menschen, um demokratische Gesellschaftsmodelle zu untersuchen. Und wenn Bildende Künstler*innen das tun, so entstehen keine Auftragsarbeiten oder Illustrationen - oder planbare Bebilderungen von guten oder bösen Absichten sein - , sondern freie ästhetische Beforschungen aus ureigenen anderen Perspektiven der vor Ort tätigen Teilnehmer*innen. Von der Staffelei bis zur Kamera, von akkustischen Collage bis zur Zeichnung alles ist drin - und alles kann entstehen. Bergfidele Interventionen sind dabei so etwas wie ein Versuch über einen demokratischen Kunstbegriff. Wenn Preußen spielt wird im Stadion selten gemalt und man fragt sich, ob die Künstler bereits schon vor Anpfiff verloren haben, wenn sie sich im „falschen“ Milieu bewegen.
11 ausgesuchte Künstler*innen aus dem Kontext der Schulstraße werden sich im bergfidelen Feld tummeln und zwischen Vorurteilen und Frittierfett, Bratwürsten sowie sanktionierten Foulspielen einen künstlerischen Freischuss erlauben. Dieser ästhetische Freischuss ist ein demokratischer Toleranztest des angenommen Fremden und Befremdlichen. Wieviel Distanz kann sich Demokratie, Kunst oder Stadt leisten? Ziel dieses plain-airistischen Demokratieversuches ist es einen überraschenden Kontakt mit Kunstschaffenden herzustellen. Sie skizzieren im Fahrstuhl, an der Bushaltestelle oder bauen die Staffeleien in die Rabatten vor Aldi auf und stellen durch ihre bloße Anwesenheit, den eigenen professionellen und elitären Kunstbegriff in Frage. Ästhetische Strategien aktueller Künstler*innen sind selten demokratisch – sie verfolgen hehre regelmäßig für die „Massen“ unverständliche Zeichensprachen, Codes und Ziele oder aber sie benutzen das „Volk“ / die Bevölkerung für sorgfältig vorbereitete „partizipative“ Ideen. Die bergfidele Intervention bestehen aus einem vielfachen unangekündigten Arbeitsauftritt professioneller, bildender Künstler vor Ort – vom Video bis zur Staffelei, vom Speckstein bis zum Bleistift und findet die Ausstellung bereits jetzt statt. Eine Ausstellung, deren Ergebnis offen ist – deren Herstellungsprozess jedoch in einer demokratischen und niedrigschwelligen Kontaktzone stattfindet. Immer und überalle.....
Ruppe Koselleck, Susanne von Bülow, Ulrich Haarlammert, Luzia-Maria Derks, Alexandra Brandt (Ateliergemeinschaft Schulstraße e.V.) mit Gästen Thomas Prautsch (Hawerkamp), Gertrud Neuhaus, Martina Muck (Förderverein Aktuelle Kunst e.V.), Candia Neumann (NoCube), Wiebke Bartsch (Ateliergemeinschaft Hoppengarten), Thomas Gerhards (Bremsenprüfstand)
http://www.ateliergemeinschaft-schulstrasse.de
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