08/03/2026
Leserbrief : Rhein- Sieg- Anzeiger vom 28.1.2026 : Ausschuss will Bezahlkarte für Lohmar
Schon vor Einführung der Bezahlkarte im Jahr 2024 äußerte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband folgendermaßen: „ Man kann es drehen und wenden, wie man will: Es handelt sich hier schlicht um schikanöse Symbolpolitik, die wirkungslos bleiben wird .Es ist ein Instrument zur Gängelung, Kontrolle und Diskriminierung Geflüchteter im Leistungsbezug.“
Den Menschen, die flüchten, ist die Höhe der Alimentierung nicht wichtig, sie fliehen aus völlig anderen Gründen: Verfolgung, Krieg, Hunger oder Umweltkatastrophen. Hier erhalten sie den Satz, der ihnen, laut Verfassungsgericht“ ein Leben in Menschenwürde gewährleistet“. Die meisten Flüchtlinge leben in den Nachbarländern und warten bis sie ins Heimatland zurückkommen können. Das Argument, dass Geflüchtete mit dem Geld Schlepper bezahlen, zieht nicht, denn Schlepperkosten werden im Vorhinein bezahlt oder das andere Argument, dass das Geld im Land bleiben müsse, damit es der heimischen Wirtschaft zur Verfügung steht, zieht ebenso nicht, da nur 10 % der Geflüchteten Geld an ihre Familien im Herkunftsland überweisen. Das meiste Geld, das überwiesen wird, kommt von den arbeitenden, anerkannten Migranten. Im Herkunftsland wird damit oft die größte Not gelindert und das verhindert oft, dass Menschen flüchten.
Weitere negative Aspekte der Bezahlkarte sind :
-Die Karte wird als Instrument der Stigmatisierung und Ausgrenzung kritisiert.
-Einschränkung der Teilhabe, wegen limitierter Bargeldabhebung. Auch wenn das Sozialamt nachsteuern kann, ist ein spontaner Schnäppchenkauf nicht mehr möglich,
-Technische und bürokratische Probleme. In einigen Fällen funktionierte die Karte nicht, was zur tage- oder wochenlagen Mittellosigkeit führen kann.
-Wie soll das Grundrecht auf Asyl gewahrt werden kann, wenn Rechtsanwälte diese Karte nicht akzeptieren und weil es nur einen begrenzten Barbetrag gibt?
-Ein noch wichtigeres Argument ist, das Behinderte oder psychisch eingeschränkte Menschen die Karte nur mit Hilfe benutzen können.
- Falls man mit der Bezahlkarte missbräuchliches Verhalten der Alimentierung verhindern will, ist das nicht notwendig, da das Asylbewerberleistungsgesetz schon eine Vielzahl von Sanktionen vorsieht.
Die Zahlen für die Asylanträge sind im letzten Jahr um 51 % gesunken, es gibt vermehrt Ausreisanträge, nicht wegen der Bezahlkarte sondern weil der Fluchtgrund entfallen ist und es Rückkehrhilfen gibt.
Der Gesetzgeber hat ausdrücklich die Möglichkeit der Nichteinführung zugelassen. Viele Gemeinden haben sich gegen die Einführung ausgesprochen, z.B. wegen zusätzlicher Mehrarbeit oder aus Haltungsgründen.
Also: Warum soll also jetzt die Bezahlkarte eingeführt werden? Wem nutzt es?
Christa Feld Flüchtlingsinitiative Lohmar Siegburg e.V.