Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften - BHDS

Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften - BHDS „BHDS: katholischer Dachverband von 1.300 Bruderschaften und 400.000 Schützen; kulturell anerkannt, stark sozial engagiert, Mitglied der EGS.“

Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS e.V.) ist der 1928 gegründete Dachverband und anerkannte katholische Verband für über 1.300 Bruderschaften mit einer rund 400.000-köpfigen Schützenfamilie in den sechs Diözesen Aachen, Essen, Köln, Münster, Paderborn und Trier. Das Schützenwesen in Deutschland ist seit 2015 von der deutschen UNESCO-Kommission als immaterielles nation

ales Kulturerbe anerkannt und Schützen helfen beständig: Allein in 2020/2021 spendete die Schützenfamilie circa 6,7 Millionen Euro für soziale Zwecke und leistete zudem fast 350 Tausend Arbeitsstunden, die dem Wert von fast 3,5 Millionen Euro entsprechen. Der BHDS ist ebenfalls Mitglied der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) mit seinen sechs Millionen Mitgliedern.

Interview mit Herbert Reul„Feste dürfen nicht an zu hohen Auflagen scheitern“Der Landesinnenminister NRW spricht zu Begi...
05/06/2026

Interview mit Herbert Reul

„Feste dürfen nicht an zu hohen Auflagen scheitern“

Der Landesinnenminister NRW spricht zu Beginn der Kimes-Saison über die aktuelle Gefährdungslage, notwendige Polizeipräsenz und die Frage der Verhältnismäßigkeit von Sicherheitskonzepten.

BHDS: Herr Minister, die Zeit der Volks- und Heimatfeste hat im Mai begonnen. Jetzt wird überall im Land gefeiert. Hunderttausende Besucher zieht es an jedem Wochenende auf die Fest- und Kirmesplätze. Ist mit Blick auf die Anschläge der Vergangenheit unbeschwertes Miteinander möglich? Wie groß ist nach Ihrer Einschätzung die aktuelle Gefährdungslage?

Reul: Volks- und Heimatfeste sind für viele Menschen ein echtes Highlight im Jahr. Da kommen Jung und Alt zusammen, da wird gelacht, gesungen und einfach das Leben genossen. Das dürfen wir uns auch nicht nehmen lassen. Natürlich spüren wir, dass die Krisen dieser Welt auch bei uns angekommen sind. Das sorgt bei vielen für ein mulmiges Gefühl. Die Gefährdungslage ist nach wie vor auch abstrakt hoch. Aber unsere Sicherheitsbehörden machen ihre Arbeit. Polizei und Verfassungsschutz tun alles dafür, dass nichts passiert. Zur Wahrheit gehört aber auch, hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

BHDS:In einem Erlass aus Ihrem Haus sollen Sie die Polizeibehörden angewiesen haben, bei den Sicherheitskonzepten Augenmaß walten zu lassen und die Veranstalter nicht zu überfordern. Welche Verantwortung tragen die Ausrichter der Feste - häufig gemeinnützige Vereine - für die Sicherheit? Wo können Polizei- und Ordnungsbehörden den Veranstaltern hilfreich zur Seite stehen?

Reul: Sicherheitsvorkehrungen machen niemandem Spaß, aber sie sind notwendig. Am Ende geht es darum, dass alle Menschen gesund wieder nach Hause kommen. Veranstalter kennen ihre Veranstaltung und die Gegebenheiten vor Ort am besten und tragen die Verantwortung. Deswegen müssen sie zusammen mit den Kommunen individuelle Sicherheitskonzepte entwickeln. Aber sie stehen nicht alleine da. Sicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe. Das Land unterstützt mit einem Orientierungsrahmen. Er soll Kommunen und Veranstalter dabei unterstützen, gemeinsam angepasste Lösungen zu finden. Die Polizei berät dabei. Wir müssen darauf achten, dass die Anforderungen an Veranstalter verhältnismäßig bleiben. Gerade kleinere Feste dürfen nicht an zu hohen Auflagen scheitern. Lückenlos absichern kann man ohnehin nichts.

BHDS: Für die Fußball-Bundesliga gibt es umfassende Wegbegleitung durch Polizei- und Ordnungsbehörden. Lokale Veranstalter von Kirmes- und Volksfesten müssen dagegen häufig selbst tätig werden, um ihre Feste zu schützen. Das führt zu erheblichen Ausgaben für Begleitpersonal und Absperrungen. Müssten nicht hoheitliche Aufgaben - wie die Terrorabwehr - von der Polizei wahrgenommen werden?

Reul: Ob Stadion oder Volksfest, Sicherheitsdienste sind da nicht mehr wegzudenken. Die Abwehr von Terrorgefahren und schweren Straftaten bleibt jedoch ganz klar Aufgabe des Staates. Dafür sind unsere Sicherheitsbehörden da. Trotzdem gehört nun mal auch zur Verantwortung eines Veranstalters, sich um die eigene Veranstaltung zu kümmern. Ein Volksfest ist und bleibt keine staatliche, sondern eine zivilgesellschaftliche oder kommunale Veranstaltung, mit der übrigens auch Geld verdient wird. Wichtig ist die Balance. Ich bezweifle, dass die Menschen auf ihren Festen so viele Polizisten haben wollen wie beim Fußball.

BHDS: Die Auflagen für die Veranstalter unterscheiden sich nicht selten von einer Stadt zur anderen. Welche Möglichkeiten sehen Sie zu einheitlichen, verlässlichen Standards zu kommen?

Reul: Es ist richtig, dass es vor Ort Unterschiede geben kann. Das liegt auch daran, dass jede Veranstaltung und jeder Veranstaltungsort eigene Besonderheiten mit sich bringen. Die Cranger Kirmes stellt andere Anforderungen als ein Schützenfest auf dem Dorf oder ein Veedelfest in der Kölner Innenstadt. Trotzdem brauchen wir einen Rahmen, an dem sich alle orientieren können. Unser Orientierungsrahmen funktioniert dabei wie eine Art Handbuch. Verpflichtende Regelungen zu Schutzmaßnahmen ergeben sich daraus nicht unmittelbar. Und auch keine Kosten. Am Ende braucht es individuelle Lösungen, die vor Ort funktionieren. Veranstalter und Kommunen arbeiten da – so wie ich das mitbekomme – vertrauensvoll zusammen.

BHDS: Wie wäre es, wenn zwischen Maßnahmen zur Eigensicherung einer Veranstaltung und solchen zur Gefahrenabwehr unterschieden und damit auch die Verantwortung geteilt würde? Würde das nicht gegebenenfalls die Genehmigungsbehörden davon abhalten, zu hohe Anforderungen zu stellen?

Reul: Die Sicherheitsbehörden haben die Großwetterlage im Blick. Sie treffen allgemeine Gefahrenbewertungen anhand von Entwicklungen, etwa in den extremistischen Szenen. Und die Polizei vor Ort berät bei der Planung von Veranstaltungen. Wir können aber keine Musterplanung für alle Feste aus Düsseldorf heraus liefern. Gerade das würde verhindern, dass man vor Ort angepasste Vorkehrungen treffen und auch Augenmaß walten lassen kann. Jeder Veranstaltungsort hat seine Besonderheiten. Daher ist es wichtig, für jede konkrete Veranstaltung gemeinsam die beste und sicherste Lösung vor Ort zu finden. Es geht darum, Sicherheit zu gewährleisten, ohne Engagement unnötig zu erschweren. Ob jede einzelne Maßnahme am Ende notwendig gewesen ist, ist Kaffeesatzleserei.

BHDS: Zum Schluss eine persönliche Frage: Besuchen Sie trotz allem gerne Volks- und Heimatfeste?

Reul: Ich bin Rheinländer wir haben das Feiern im Blut - ob Karneval, Schützenfest oder Kirmes. Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, dass wir diese Orte der Gemeinschaft und Lebensfreude bewahren. Ich besuche solche Feste sehr gerne und tue das auch weiterhin. Denn bei aller notwendigen Wachsamkeit gilt: Wir dürfen uns unsere Lebensfreude nicht nehmen lassen.

Bild: (C) NRW-Innenministerium

Fünf Fragen an den neuen Hochmeister Max Freiherr Spies von Büllesheim spricht über Vereinsamung, die Kraft des Miteinan...
26/05/2026

Fünf Fragen an den neuen Hochmeister

Max Freiherr Spies von Büllesheim spricht über Vereinsamung, die Kraft des Miteinanders und den Eifel-Champagner als Kennenlerntrunk an der Theke.

1. Wie empfanden Sie Stimmung und Zustimmung bei Ihrer Wahl zum Hochmeister? Wie waren die Reaktionen in den ersten Wochen nach der Wahl?

Die Stimmung in Langenfeld-Richrath war sehr gut. Ich fühlte mich sofort herzlich aufgenommen. Insbesondere den Schützenbrüdern aus meiner Heimat im Kreis Heinsberg bin ich für die persönliche Wegbegleitung dankbar.
In den ersten Wochen nach der Wahl haben mich zahlreiche Glückwünsche erreicht – aus den Schützenbruderschaften, aus den Kirchengemeinden und auch aus der Politik. Das ist für mich ein großer Vertrauensvorschuss, dem ich mich würdig erweisen will.
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2. Sie haben erklärt, als einer von 300.000 Schützen Verantwortung für alle übernehmen zu wollen. Was haben Sie sich für die ersten Monate bis zur feierlichen Amtsübernahme beim Bundesfest in Damme vorgenommen?

Ich habe bereits jetzt viele Einladungen erhalten, kann leider aber nicht überall sein. Deshalb möchte ich eine Vorgehensweise aufgreifen, wie sie auch Fürst Salm praktiziert hat: Jedes Jahr eine Schwerpunktregion auswählen, um so nach und nach alle Teile unseres Verbandes intensiver kennenzulernen.
Bis zum Bundesfest in Damme ist es mein Ziel, möglichst viele Bruderschaften in meinem Bezirk persönlich zu besuchen – vielleicht nicht immer zu den großen Festen, aber beispielsweise zu Vogelschüssen oder anderen Veranstaltungen. Danach wird sich mein Radius erweitern …
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3. Worauf freuen Sie sich besonders? Werden eher interne Beratungen oder öffentliche Auftritte Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit sein?

Mein Ansatz ist zunächst: zuhören.
Ich gehe davon aus, dass sich meine Tätigkeit aus einer guten Mischung aus interner Arbeit und öffentlichen Begegnungen zusammensetzen wird – beides gehört für mich untrennbar zusammen.
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4. Welche Herausforderungen sehen Sie für die christlichen Bruderschaften in Zeiten der Kirchenkrise?

Die Herausforderungen sind die gleichen wie für die gesamte Kirche. Wir müssen wieder sichtbarer werden – und wir müssen Multiplikatoren sein: in unseren Gemeinden, für die Kirche und die Kirche auch für uns.
Das heißt ganz konkret: Sich selbst in die Pflicht nehmen und wieder häufiger am Sonntag in der Kirche präsent sein. So wirkt man als „stiller Multiplikator“. Oder man spricht Menschen ganz direkt an: Komm doch mit zur Messfeier. Komm zu unserer Versammlung.
Ich bin überzeugt, dass wir damit viel erreichen können. Denn Vereinsamung findet nicht nur im Alter statt. Wer sich ausschließlich über soziale Netzwerke verbunden fühlt, vereinsamt oft im Geiste – das kann nicht im Sinne der Schützen und auch nicht im Sinne der Kirche sein.
Social Media ist dabei keineswegs das Problem – im Gegenteil: Aber die reale Gemeinschaft ersetzt es nicht.
Echte Gemeinschaft braucht Anwesenheit – im Bewusstsein und ganz konkret vor Ort.
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5. Sie trinken gerne Pils, so erklärten Sie auf Nachfrage nach der Lieblingsbiersorte. Werden Festzelt und Theke für den neuen Hochmeister Kennenlern- und Kommunikationsorte sein? Wie wichtig ist Ihnen das gesellige Miteinander?

Im Kreis Heinsberg ist man ja fast schon in der Eifel – da funktioniert der „Eifel-Champagner“ nach dem Motto „Bitte ein Bit“ immer ganz gut.
Aber entscheidend ist nicht das Bier, sondern die Gemeinschaft. Und in guter Gemeinschaft schmeckt das Bier überall – ob in Köln, Düsseldorf oder anderswo.
Festzelt und Theke sind deshalb wichtige Orte der Begegnung, des Kennenlernens und des Austauschs – und damit auch ein unverzichtbarer Teil unseres Schützenwesens.

Der Weltmeister von 1974 ist Schützenbruder aus ÜberzeugungRainer Bonhof, Fußball-Weltmeister von 1974 und amtierender P...
22/05/2026

Der Weltmeister von 1974 ist Schützenbruder aus Überzeugung

Rainer Bonhof, Fußball-Weltmeister von 1974 und amtierender Präsident von Borussia Mönchengladbach, feiert sein 20-jähriges Schützen-Jubiläum beim Schützen- und Heimatfest „Unges Pengste“ in Korschenbroich. Er fühlt sich, wie er sagt, seinen Schützenbrüdern aus dem Zug „Pappköpp“, dem größten der Korschenbroicher Schützenzüge, eng verbunden.
Dabei konnte Bonhof mit dem Schützenwesen zunächst überhaupt nichts anfangen. Er musste überredet werden, doch mal mitzumachen. Bonhof erinnert sich: „Als mich meine Freunde dann aber in Jacke und Hut der Schützenbrüder gesteckt haben, stellte ich fest, dass das Beisammen sein von Jung und Alt bei den Pappköpp unheimlich viel Spaß macht. Seitdem hat es mich doch gepackt und ich bin dabeigeblieben.“ Die Verbindung zu den 34 Schützenfreunde seines Zuges, der verschiedene Generationen verbindet, sei über die langen Jahre hinweg immer enger geworden. Bonhof versteht sich mittlerweile als „Sommerbrauchtumsexperte“, das rheinische Brauchtum ist für ihn, so bekennt er, fester Bestandteil seines Daseins. Für seine Schützenfreunde ist er „der Rainer“
Schützenkönig aber will Rainer Bonhof nicht werden: „Ich war bereits einmal Zugschützenkönig, das war eine tolle Erfahrung, reicht mir aber auch vollkommen aus.“
Wie sein Vorgänger im Amt des Borussen-Präsidenten Rolf Königs betrachtet Bonhof Borussia Mönchengladbach als Ganzjahresbrauchtum: „Wir unterstützen als Borussia das Brauchtum in Mönchengladbach das ganze Jahr über. Dazu kommt, dass wir unser eigenes Brauchtum auch über das ganze Jahr hinweg pflegen – wir haben jeden Tag etwas zu tun und zu arbeiten und tragen viele schöne Spiele im Borussia-Park aus.“

Wer Rainer Bonhof als bestens trainierten Schützenbruder paradieren sehen will, muss Pfingsten zum Schützen- und Heimatfest nach Korschenbroich kommen. www.unges-pengste.de

Diözesesanverband Münster🎠Ein Karussell für die Schützenbruderschaft WerlteFür die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft ...
22/04/2026

Diözesesanverband Münster

🎠Ein Karussell für die Schützenbruderschaft Werlte

Für die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Werlte gehört das Kinderkarussell zum Schützenfest wie die Fahne zum Ausmarsch. Daher war die Enttäuschung groß, als 2023 die Absage des Schaustellers für das traditionelle Kinderkarussell eintraf. Ein Schützenfest ohne leuchtende Kinderaugen? Undenkbar. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, hatten die beiden Schützenbrüder Thomas Grummeln und Clemens Schnieders eine visionäre Idee. Warum nicht ein eigenes Karussell für die Schützenbruderschaft kaufen? Was zunächst wie eine kühne Stammtisch-Idee klang, stieß beim damaligen Brudermeister Hans-Wilhelm Merten sofort auf offene Ohren. Auch das damals amtierende Königspaar Rolf und Petra Janssen zögerten keine Sekunde und sicherte dem Vorhaben volle Unterstützung zu. Die beiden engagierten Schützenbrüder Grummeln und Schnieders machten sich im Internet auf die Suche nach einem geeigneten Karussell. Die Suche gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Man wurde fündig in der Region Frankfurt. Am frühen Sonntagmorgen machte sich eine Delegation auf dem Weg. Doch die Ernüchterung folgte vor Ort. Das besichtigte Modell entsprach nicht den Vorstellungen. Man fuhr sehr enttäuscht zurück nach Werlte. Das Projekt drohte zu scheitern. Doch Brudermeister Merten und das Königspaar Janssen hielten am Plan fest und motivierten die beiden Schützenbrüder zur weiteren Suche. Der Einsatz wurde belohnt. In der Pfalz wurden sie fündig und entdeckten schließlich ein Schmuckstück aus den 1970er Jahren. Nach gründlicher Begutachtung stand fest. Das ist es! Was dann folgte, ist ein Paradebeispiel für den Zusammenhalt in Werlte. In über 2000 Arbeitsstunden opferten 15 ehrenamtliche Helfer ihre Freizeit, um das historische Stück zu restaurieren. Es wurde geschliffen, lackiert, die Elektrik erneuert und die Mechanik wieder instand gesetzt. Die Freiwillige Feuerwehr restaurierte das Feuerwehrauto, der ortsansässig Schuster übernahm die Aufarbeitung der kleinen Leder-Sättel der Karussell-Pferdchen, ein Tischler stabilisierte den Aufbau der Kutsche, ersetzte morsche Leisten und ein Metallbauer überarbeitete die Metallteile. Es wurde gewerkelt, bis das Karussell im neuen alten Glanz erstrahlte.

💪Ein solches Projekt ist nicht nur mit Arbeit verbunden, sondern auch mit Kosten. Die Resonanz auf der Bevölkerung, lokalen Unternehmen und anderen Vereinen war überwältigend. Durch die zahlreichen Spenden konnten Anschaffung und Restauration gestemmt werden. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass das Karussell am Schützenfest den Kindern kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Damit möchte die Schützenbruderschaft Werlte ein Zeichen setzen und sicherstellen, dass jedes Kind Teil des Festes sein kann. Um den Betrieb, die Wartung und die laufenden Kosten wie TÜV, Versicherung und Instandhaltung langfristig zu sichern, wurde 2025 ein eigener Förderverein Kinderkarussell Werlte gegründet. Dank erster großzügiger Zuwendungen konnten bereits zwei dringend benötigte Packwagen angeschafft werden. Auch die Packwagen wurden durch sehr viel ehrenamtliches Engagement wieder so hergerichtet, dass der TÜV-Prüfung nichts im Wege stand.

Das Werlter Kinderkarussell ist mehr als nur ein Fahrgeschäft, es ist ein Symbol dafür, was man gemeinsam schaffen kann – für die Tradition - und vor allem für die Kinder.

(Martina Dinklage)

„Treten wir als Schützenbruderschaften konsequent Hass und Gewalt entgegen!“Monsignore Robert Kleine ist der Seelsorger ...
14/04/2026

„Treten wir als Schützenbruderschaften konsequent Hass und Gewalt entgegen!“

Monsignore Robert Kleine ist der Seelsorger des Brauchtums. Als Kölner Stadtdechant zeigt er Herz für den Karneval, als Bundespräses gehört er zur Führungsspitze der historischen deutschen Schützenbruderschaften. Im Interview spricht der gebürtige Neusser über sein Leben zwischen Kirche und Schützenfest, Papst und Kardinal, über Seelsorge im Festzelt und das Gottesgeschenk der Freude.

➡ Ist es Kernaufgabe als geistlicher Begleiter, den Schützen die Leviten zu lesen oder geht es mehr darum, christlicher Wegweiser zu sein in einer glaubensfernen Gesellschaft?

Kleine: Die Aufgabe eines Seelsorgers sehe ich sicherlich nicht darin, irgendjemandem die Leviten zu lesen. Jesus gibt Petrus die Aufgabe: „Stärke deine Brüder“. Darum geht es: Die Schützenschwestern- und brüder zu stärken, zu begleiten, ein offenes Ohr zu haben für ihre Glaubensfragen und -zweifel.

Denn ohne Frage ist es heute schwieriger als in vergangenen Jahrzehnten, seinen Glauben zu leben, ihn als Mitglied einer Bruderschaft öffentlich zu bekennen und trotz der Glaubwürdigkeitskrise der Kirche dabeizubleiben. Da gibt es nicht wenige kritische Nachfragen oder auch schon mal ein mitleidiges Lächeln.
Deshalb sehe ich drei Kernaufgabe von Präsides und geistlichen Begleiterinnen und Begleitern:
1. Selber persönlich glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen des Evangeliums zu sein.
2. Für die Mitglieder unserer Bruderschaften ermutigende Wegbegleiter, Seelsorger und Gesprächspartner zu sein.
3. Spiritueller, theologischer sowie liturgischer Impulsgeber und Akteur zu sein.

➡ Sie haben 2013 das Amt des Bundespräses von Heiner Koch, inzwischen Erzbischof in Berlin, übernommen. Schon damals sprachen alle vom Priestermangel. Wie lassen sich die neuen kirchlichen Strukturen mit immer größeren regionalen Einheiten mit dem drängenden Wunsch der Schützen nach priesterlicher Wegbegleitung verbinden?

Kleine: War vor Jahrzehnten der Pfarrer meistens Präses einer Bruderschaft, eines Kirchenchores und einer pfarrlichen Frauengemeinschaft waren, gehören zum Verantwortungsbereich heutiger Pfarrer eine Vielzahl von Pfarreien, Gemeinden, Kirchen und Vereinen. In manchen Gebieten unseres Bundes wäre der leitende Pfarrer als geborener Präses verantwortlich für über dutzend Bruderschaften. Da muss doch allen klar sein, dass die Wegbegleitung auf unterschiedliche Schultern verteilt werden muss, damit persönliche Begleitung überhaupt möglich ist. Es wäre schön, wenn andere Priester im Pastoralteam, Diakone, Frauen und Männern im Pastoralen Dienst dafür zur Verfügung stehen und angefragt werden.

➡ Welche Aufgaben können Laien übernehmen?

Kleine: Ich gehe davon aus, dass auf Zukunft vielen Bruderschaften kein hauptamtlicher Seelsorger bzw. Seelsorgerin dauerhaft begleitend zur Seite stehen kann. In der Kommunion- und Firmvorbereitung engagieren sich so viele Männer und Frauen ehrenamtlich, es gibt so viele liturgisch gebildete Laien, Religionslehrerinnen und Theologen, also viele Menschen, die mit Freude ihren Glauben leben. Es gibt sie außerhalb und innerhalb unserer Bruderschaften. Für mich sind sie es, die in Zukunft vermehrt vor Ort Versammlungen geistlich begleiten, Wortgottesdienste feiern, Ansprechpartner vor Ort sind. Ich gehe davon aus, dass die Zukunft auf der Ebene der Bezirksverbände liegt. Hier, so hoffe ich, werden wir Priester, Diakone und andere Pastorale Dienste finden, die sich engagieren und das Präsesamt auf übergeordneter Ebene annehmen. Ihre Aufgabe wird es dann sein, die in den Bruderschaften vor Ort engagierten Männer und Frauen zusammenzubringen, zu motivieren und zu begleiten.

➡ Wie christlich ausgerichtet sollten die Schützenbruderschaften sein?

Kleine: Schützenbruderschaften als Ganzes und ihre einzelnen Mitglieder sollten sich bewusst sein, dass das Fundament unseres Bundes das Evangelium Jesu Christi ist und der Glaube an einen Gott, der die Liebe ist, und der jeden Menschen mit gleicher Würde beschenkt hat.
Dieses Wissen sollte unsere Schützenbruderschaften prägen: Auch durch besondere Gottesdienste, Einkehrtage u.a., aber vor allem durch eine Haltung im Alltag, die unserem Glauben entspricht.

➡ Die Missbrauchsskandale haben die Kirchen in Misskredit gebracht. Sehen Sie eine Entfremdung? Wie sollten die Bruderschaften mit Schützenbrüdern und -schwestern umgehen, die aus Enttäuschung aus der Kirche ausgetreten sind?

Kleine: Natürlich kenne ich Menschen, die aus Enttäuschung und Wut aus der Kirche ausgetreten sind. Und ich kennen auch nicht wenige, die wegen der Kirchensteuer ausgetreten sind.
Auch ich war und bin entsetzt und angewidert über die furchtbaren Verbrechen, die Mitbrüder begangen haben, und über die bewusste Vertuschung durch Personalverantwortliche in den Diözesen.
Diese haben die Frohe Botschaft durch ihr Handeln pervertiert. Aber sie bleibt trotzdem für mich persönlich das Fundament meines Glaubens und meines Lebens. Ich hoffe, dass Schützenschwestern und -brüder, die ausgetreten sind, mit der Zeit erkennen, dass die Kirche trotz der entsetzlichen Verbrechen einiger ihrer Amtsträger eine Glaubensgemeinschaft ist, die das lebt, was das 2. Vatikanische Konzil so formulierte:
„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ Und dass sie vielleicht auch irgendwann wieder in die Kirche zurückkehren möchten.
Unser Bund ist ein katholischer Verband, und wer der katholischen Kirche den Rücken kehrt, tut das manchmal in Konsequenz auch im Hinblick auf die Bruderschaft.
Eine schwierige Frage ist, ob und wie jemand, der offiziell aus der Kirche ausgetreten ist, in einem kirchlichen Verein Ämter und Würden übernehmen kann oder soll.

➡ Im heiligen Jahr waren zahlreiche Schützen als Pilger der Hoffnung in Rom. Welche Botschaft des neuen Papstes nehmen Sie als hoffnungsstiftend für die Katholiken in Deutschland wahr? Weiß Leo XIV. etwas über Tradition und Selbstverständnis der Schützenbruderschaften?

Kleine: Wir müssen davon ausgehen, dass Leo XIV. während seiner Zeit in den USA und in Peru keine Schützenbruderschaften kennenlernte, aber wie ich ihn einschätze, weiß er katholische Vereine und auch regionales, volkskirchliches Brauchtum zu schätzen.
Mich und sicherlich auch viele Schützen haben seine ersten Worte auf der Loggia des Petersdomes nach seiner Wahl sehr angerührt: „Peace be with you all. / Friede sei mit euch allen.“ Arbeiten wir gemeinsam an einer friedvolleren Welt. Im Großen und im Kleinen. Treten wir als Schützenbruderschaften konsequent Hass, Gewalt, Rassismus, Intoleranz und Respektlosigkeit entgegen!

➡ 2028 begeht der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften sein 100-jähriges Bestehen. 1928 in Köln gegründet, böte sich zum Jubiläum eine Dankmesse im Kölner Dom an ...

Kleine: Was heißt hier, „böte sich an“. Ich gehe fest davon aus, dass das außer Frage steht. 😊

➡ Es heißt, dass Kardinal Frings, wie Sie in Neuss geboren, Ihr Glaubensvorbild sei. Was verbinden Sie mit dem großen Kirchenführer, der in den Hungerjahren nach dem Krieg den Kohlenklau als Nothilfe (fringsen) erlaubte?

Kleine: Sein Wahlspruch aus dem Hebräerbrief war „Pro hominibus constitutus / Für die Menschen bestellt.“ Kann man besser ausdrücken, wie sich ein Bischof, aber auch ein Priester verstehen sollte? Als Diener und Seelsorger. Meinen Primizspruch habe ich bei meiner Priesterweihe 1993 aus Psalm 100 gewählt: „Dient dem Herren mit Freude.“ Das ist meine Berufung als Priester. Und die Freude ist immer noch da. Jeden Tag.“

➡ Robert Kleine ist Schütze in Neuss und Karnevalist in Köln. Was verbindet beide Brauchtümer?

Kleine: Spannend ist, dass sowohl das Festkomitee Kölner Karneval als auch der Neusser-Bürger-Schützenverein im selben Jahr gegründet wurden, nämlich 1823, quasi als rheinische Antwort auf die Preußen und ihre Armee…
Sommer- und Winterbrauchtum prägen beide kulturprägend unsere Städte und Dörfer:
Beide Feste leben vom Vereinsleben und Traditionen, von Festtagen und Geselligkeit.
Die zwei Brauchtümer verbinden Generationen und gesellschaftliche Schichten im gemeinsamen Feiern und im ehrenamtlichen Engagement.
Bei beiden spielen Umzüge und Musik eine große Rolle – und an der Spitze stehen bei beiden Regenten auf Zeit.

➡ Was hielte der Bundespräses von der Idee einer Festzelt-Mission?

Kleine: Gerne als Volksmission: Jede Schützenschwester und jeder Schützenbruder ist eingeladen, in Wort und noch mehr in Tat als Christin und Christ zu leben 😊.

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Leverkusen
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