Es gab aber auch davor schon Zusammenschlüsse ehemaliger Thomaner, die in Verbundenheit mit ihrer im Jahr 1212 gegründeten Schule und mit dem Thomanerchor bleiben wollten. Seit der Gründung des Thomanerbundes e.V. war es allgemeiner Brauch, nach dem bestandenen Abitur dem Thomanerbund beizutreten. Man kümmerte sich um das Wohlbefinden von Schule und Chor und wußte sich in einer Traditionskette von
Thomasschule, Thomanerchor und Thomaskirche. Im Dezember 1948 wurde der Thomanerbund e.V. zusammen mit anderen in Leipzig kulturell tätigen Vereinen auf Grund einer polizeilichen Verfügung der Behörden in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands aufgelöst. Doch das bei allen von der Thomasschule Kommenden stark ausgeprägte Zusammengehörigkeitsgefühl verhinderte das völlige Aus. Die durch Krieg und Nachkriegszeit zahlreich in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands geratenen alten Thomaner gründeten 1954 den Thomanerbund Frankfurt a.M., wo er mit seiner im Laufe der Zeit auf fast 800 ehemalige Leipziger angewachsenen Mitgliedschaft quasi im Exil fortbestand. Jährlich fanden sich die alten Thomaner in Dankbarkeit für das, was ihre Schule ihnen gegeben hatte, aus dem In- und Ausland bis aus Übersee für ein Wochenende zusammen. Zwar waren direkte Kontakte zur Thomasschule und zum Thomanerchor ausgeschlossen, aber die Pflege der persönlichen Kontakte zu den in Leipzig verbliebenen Lehrern und ehemaligen Schülern blieb über 45 Jahre hin ungebrochen. Als 1989 die Mauer fiel, war auch der Weg für den Thomanerbund zurück nach Leipzig wieder frei. Im April 1993 schloß er seine Geschäftsstelle in Ingelheim a. Rhein und eröffnete sein Leipziger Büro – und das erstmals durch das Entgegenkommen der Schulleitung in der Thomasschule selbst. Die gegenwärtigen Aktivitäten des Thomanerbundes ruhen auf zwei Säulen. Erstens fördert er den Zusammenhalt aller Absolventinnen und Absolventen der Thomasschule samt deren Freunden. Jährliche festliche Treffen im Rahmen der Mitgliederversammlung dienen dem. Zweitens – und das gewinnt zunehmend an Gewicht – versteht er sich als Förderverein der Thomasschule und ihren historisch gewachsenen Bezügen zu Thomanerchor und Thomaskirche. Die Liste der Fördermaßnahmen ist schon stattlich: sie reicht von der Mitarbeit an Projekten über Hilfen für technische und künstlerische Einrichtungen an Schule und Chor bis zum Zuschuss für Reisen von Schülern zu kulturellen und wissenschaftlichen Zentren – die schönste und persönlichste Form als Thomasschülerin oder Thomasschüler Kontakt mit denen zu gewinnen und zu pflegen, die es ehemals waren.