02/09/2020
Liebe Kommiliton:innen,
wahrscheinlich werden einige von euch schon etwas über die Vorfälle an drei Landauer Schulen um die Person Myriam Kern gehört haben. Wir, als Fachschaftsvertretung Sonderpädagogik, sehen uns in der Pflicht dazu Stellung zu beziehen.
Myriam Kern ist eine Förderschullehrerin, die in Landau an zwei Grundschulen tätig sein sollte. Nach erheblichem Widerstand war sie, die von der Rheinpfalz als Rassistin betitelt wurde, zeitweise an der Nordring-Schule beschäftigt. Zum jetzigen Zeitpunkt wurde sie von der ADD vom Schuldienst abgezogen. Diverse Artikel zu diesem Thema lassen sich in der Rheinpfalz und im Pfalz-Express nachlesen.
Wir, die Fachschaftsvertretung Sonderpädagogik der Universität Koblenz-Landau, erachten die Auseinandersetzung mit diesem Sachverhalt als dringend geboten.
Frau Kern ist in der Vergangenheit durch ihre politische Gesinnung aufgefallen. So saß sie zum Beispiel für die AfD im Stadtrat Landau oder war führenden Stimme im Frauenbündnis Kandel. Nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in Berlin machte sich Kern einen Namen. Während eines rechtsextremen Aufmarsches der Vereinigung WfD sprach Kern neben dem NPD Mann Sebastian Schmidtke. Im gleichen Video, indem die beiden zu sehen sind, welches vom jüdische Forum auf YouTube gestellt wurde, hört man den Ruf „rein in die Gaskammern“. Vor dem Hintergrund dieses Aufmarsches muss man anzweifeln, ob Kern auf einem demokratischen Boden steht und es stellt sich die Frage, wie Sie die politische Neutralität in ihren Klassen wahren will.
Neben dieser Teilnahme setzte sie sich in ihrer politischen Karriere für geschlossene Grenzen ein und hetzte gegen Flüchtlinge und Migrant:innen. So sprach sie sich, in einem Brief an OB Hirsch, gegen eine Unterbringung von Geflüchteten in Turnhallen aus, da diese sonst in unmittelbarer Nähe der Schüler:innen seien. Hierdurch würde es laut Kern zu einer Kindeswohlgefährdung kommen. Beispielsweise würden durch die eventuelle gemeinsame Nutzung der sanitären Einrichtungen gesundheitliche Risiken für die Schüler:innen, durch die „Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge“, erfolgen. Neben der Feststellung, dass alle Geflüchteten gesundheitliche Risiken mit sich bringen, attestiert sie dieser Gruppe erhöhtes Gewaltpotenzial.
Auch in ihrer Partei der AfD sind Pauschalisierungen weit verbreitet. Vor dem Hintergrund ihrer Lehrtätigkeit an einer Förderschule sind dabei folgende Aussagen von Vertreter:innen der AfD interessant.
Laut der Saarbrücker Zeitung sagte Josef Dörr: „Was aber unter keinen Umständen geht, ist, dass in dem gleichen Krankenhaus oder der gleichen Abteilung dann auch Menschen sind mit (…) schweren ansteckenden Krankheiten. (…) Aber in der Schule haben wir die gleiche Situation.“ Durch die Inklusion würden an Schulen „Kinder mit Downsyndrom unterrichtet (...) mit anderen Kindern, die ganz normal, gesund sind“.
Am 23. März 2018 brachten AfD-Abgeordnete eine kleine Anfrage in den Bundestag ein, indem Sie nach der Zahl der Menschen mit Behinderung fragten, die durch Heirat innerhalb der Familie gezeugt wurden. Dabei erkundigten sie sich explizit, wie viele davon einen Migrationshintergrund hätten. Hier wurden Inzest, Behinderung und Migrationshintergrund unangemessen in Verbindung gebracht.
Josef Dörr sagte in einer Sitzung im Landtag Saarland, dass man den Menschen nicht erklären könne, warum ein jüngerer Mensch, der keine Behinderung hat, nicht wählen gehen dürfe, während ein älterer Mensch mit Behinderung, der vor kurzem das Wahlalter erreicht hat, wählen gehen darf. Dieser Vertreter spricht Menschen mit Behinderung politische Teilhabe ab.
Uns stellt sich die Frage, wie Frau Kern sich, als Förderschullehrerin, in einer solchen Partei wiederfinden kann, die sich gegenüber Menschen mit Behinderung derartig destruktiv positioniert.
Wir begrüßen die Prüfung durch die ADD (welche u. a. für die Schulaufsicht verantwortlich ist) und die damit verbundene letzte Konsequenz, diese Person aus dem öffentlichen Dienst zu entlassen. Weiterhin wünschen wir uns Strukturen im Land Rheinland-Pfalz, die einerseits präventiv arbeiten und andererseits eine schnelle Überprüfung solcher Fälle gewährleisten.
Wer sich mit der verfassungsfeindlichen NPD gemein macht, hat in unseren Augen in der Arbeit mit Schüler:innen nichts zu suchen.
Gezeichnet,
die Fachschaftsvertretung Sonderpädagogik
Quellen:
https://www.rheinpfalz.de/lokal/landau_artikel,-rassistin-im-schuldienst-beh%C3%B6rde-pr%C3%BCft-_arid,5102771.html?reduced=true
https://www.youtube.com/watch?v=pWGA7cna61s&fbclid=IwAR0eVouE2tB8tFqM1FDD02DYPQ47XgPi3THdB7OvpUOEYtrrQ4zVJuIKL1c&app=desktop
https://www.pfalz-express.de/afd-stadtratin-kern-im-offenen-brief-endlich-widerstand-leisten-grune-aufruf-zur-selbstjustiz/
https://www.saarbruecker-zeitung.de/saarland/afd-vergleicht-foerderschueler-mit-ansteckenden-patienten_aid-17434503
https://www.tagesspiegel.de/politik/kleine-anfrage-zu-behinderten-sozialverbaende-entsetzt-ueber-afd/21201932.html
https://www.youtube.com/watch?v=Yq9hAbgwR8s&t=99s&ab_channel=RealHardWareKanal