31/12/2025
Jahresrückblick 2025 – LampaDIA
2025 war für uns als Gruppe LampaDIA ein Jahr, in dem wir einmal mehr gespürt haben, wie wichtig lebendige Erinnerungskultur ist. Unser Ziel war es auch in diesem Jahr, Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern erlebbar zu machen, zum Nachdenken anzuregen und Räume für Austausch zu schaffen.
⭐ Schwerpunkt 2025: „80 Jahre Freiheit“
Der große Mittelpunkt unseres Jahres war die einwöchige Veranstaltungsreihe „80 Jahre Freiheit“ – ein Erinnerungsprojekt, das bewusst an unsere vorangegangenen Initiativen 2015 und 2020 anschloss und die Ereignisse rund um das Kriegsende 1945 in Lampaden, im Hochwald und in der Region erneut in den Blick nahm.
Im Bürgerhaus entstand ein Erinnerungsraum, der viele Ebenen miteinander verbunden hat:
🎥 Originalfilmaufnahmen brachten historische Momente in Bewegung und gaben der Vergangenheit Gesicht und Stimme.
📜 Dokumente, Briefe und Zeitzeugentexte machten individuell spürbar, was sonst oft abstrakt bleibt.
🧩 Dioramen, Exponate und detailreiche Szenen halfen, das Geschehen sichtbar zu rekonstruieren und nachvollziehbar zu machen.
🎤 Vorträge, Präsentationen und Filmabende gaben Einordnung, Wissen und historische Tiefe.
Besonders wichtig war uns, nicht nur „große Politik und Militärgeschichte“ zu zeigen, sondern vor allem den Blick auf die Zivilbevölkerung und die Soldaten die hier kämpften zu lenken. Wir wollten sichtbar machen, wie Krieg in den Alltag eingreift und wie Diktatur eine Dorfgemeinschaft und eine ganze Generation prägt.
Die Themenwoche bestand bewusst aus verschiedenen Formen des Erinnerns und Nachdenkens:
🚶♂️ Der geführte Dorfspaziergang verband Orte mit Geschichten. Wege, an denen viele täglich vorbeigehen, bekamen Bedeutung, Geschichte wurde wortwörtlich „begehbar“.
🎬 Filmvorführungen & Multimediabeiträge machten historische Zusammenhänge verständlich und verknüpften regionale Ereignisse mit größeren Entwicklungen.
🎶 Ein besonders eindrucksvoller Höhepunkt der Themenwoche war das Friedenskonzert in der Pfarrkirche St. Quintinus. Die Kirche bot dafür einen würdigen und zugleich sehr atmosphärischen Rahmen. Die ausgewählten Stücke führten die Zuhörerinnen und Zuhörer durch unterschiedliche emotionale Räume: Momente der Stille und Nachdenklichkeit, Passagen voller Spannung und Ernsthaftigkeit, aber auch Klänge, die Hoffnung, Zuversicht und menschliche Wärme transportierten.
So entstand kein „Konzert im klassischen Sinne“, sondern ein musikalischer Erinnerungsraum, der ohne viele Worte deutlich machte, worum es in dieser Woche auch ging: um die Verletzlichkeit des Friedens und um die Verantwortung, ihn zu bewahren. Damit setzte das Friedenskonzert einen wichtigen Akzent innerhalb der Themenwoche. Es ergänzte Ausstellung, Vorträge und Gespräche nicht nur, sondern verlieh ihnen emotionale Tiefe. Es zeigte eindrucksvoll, dass Erinnerungskultur nicht nur über Texte und Bilder funktioniert, sondern auch über Klang, Atmosphäre und gemeinsames Erleben.
🕯️ Das gemeinsame Gedenken am Ehrenmal bildete einen würdevollen Abschluss zum Vortrag über die Gefallenen aus Lampaden – als Zeichen für Erinnerung, Respekt und Verantwortung. Dabei wurden sowohl Zivilopfer als auch die gefallenen Soldaten aus unserem Ort in würdiger Weise in Erinnerung gerufen.
Rückmeldungen – und ein ehrlicher Blick nach vorne
Wir haben uns sehr über das große Interesse, viele wertschätzende Rückmeldungen, intensive Gespräche und bewegende Begegnungen gefreut. Gleichzeitig haben wir beobachtet, dass vor allem jüngere Generationen weniger stark vertreten waren, als wir gehofft hatten.
Wir werten das nicht als Desinteresse – sondern als Zeichen dafür, dass Erinnerungskultur sich weiterentwickeln muss. Formate, Sprache, Zugänge und Zeiten verändern sich. Diese Erkenntnis nehmen wir bewusst als Auftrag mit: Wir wollen weiter daran arbeiten, Geschichte so zu vermitteln, dass sie auch junge Menschen erreicht, bewegt und berührt.
🎥 SWR „Hierzuland“ – LampaDIA im Fernsehen
Ein weiterer Höhepunkt des Jahres war der SWR-Fernsehbeitrag „Hierzuland“, in dem LampaDIA als Projekt vorgestellt wurde.
Im Mittelpunkt stand nicht nur, was wir tun, sondern vor allem warum wir es tun: Die Verbindung von Heimatgeschichte, Verantwortung für Erinnerung, Gemeinschaftsarbeit und jugendlichem Engagement.
Besonders schön: Die LampaDIA-Jugend wurde begleitet, wie sie das Thömmes-Kreuz vom Bewuchs befreite – ein starkes Bild: junge Menschen, die sich sichtbar und tatkräftig mit Geschichte auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen.
☕ Allerheiligen-Kaffee – Begegnung und stilles Erinnern
Am 1. November luden LampaDIA und die Frauengemeinschaft zu einem offenen, warmen und zugleich stillen Begegnungsnachmittag ins Gemeindehaus ein.
Bei Kuchen, Kaffee, Austausch und Begegnung entstand ein Raum für Gemeinschaft – begleitet von einer stillen Beamer-Präsentation mit Bildern Verstorbener der letzten Jahrzehnte. Eine schlichte, aber sehr eindrucksvolle Form, Erinnerung, Trauer, Nähe und Verbundenheit miteinander zu teilen.
🧳 Auswanderungsgeschichten – Lampaden in der Welt
Ein weiteres wichtiges Thema war der Vortrag von Dr. Herbert Jakoby zur Auswanderungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Rund 60 Besucherinnen und Besucher – darunter viele Nachfahren – machten deutlich, wie lebendig dieses Thema bis heute ist.
Armut, Missernten, Perspektivlosigkeit – und gleichzeitig Hoffnung, Mut und Neuanfang prägten das Schicksal jener, die ihre Heimat verließen. Besonders bewegend waren die konkreten Biografien und Geschichten, die Lampaden und den Hochwald mit Wisconsin, Chicago und anderen Orten der USA verbanden. Geschichte hat hier deutlich gezeigt: Sie hört nicht an Dorf- oder Landesgrenzen auf.
✝️ Renovierung des Thömmes-Kreuzes – Geschichte in jungen Händen
Ein Projekt, das uns besonders stolz macht: Die Renovierung des Thömmes-Kreuzes.
Auf Bitten eines Nachkommen der Familie Thömmes übernahm unsere Jugend die Verantwortung:
🌿 Freilegen
🛠️ Demontieren
🌳 Neuaufbau gemeinsam mit Klaus Peters
Das Kreuz, einst aus Dankbarkeit nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet, wurde damit buchstäblich „ins Heute geholt“ – getragen von jungen Menschen, die Verantwortung übernehmen, Geschichte respektieren und Traditionen lebendig halten.
❤️ Danke – von Herzen
Keines dieser Projekte wäre ohne Unterstützung möglich. Deshalb sagen wir mit großer Dankbarkeit:
🤝 Danke an alle Mitwirkenden, Organisatoren und Menschen, die im Hintergrund arbeiten
🗣️ Danke an Zeitzeuginnen und Zeitzeugen für Vertrauen, Offenheit und Mut
🛠️ Danke an alle Helferinnen und Helfer, die mitdenken, mittragen, mitanpacken
🙌 Danke an Unterstützer und Gönner, die Projekte möglich machen
👏 Danke an alle Besucherinnen und Besucher, die sich Zeit nehmen, zuzuhören, zu fragen, mitzudenken und mitzuerinnern
🙏 Danke an die Ortsgemeinde für Unterstützung und Begleitung
Euch allen einen guten Rutsch und alles Gute für das kommende Jahr!