01/04/2026
Ärgerlicher Fahrplanfehler
Seit Montag und noch bis zum 08.05. ist die Strecke Lage - Herford wegen umfangreicher Bauarbeiten (Bettungsreinigung, Gleiswechsel) gesperrt. Siehe auch hier:https://www.zuginfo.nrw/download/1772119900644_PLAKAT_ERB_RE82_30418_3003_0805.pdf
So weit, so gut.
Nun fährt aber dort nicht nur die RB 72, sondern allmorgendlich auch eine RE 82 Bielefeld - Horn-Bad Meinberg, namentlich RE 79340, nach folgendem Fahrplan:
Bielefeld Hbf ab 06:28
Herford ab 06:46
Bad Salzuflen ab 06:53
Schötmar ab 06:56
Sylbach ab 07:01
Lage an 07:05, ab 07:13
Detmold ab 7:20
Horn-Bad Meinberg an 7:28
Geht nun natürlich nicht, weil wegen der Bauarbeiten.
Jetzt hat man sich wohl seitens der Eurobahn und / oder InfraGO gedacht, man könnte diesen Zug, der ja eigentlich eine Art Dauer-Umleitung darstellt, wiederum umleiten, und zwar über den eigentlichen Regelweg der RE 82. Und da nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Zug ist nun so geplant:
Bielefeld Hbf ab 06:57
Lage an 07:19, ab 07:20
Detmold ab 07:27
Horn-Bad Meinberg an 7:42.
Die Fahrlage ist an sich ist wohl der vorausfahrenden RB 73 90225 geschuldet, die erst um 7:09 in Lage ankommt, so dass RE 82 79340 nicht früher in Oerlinghausen abfahren kann. Oerlinghausen? Ja, 79340 kommt dort zwangsläufig zum Halten, lässt aber planmäßig niemanden ein- oder aussteigen. In Lage ergibt sich dann der erste Konflikt, die RB 73 90224 sollte eigentlich um 7:17 nach Bielefeld abfahren, was aber natürlich nicht geht, wenn RE 82 79340 erst um 7:19 Uhr ankommt. Damit sind die ersten 3 Minuten Verspätung vorprogrammiert, selbst bei perfekter Betriebslage. Weiter geht es nach Horn-Bad Meinberg, weitgehend konfliktfrei, und bei pünktlicher Fahrt ist man sogar schon mal 5 Minuten vor Plan am Ziel. Bis hierhin halten sich die Kollateralschäden in Grenzen.
Nun wendet dieser Zug aber in Horn-Bad Meinberg planmäßig auf die Folgeleistung, die eigentlich wie folgt fahren sollte:
RE 82 79343
Horn-Bad Meinberg ab 7:31
Detmold ab 7:40
Lage ab 7:50
Oerlinghausen ab 8:00
Bielefeld Hbf an 8:11.
Geht natürlich nicht, weil die Vorleistung ja planmäßig erst um 7:42 in Horn-Bad Meinberg ankommt. Also hat man sich diese Fahrplanänderung ausgedacht:
RE 82 79343
Horn-Bad Meinberg ab 7:46
Remmighausen: Aufenthalt für Überholung und Kreuzung mit RB 72
Detmold ab 8:11
Lage ab 8:19
Oerlinghausen ab 8:29
Bielefeld Hbf an 8:40
Diese Fahrlage ist mit dem massiven Zeitverlust in Remmighausen schon maximal kurios. Guckt man sich den weiteren Fahrtverlauf an, stellt man fest, dass diese Fahrt eigentlich so gar nicht durchführbar ist, denn in Lage fahrt um 8:17 die RB 73 90230 ab, die um 8:45 Uhr in Bielefeld Hbf ist, und in Oerlinghausen direkt mit der RB 73 90229 kreuzt, die dann erst um 8:44 in Lage ist, vorher kommt man also eigentlich gar nicht auf die Strecke, und von hinten drückt dann bereits die nächste RE 82 nach Bielefeld, 8:50 ab Lage.
Also fährt man die aus dem Takt geschlagene RE 82 79343 entweder direkt nach der RB 73 90230 hinterher, und lässt dann die RB 73 90229 so lange in Oerlinghausen stehen, oder man wartet in Lage die RB 73 90229 ab und fährt dann die beiden RE 82 (79343 und 79345) direkt hintereinander (also mit rund 10 Minuten Abstand) hintereinander her, verbiegt damit aber sogleich in Oerlinghausen die nächsten kreuzende RE 82.
Ihr könnt es euch nach den langen Zahlenreihen vorstellen, was nun seit Montag los ist, zumal zusätzlich auch Infrastrukturstörungen für Verspätungen sorgen. Die letzten Tage stieg der Verspätungslevel auf dem Linienverbund RE 82 / RB 73 jeden Morgen nach dieser Aktion auf etwa 25 Minuten an. Recht hilflos versucht man seitens der Eurobahn das Chaos anschließend durch Teilausfälle zwischen Lage und Lemgo in den Griff zu bekommen, was natürlich nichts nützt, denn ein in Lage kurz wendende RB 73 kann ja nicht sofort wieder zurück fahren, denn dann kommen ja erst noch zwei RE 82, bevor die Strecke wieder frei ist. Und so knapp, wie hier alles geplant ist, bleiben diese Verspätungen dann den ganzen Tag bestehen.
Wir haben es also aktuell mit einer extrem unzuverlässigen Betriebssituation zu tun:
- Generell schon stark ausgelastete Strecke mit viel zu kurzen Wendezeiten in Bielefeld Hbf --> vom NWL so geplant
+ eine anfällige Infrastruktur, die in letzter Zeit durch Weichen-, Signal-, Bahnübergangs- und Stellwerksstörungen für Zusatzverspätungen sorgt --> hier wäre InfraGO (aber auch die VBE) in der Pflicht, an der Zuverlässigkeit der Infrastruktur zu arbeiten
+ eine völlig praxisfremde und auch schon auf dem Papier nicht funktionierende Fahrlagenplanung der beiden von der Sperrung betroffenen RE-82-Fahrten --> hier scheint die Kommunikation zwischen InfraGO und der Betriebsplanung der Eurobahn komplett in die Hose gegangen zu sein
+ völlig hilflose Dispositionsversuche der Eurobahn
= katastrophale Betriebslage
Bei alledem fragt man sich: wo bleibt hier eigentlich die Politik? Müsste nach dem Totalausfall der RE 82 vor 2 Jahren und der seit nun schon vielen Jahren generell schlechten Betriebsqualität nicht langsam auch mal die Erkenntnisse bei den Anliegerkommunen und beim Kreis Lippe reifen, dass es zumindest mal sowas wie eine Stelle oder einen Ausschuss bräuchte, der ein stetiges Monitoring der Betriebsqualität im lippischen SPNV betreibt?
Aus unserer Sicht müsste hier dringend mal ein wachsames Auge entwickelt werden, welches Verbesserungen einfordert, und das nicht erst dann, wenn lippische Landtags- oder Bundestagsabgeordnete Erschwernisse bei ihrer Anreise nach Düsseldorf oder Berlin feststellen.
Konkret bräuchte es, neben einer nachhaltigen Verbesserung der Zuverlässigkeit bei der Infrastruktur und den eingesetzten Fahrzeugen auch entlastende Maßnahmen.
Kurzfristig:
- entweder muss der RE 82 79340 während der Bauphase zwischen Bielefeld und Lage entfallen, oder er darf nur noch bis Detmold verkehren. Nur so ist es möglich, die Folgeleistung RE 82 79341 wieder im normalen Takt fahren zu lassen, und den nahezu-Zusammenbruch der Betriebslage jeden Morgen zu vermeiden.
- InfraGo muss alle Kräfte bündeln, um die zahlreichen Störungen in den Griff zu bekommen. Es kann nicht sein, dass z.B. in Bielefeld Ost nun schon mehrere Tage in Folge überhaupt nicht gehalten werden kann, weil eine der beiden Weichen zum Bahnsteiggleis gestört ist.
Mittelfristig:
Es muss dringend eine Entlastung des viel zu knappen Betriebskonzeptes erreicht werden. Denkbar wären dafür:
- Geschwindigkeitserhöhung zwischen Bielefeld und Lage abschnittsweise von 80 auf 100 km/h
- zusätzliches Blocksignal je Richtung ca. in Höhe Ehlenbruch
- Geschwindigkeitserhöhung zwischen Lage und Lemgo
- Schnellere Ein- und Ausfahrten in Lemgo mit 80 statt 50 km/h
- Vereinfachtes Wenden in Lemgo-Lüttfeld durch Einführung / Nutzung der Möglichkeiten, die sich durch einen Stichstreckenblock ergeben, also kein telefonisches Einholen der Zustimmung zur Abfahrt mehr, und auch das Einschalten des Bü Geschwister-Scholl-Straße durch den Triebfahrzeugführer muss anders gelöst werden, z.B. durch Schaffung einer verkürzten Einschaltstrecke oder Infraroteinschaltung
- Schnellere Ein-/Ausfahrten in Lage
Längerfristig:
Weitere Entlastungs-, Dynamisierungs- und Beschleunigungsmaßnahmen, wie z.B.:
- Umbau des Bahnhofs Oerlinghausen nach klassischem Layout, so dass die kreuzenden Züge nebeneinander und nicht hintereinander stehen
- zweigleisiger Begegnungsabschnitt zwischen Oerlinghausen und Ubbedissen
- Eigener Bahnsteig in Bielefeld Hbf zur Entkopplung vom übrigen Verkehr auf der Hauptstrecke, da Gleis 1 nicht zuverlässig freigehalten werden kann
Fast schon nur noch eine Fußnote, dass in Lemgo-Lüttfeld (VBE) seit über einem halben Jahr die Anzeigetafel nicht mehr funktioniert, somit dort also keinerlei aktuelle Reisendeninformation erfolgt.
Es gibt also viel zu tun, und über die Reaktivierung Lemgo - Barntrup haben wir noch gar nicht gesprochen. Möge es endlich mal angepackt werden!
Sorry der vielen Wort wegen, aber das musste mal raus.
Symbolbild, schon ein paar Tage her, aber auch da standen die Züge mal wieder vor haltzeigenden Signalen wegen einer Weichenstörung in Lage.