15/05/2026
Tag der kurdischen Sprache
Sprache ist mehr als ein Mittel zur Verständigung. Sie ist Erinnerung, Identität, Kultur und Zugehörigkeit. In ihr leben Geschichten, Lieder, Erfahrungen, Schmerz, Hoffnung und das kollektive Gedächtnis eines Volkes weiter.
Für Kurdinnen und Kurden war die eigene Sprache jedoch nie nur Alltag. Sie war auch immer Widerstand. Kurdisch zu sprechen, zu singen, zu schreiben oder weiterzugeben, bedeutete über Jahrzehnte hinweg, sich gegen Unterdrückung, Verbot, Assimilation und Auslöschung zu stellen. In vielen Teilen Kurdistans wurde die kurdische Sprache aus Schulen, Behörden, Medien und dem öffentlichen Leben verdrängt. Besonders in der Türkei wurden Menschen kriminalisiert, verfolgt, inhaftiert und manche sogar getötet, weil sie Kurdisch gesprochen, gesungen oder ihre kulturelle Identität sichtbar gemacht haben. Trotz allem hat unsere Sprache überlebt. Sie wurde in Familien weitergegeben, in Liedern bewahrt, in Gedichten getragen, heimlich unterrichtet und von Generation zu Generation verteidigt.
Gerade heute zeigt sich, wie wichtig der Schutz der kurdischen Sprache ist. In Rojava, West-Kurdistan-Syrien, darf Kurdisch nicht nur symbolisch geduldet oder auf wenige Unterrichtsstunden reduziert werden. Kurdisch muss dort, wo Kurdinnen und Kurden leben, als Schul-, Verwaltungs- und Amtssprache anerkannt und dauerhaft verfassungsrechtlich geschützt werden. Muttersprachliche Bildung ist kein Zugeständnis, sondern ein fundamentales Menschenrecht.
Die kurdische Sprache ist ein Schlüssel zu Teilhabe, Selbstbestimmung und kultureller Zukunft. Wer eine Sprache schützt, schützt auch die Würde, Geschichte und Identität der Menschen, die sie sprechen.
Deshalb gilt besonders für uns in der Diaspora: Lernt Kurdisch, sprecht Kurdisch und gebt Kurdisch an eure Kinder weiter. Schickt eure Kinder in kurdische Sprachkurse, schafft Räume, in denen unsere Sprache gehört wird, und macht sie zu einem lebendigen Teil des Alltags. Denn eine Sprache lebt nicht nur in Büchern, Reden und Erinnerungen. Sie lebt vor allem dort, wo Menschen sie sprechen, lieben, lehren und an die nächste Generation weitergeben.