03/09/2026
Wenn es einen Betrieb gibt, in dem die Beschäftigten sehr einprägsam erlebt haben, was ein guter Betriebsrat und eine starke Gewerkschaft ausmachen können, dann ist das Ormazabal.
Im Spätsommer 2020 hat die Geschäftsführung den 164 Beschäftigten im Krefelder Werk verkündet, dass das komplette Werk ins Ausland verlagert wird und in Krefeld nur noch 9 Arbeitsplätze bleiben werden.
Dass im Spätherbst 2020 insgesamt doch noch 45 gute Industriearbeitsplätze bestehen blieben, unter anderem bei der Vertriebsgesellschaft von Ormazabal, lag an die hoch organisierten und motivierten Beschäftigten, die sich zusammen mit der IG Metall nicht versteckt und sich wehrlos ihrem Schicksal ergaben.
Viele Verhandlungstermine mit dem Arbeitgeber haben die Beschäftigten mal mit lauten Kundgebungen vor dem Werkstor, Menschenkette und Einladung des Krefelder Oberbürgermeisters begleitet, mal schweigend Spalier gestanden und damit die Arbeitgebervertretung auf dem Weg in den Verhandlungsraum begrüßt. Eine Delegation schickte die Belegschaft gar zu den Stadtwerken, um den Aufsichtsratsmitgliedern den Aufruf der IG Metall zu überreichen, dass die Stadtwerke Krefeld genauso wie andere Energieversorgungsunternehmen, die ganz oder zum Teil in öffentlicher Hand sind, Steuergelder und Gebühren vernünftig und zur Sicherung hiesiger Industriearbeitsplätze statt für Billigprodukte aus dem Ausland investieren müssen.
Vielleicht war es genau diese Erfahrung vom Wert der Solidarität und des Zusammenhalts, die dazu beigetragen hat, dass sich heute die Betriebsräte beider Ormazabal Betriebe - Anlagentechnik und Vertrieb - zu einer gemeinsamen Klausurtagung bei der IG Metall getroffen haben und künftig viel enger zusammenarbeiten möchten.
Dass die Krefelderinnen und Krefelder sich neulich diverser Presseartikel erfreuen können, dass Ormazabal in Krefeld kräftig investiert und seine Europa-Zentrale in Krefeld baut, ist eine gute Botschaft inmitten düsterer Zeiten für viele andere Industriebetriebe. Dass man sich deshalb zurücklehnen und darauf hoffen könnte, dass es diesmal auch ohne Betriebsrat und Gewerkschaft gutgehen würde, das sollte nun wirklich niemand glauben.