Nachbarn, ich liebe Dich oder Was ich von der Welt will

Nachbarn, ich liebe Dich oder Was ich von der Welt will Inklusiver Kurzfilm mit den Bewohnern eines Wohnhauses für Menschen mit geistiger Behinderung der Lebenshilfe Krefeld. Länge. Geplanter Projektbeginn ist der 1.

Im Rahmen unserer Arbeit mit den Bewohnern eines Wohnhauses für Menschen mit geistiger Behinderung der Lebenshilfe Krefeld entstand der Plan, einen Kurzfilm mit den Bewohnern dieses Hauses zu drehen. Es soll ein Film entstehen, der einen Einblick in die Lebenswirklichkeit und Gedankenwelt der Bewohner gewährt. Angedacht ist ein episodischer fiktionaler Film von ca. 20 - 25 min. Juni 2014, voraussi

chtliches Projektende Anfang 2015. Bei diesem Projekt sind alle Arbeitsschritte und -bereiche inklusiv angelegt, also von Anfang an mit den Menschen mit geistiger Behinderung gemeinsam geplant, durchgeführt und entschieden. Die Bewohner des Wohnhauses sind die Protagonisten des Films und bringen sich mit ihren Themen in die Filmarbeit ein. Das Filmteam, bestehend aus dem Regisseur und Kameramann, Mitarbeitern des Wohnhauses und den Bewohnern, entwickelt gemeinsam das Drehbuch. Ebenso arbeiten und entscheiden Bewohner in allen Arbeitsbereichen, die mit dem Filmdreh zusammenhängen (Ton/Technik, Kostüm, Musik und Produktion), mit. Dieses Vorgehen wurde bei einer Bewohnerversammlung beschlossen, die auch bereits einen Bewohnervertreter für alle Belange der Produktion gewählt hat. Die Herangehensweise garantiert, dass ein Film produziert wird, der auf allen Ebenen inklusiv ist. Indem der Film die Perspektive der Menschen mit geistiger Behinderung einnimmt, ist es möglich, jeden der Mitwirkenden in seiner Einzigartigkeit und seiner eigenen Gedankenwelt sichtbar und erfahrbar zu machen. Dabei steht nicht der Alltag im Wohnhaus oder das Vorzeigen bestimmter Fähigkeiten im Mittelpunkt, sondern der jeweilige Mensch in seiner Komplexität und Besonderheit. Dem Zuschauer wird so die Möglichkeit eröffnet, sich den Menschen mit Behinderung aus einer neuen, weil im Alltag und ohne persönliche Erfahrung kaum erlebbaren Perspektive zu nähern. In den Medien wird die Darstellung von Menschen mit Behinderung häufig entweder auf Aspekte des Pflegealltags bzw. den Umgang mit einem Defizit oder dem Problem des Andersseins beschränkt. Oder aber ein Mensch mit Behinderung wird inmitten eines Ensembles nicht behinderter Schauspieler positioniert, wenn seine Rolle nicht gleich von einem nicht behinderten Schauspieler übernommen wird, und erneut steht das Anderssein im Mittelpunkt. Wir haben für dieses Projekt einen anderen Ansatz gewählt. In diesem Film wird keine „Behindertengeschichte“ erzählt, sondern eine fiktiv/poetische Geschichte ganz „normaler Menschen“. Das Erleben der Welt durch andere Augen befreit von Vorurteilen, nimmt Ängste und bereichert die Vorstellungswelt. Dabei werden Begabungen, Schönheiten und Absurditäten sichtbar und es wird, so hoffen wir, die Vorstellung aufgelöst, es gebe eine normale Sicht der Dinge. Unser in jedem Schritt inklusiv angelegtes Projekt erfordert von den externen Filmschaffenden eine hohe Sensibilität in der gemeinsamen professionellen Erarbeitung der Szenen und eine flexible Zeitplanung mit viel Raum für den Aufbau von Vertrauen seitens der Bewohner und zum Ausprobieren. Daher ist ein herkömmlicher Drehplan zunächst nicht erstellbar, denn auch dieser wird, Szene für Szene, mit den jeweiligen Bewohnern erarbeitet. Im Gegensatz zur üblichen Arbeitsweise bei einer Filmproduktion, bei der vor Drehbeginn das Drehbuch mit allen Dialogen und Wendungen bereits feststeht, haben wir bewusst eine Annäherung an die Geschichten der Protagonisten durch Gespräche und Improvisationen gewählt. Es ist möglich, dass zu diesem Zeitpunkt der Stoffentwicklung aus künstlerischen Gründen auch ausgebildete Schauspieler hinzugezogen werden, um einzelne Aspekte der zu erzählenden Geschichte zu akzentuieren. Hierüber wird zum entsprechenden Zeitpunkt vom gesamten Filmteam entschieden. Dieser „Luxus“, die Zeit nehmen zu können um eine Geschichte gemeinsam zu entdecken, entwickeln und dann zu inszenieren ermöglicht authentische, unverstellte Einblicke in die Lebens- und Wahrnehmungswelt der Protagonisten, seien sie nun Menschen mit Behinderung oder ausgebildete Schauspieler. Im Ergebnis soll ein Film entstehen, der in jeder Hinsicht professionell produziert ist und nicht allein dadurch besonders ist, dass er von Menschen mit Behinderung gemacht wurde, sondern durch Qualität überzeugt. Wir möchten Alltagssituationen der Bewohner zeigen, Gespräche, ihre Reflexionen sowie absurde Begebenheiten und Begegnungen, inszenierte Träume und all das, was den Bewohnern dieses Hauses zu zeigen am Herzen liegt. Die Intention ist, Individuen sichtbar zu machen, die den Zuschauer beeindrucken, die er ernst nimmt und nachher nicht mehr vergessen oder übersehen kann. In diesem Film soll eine Verdichtung hergestellt werden, die für den Zuschauer Momente schafft, in denen die Behinderungen der Protagonisten in den Hintergrund treten und er sie als das wahrnimmt was sie in aller erster Linie sind: Menschen mit Bedürfnissen, Nöten und Sehnsüchten wie du und ich.

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