Juli 1892, also vor 120 Jahren,
den heute immer noch aktiven Männerchor „Moselgruß“. Es passte in die damalige
Zeit, als die Freizeitangebote noch nicht so vielfältig waren wie das heute der
Fall ist. Der Begriff „Chor“ in der heutigen Bedeutung als „Klangkörper“, prägte
sich erst im 17. In vielen Gegenden in Deutschland, besonders
im „Ruhrpott“ wurden Männergesangvereine gegründet, denn sie pfleg
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neben dem Gesang auch die Geselligkeit. Die genaue Anzahl der Chöre und Sänger
zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland kann nur geschätzt werden, da viele
Chöre keiner Organisation angehören und nicht systematisch erfasst sind. Gesicherte
Zahlen gibt es daher nur von den Chorverbänden, die von 1.790.000 Menschen
in 45.000 deutschen Chören ausgehen. Derzeit ergibt sich nach Sparten aufgeteilt
folgendes Bild: 45,2 % singen in gemischten Chören, 30,9 % in Kinder und
Jugendchören, 8 % in Frauenchören und nur noch 15,9 % in reinen Männerchören. Nun aber zurück zu den Anfängen des MGV „Moselgruß“. Auf Vorschlag des Mitbegründers
Wilhelm Sattler erhielt der Verein seinen heute noch gültigen Namen. In der Gründungsversammlung im Restaurant Carl Oberreuter, am 10. Juli 1892,
wurde Josef Becker von seinen Mitgründern des Vereins zum Vorsitzenden gewählt
und dem Lehrer Heinrich Spaniol die musikalische Leitung übertragen. Gründungs- und Vereinslokal bei Peter Müller, Güls Fährstraße 1 (später Carl Oberreuter)
Das Gasthaus wurde bei einem Bombenangriff auf die Gülser Eisenbahnbrücke am 22.12.1944
vollständig zerstört. (Foto aus dem Jahr 1902)
Schon kurz nach der Gründung des MGV fanden die Chorproben regelmäßig
zweimal wöchentlich statt und der junge Verein fand immer mehr Zulauf. Januar 1893 hatte der Verein 33 aktive und 6 inaktive Mitglieder. „Dem jungen
Verein wurde das Fortbestehen aber nicht gerade leicht gemacht“, so schrieb
Jakob Mallman im Jahre 1952, anlässlich des 60 jährigen Bestehens im Festheft.
„Andere Ansichten und Meinungen von Gegnern innerhalb des Vereins führten
den Verein in schwere Zeiten“. Aber auch diese erste Bewährungsprobe wurde, vor
allem von den Gründungsmitgliedern, bewältigt. Und so trat der Männergesangverein „Moselgruß“ am 19. Februar 1893, aus Anlass
des Jubiläums Sr. Heiligkeit Papst Leo XIII, zum ersten Mal an die Öffentlichkeit,
wobei sich der Verein bei den Bürgern gut einführte. Bereits am 9. Juli des
gleichen Jahres wurde ein großes Stiftungsfest und die Fahnenweihe gefeiert. Das
Fest war ein großartiger Erfolg, was sich in Folge auch positiv auf die weitere Entwicklung
des Vereins auswirkte. Bis zum 11. Januar 1911 hatte der Chor sein Probelokal im Gasthaus von Peter
Müller in der damaligen Fährstraße, der heutigen Stauseestraße. Als im Jahre 1911
die Eheleute Heinrich und Katharina Bourmer die Bewirtschaftung der Gaststätte
„Zur Stadt Coblenz“ in der Neustraße übernahmen, wechselte der Männergesangverein
das Probelokal, was auch zugleich Vereinslokal wurde. Das neue Vereinslokal
hatte vor allem den Vorteil, dass hier ein großer Saal mit einem Fassungsvermögen
von ca. 350 Personen zur Verfügung stand. Die Gaststätte und der dazu
gehörige Saal waren Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens der Gemeinde
Güls. Viele Ortsvereine hatten hier ihr Domizil. Das Gemeinwohl stand beim MGV „Moselgruß“ Güls schon immer im Vordergrund. Wie die historische
Aufnahme aus dem Jahre 1904 zeigt, wurden in den Aufbaujahren des Vereins viele Ausflüge
mit Kind und Kegel unternommen. Bei einem Ausflug nach Alf-Bullay stellte sich die Sängerfamilie
vor der Ruine der Marienburg einem Fotografen. 1794 besetzten französische Revolutinstruppen
das Gebiet um die Marienburg. Nach 1797 nahmen französische Soldaten alles Brauchbare
(Metall, Glocken, Orgelpfeifen und Fensterblei) mit und zerstörten das Gotteshaus. 1803 erwarben
einige Zeller und Alfer Bürger die Ruine nebst Klostergarten und alle anderen Gebäude.
1950 verkaufte der letzte Besitzer das Anwesen an das Bistrum Trier, um die Marienburg wieder
einem sakralen Zweck zuzuführen. Zur Zeit betreibt das Bistrum Trier auf der Marienburg u.a. ein
Jugendbildungszentrum. Die historische Aufnahme wurde von Hans Nell zur Verfügung gestellt. Schon wenige Jahre nach seiner Gründung hatte der „MGV Moselgruß“,
durch seinen ausgeglichenen und chorisch fein abgestimmten Klangkörper
nicht nur in Güls, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus großes Ansehen erworben. Bei Gesangwettbewerben und Sängerfesten wurden viele Preise und
Pokale gewonnen. Auf dem Bild ein Pokal der im Jahre 1908 bei einem Wettbewerb in Braubach gewonnen wurde. Der wunderschöne Pokal wird bis heute von unserem
Archivar Josef Müller wie ein Augapfel gehütet.