23/09/2025
Das Yulin-Hundefleischfestival
Offiziell gilt es als Feier der Sommersonnenwende, bei der traditionell Litschis und Hundefleisch gemeinsam verzehrt werden – eine Kombination, der manche gesundheitliche Vorteile an den heißesten Tagen des Jahres zuschreiben.
Für viele Menschen im Westen ist der Gedanke, Hunde zu essen, abstoßend – und das aus gutem Grund. Wir betrachten Hunde als Gefährten, Familienmitglieder, Beschützer. Sie begleiten uns, teilen unser Zuhause und schenken uns bedingungslose Zuneigung. Wie also kann man sie essen?
Ich war viele Male in Yulin.
In den frühen Jahren geschah die Grausamkeit offen: Hunde wurden mit Stöcken geschlagen, mit Metallzangen hochgerissen, in kochendes Wasser geworfen, verbrannt – und all das vor den Augen der Öffentlichkeit. Für die Händler auf dem Markt war es Alltag.
Mit wachsender internationaler Aufmerksamkeit und der Berichterstattung westlicher Medien verlagerte sich vieles in den Untergrund. Die Brutalität hörte nicht auf – sie wurde nur unsichtbarer. Marktverkäufer schirmten die Tötungen ab, doch die Realität war nicht zu überhören: das verzweifelte Jaulen der Tiere, der beißende Geruch von verbranntem Fleisch, die Reihen offener Woks, in denen Hundefleisch zubereitet wurde.
Das „Festival“ findet trotz seiner wachsenden Berühmtheit vor allem rund um den 21. Juni, die Sommersonnenwende, statt – der Verzehr von Hundefleisch erfolgt jedoch ganzjährig in Teilen Chinas, Koreas, Vietnams und anderer Länder. Wichtig ist: In China wird Hundefleisch insgesamt nur wenig konsumiert. Besonders jüngere Generationen und Tierschützer im Land lehnen die Praxis zunehmend ab. Dennoch bleibt Yulin ein Brennpunkt.
Ich bin jedoch nicht nach Yulin gereist, um die chinesische Kultur zu verurteilen – sondern um die Grausamkeit sichtbar zu machen. Denn für mich gilt: Kein Tier hat es verdient, so behandelt zu werden. Weder Hunde. Noch Kühe. Noch Schweine. Noch Hühner.
Grausamkeit kennt keine kulturellen Grenzen. Es ist nicht nur deren Problem. Es ist auch unseres.