15/10/2026
Zwölf Arten, die aus dem deutschen Garten verschwinden. Wer geht – und was man tun kann.
Gift, Beton, Licht, Sauberkeit. Vier Wörter, die erklären, warum der Garten leer wird.
1. Igel – Rückgang
Mähroboter nur tagsüber laufen lassen – nachts mäht der Roboter über schlafende und wandernde Igel. Kein Schneckenkorn – der Igel frisst die vergiftete Schnecke und stirbt daran. Einen Laubhaufen in einer ruhigen Gartenecke aufschichten – das Winterquartier. Durchschlupf im Zaun lassen – ein Loch von zehn mal zehn Zentimetern am Boden reicht, damit der Igel zwischen den Gärten wandern kann. Ein eingezäunter Garten ohne Durchschlupf ist für den Igel ein Gefängnis oder eine Wüste.
2. Rauchschwalbe – Rückgang
Nester nicht entfernen – auch nicht im Winter, auch nicht wenn sie leer sind. Die Rauchschwalbe kehrt im Frühjahr zum selben Nest zurück und baut es weiter. Ein offenes Fenster oder eine Klappe in der Scheune, im Stall oder in der Garage offen lassen, damit sie ein- und ausfliegen kann. Ein Brett unter dem Nest befestigen, das den Kot auffängt – löst das Sauberkeitsproblem, ohne das Nest zu zerstören. Alle Schwalbenarten stehen in Deutschland unter strengem Schutz – Nester zu entfernen ist eine Straftat.
3. Glühwürmchen – Rückgang um dreißig bis siebzig Prozent
Gartenlampen von Juni bis September nachts ausschalten – das Licht macht die Partnersuche unmöglich. Einen Streifen Gras ungemäht lassen. Kein Schneckenkorn – die Larven fressen Schnecken, das Gift tötet ihre Nahrung. Ohne Dunkelheit keine Fortpflanzung, ohne Schnecken kein Futter.
4. Erdkröte – Rückgang
Eine Rampe oder einen rauen Stein im Gartenteich und im Swimmingpool anbringen, damit die Kröte heraussteigen kann – glatte Beckenränder sind Todesfallen, in denen sie ertrinkt. Eine flache Wasserstelle im Garten. Kein Gift gegen Schnecken – die Erdkröte frisst sie kostenlos und stirbt am Schneckenkorn genauso wie der Igel.
5. Haussperling – Rückgang
Nistkästen mit zweiunddreißig Millimetern Einflugöffnung aufhängen – drei nebeneinander unter der Dachtraufe, weil der Spatz in Kolonien brütet. Ein Futterhäuschen mit Sonnenblumenkernen im Winter, wenn Schnee die Nahrungssuche erschwert. Eine dichte, heimische Hecke statt einer Thujareihe – der Spatz braucht dichtes Gebüsch zum Schlafen und Brüten, und die Thuja bietet ihm nichts zu fressen.
6. Zwergfledermaus – Rückgang
Einen Fledermauskasten auf vier bis fünf Metern Höhe an der Südost- oder Südwand aufhängen. Bei Gebäudesanierungen und Dämmungen vor Beginn der Arbeiten prüfen, ob Fledermäuse in den Spalten leben – die Untere Naturschutzbehörde berät kostenlos. Spalten und Ritzen an Gebäuden nicht zubetonieren, ohne vorher nachgeschaut zu haben. Keine Insektizide im Garten – Fledermäuse fressen die vergifteten Insekten.
7. Mauersegler – Rückgang
Nistkästen mit waagerechtem Einflugschlitz unter dem Dachüberstand aufhängen, auf mindestens fünf Metern Höhe. Bei Dachsanierungen die Lüftungsöffnungen nicht verschließen, ohne einen Ornithologen zu fragen – Mauersegler nutzen Hohlräume unter Dachziegeln und in Mauerspalten als Brutplatz. Der NABU führt regionale Mauersegler-Kartierungen durch und berät Hausbesitzer.
8. Wildbienen – Rückgang
Ein Insektenhotel mit Bohrungen von drei bis zehn Millimetern Durchmesser aufhängen – verschiedene Durchmesser für verschiedene Arten. Aber noch wichtiger als das Hotel: offene, unbewachsene Bodenstellen im Garten belassen. Siebzig Prozent aller Wildbienenarten nisten im Boden, nicht in Holz. Eine kahle Sandstelle in der Sonne, die nicht gemulcht und nicht bepflanzt wird, ist ein Nistplatz – kein Zeichen von Vernachlässigung. Blüten von März bis Oktober – eine durchgehende Blütenkette, nicht nur die Obstbaumblüte im Mai.
9. Steinkauz – Rückgang
Ein Steinkauzrohr (spezielle Niströhre, sieben Zentimeter Einflugöffnung) in einem alten Obstbaum aufhängen. Kein Rattengift – der Steinkauz frisst vergiftete Mäuse und stirbt an den kumulierten Antikoagulanzien. Streuobstwiesen erhalten – der Steinkauz ist der Vogel der Obstwiese, und mit den Streuobstwiesen verschwindet er.
10. Schleiereule – Rückgang
Einen Schleiereulenkasten im Inneren einer Scheune oder eines Dachbodens anbringen. Keine Antikoagulanzien (Rattengift der zweiten Generation) – die Schleiereule frisst vergiftete Mäuse und Ratten, und das Gift akkumuliert sich in ihrem Körper bis zur tödlichen Dosis. Eine einzige Schleiereule frisst in einem Jahr über tausend Mäuse – sie ist die effektivste Mäusebekämpfung, die es gibt, aber nur, wenn man sie nicht vergiftet.
11. Blindschleiche – Rückgang
Keine Schlange. Eine beinlose Eidechse, die Nacktschnecken frisst. Nicht mit der Schaufel erschlagen. Einen Stapel Bretter, Dachziegel oder flache Steine in einer ruhigen, sonnigen Ecke aufschichten – darunter versteckt sich die Blindschleiche und wärmt sich auf der Oberseite auf. Laub und Totholz liegen lassen.
12. Zauneidechse – Rückgang, streng geschützt
Flache Steine zum Aufwärmen an einer sonnigen Stelle aufschichten – ein Steinhaufen, auf dem sich die Eidechse morgens aufheizt. Ein Streifen ungemähter Wiese am Gartenrand. Den Katzenzugang zum Garten einschränken, wo es möglich ist – Katzen gehören zu den Hauptfeinden der Zauneidechse in Gärten. Die Zauneidechse steht unter strengem Schutz nach FFH-Richtlinie Anhang IV und Bundesnaturschutzgesetz – auf Baustellen und bei Bauvorhaben muss sie vor Baubeginn umgesiedelt werden.
Vier Bedrohungen, eine Antwort
GIFT. Schneckenkorn, Rattengift, Insektizide töten nicht nur das Ziel. Sie töten den Igel, die Kröte, die Eule und die Fledermaus über die Nahrungskette. Das Rattengift der zweiten Generation (Antikoagulanzien wie Brodifacoum und Difenacoum) akkumuliert sich in Raubvögeln und Eulen und tötet sie Wochen nach der Aufnahme.
BETON. Jeder Quadratmeter versiegelter Boden – die gepflasterte Einfahrt, die betonierte Terrasse, die zubetonierte Spalte in der Hauswand – ist ein Quadratmeter weniger Lebensraum. Für Wildbienen, die im Boden nisten. Für Kröten, die feuchte Erde brauchen. Für Eidechsen, die warme Steine brauchen. Für Fledermäuse, die Spalten brauchen.
LICHT. Gartenlampen, die die ganze Nacht brennen, stören die Partnerfindung der Glühwürmchen, desorientieren Fledermäuse und ziehen Insekten von den Blüten weg in die Lampe. Bewegungsmelder statt Dauerlicht. Im Sommer ganz ausschalten.
SAUBERKEIT. Ein Garten, der bis auf das letzte Blatt aufgeräumt ist, ist eine Wüste. Der Laubhaufen, das Totholz, der ungemähte Streifen, die offene Bodenstelle, der Efeu an der Mauer – das ist keine Unordnung. Das ist Infrastruktur des Lebens.
Weniger Gift. Weniger Beton. Weniger Licht. Weniger Ordnung. Mehr Leben.