30/09/2026
Mut, Ideen, Taten: Mittelstand trifft Politik in Jevenstedt
Beim Parlamentarischen Abend der MIT Schleswig-Holstein standen unternehmerische Verantwortung, weniger Bürokratie und mehr Vertrauen in die Zukunft im Mittelpunkt. MIT-Bundesvorsitzende Gitta Connemann warb gemeinsam mit Landesvorsitzendem Stefan Lange und Gastgeber Jan Witt für eine Politik, die den Betrieben Freiräume eröffnet.
Wo sonst Handwerksleistungen organisiert und Bauprojekte vorbereitet werden, begegneten sich am 30. September Unternehmerinnen und Unternehmer, Abgeordnete und Vertreter befreundeter Verbände: Die MIT Schleswig-Holstein hatte zum Parlamentarischen Abend auf das Gelände der Dachdeckerei Jan Witt GmbH in Jevenstedt eingeladen. Ehrengast war die MIT-Bundesvorsitzende Gitta Connemann MdB. Zu den Gästen gehörte auch Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg.
Landesvorsitzender Stefan Lange machte zur Eröffnung deutlich, dass der gesellige Rahmen die schwierige Lage vieler Betriebe nicht verdecken dürfe. Hohe Energie- und Personalkosten, bürokratische Anforderungen, fehlende Planungssicherheit und der Fachkräftemangel belasteten die Unternehmen. Wenn sich Unternehmer fragten, ob Wachstum und zusätzliche Verantwortung noch lohnten, müsse die Politik diese Zweifel ernst nehmen.
Lange verband seine Analyse mit einem Appell für bessere Bildung, gute Ausbildung und eine konsequente Digitalisierung. Künstliche Intelligenz könne gerade kleinen und mittleren Unternehmen helfen, Routineaufgaben zu vereinfachen und Fachkräften mehr Zeit für praktische Arbeit und persönliche Kundenkontakte zu verschaffen. Dafür brauche es eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, Qualifizierung und alltagstaugliche Anwendungen.
Zugleich würdigte Lange Fortschritte in Schleswig-Holstein. Investitionen in kommunale Infrastruktur und wichtige Verkehrsprojekte eröffneten Perspektiven für die Wirtschaft. Seine Botschaft: Probleme deutlich ansprechen, gute Entscheidungen anerkennen und bei ungelösten Aufgaben hartnäckig bleiben.
Unternehmerischer Mut braucht Freiräume
Wie eng wirtschaftlicher Erfolg und persönliche Verantwortung zusammengehören, zeigte Gastgeber Jan Witt. Der Dachdeckermeister schilderte den Weg vom vor 15 Jahren gegründeten Einzelunternehmen zu einem breit aufgestellten Handwerksbetrieb mit rund 265 Beschäftigten und 43 Auszubildenden.
Besonders eindrücklich beschrieb Witt den Aufwand hinter der eigentlichen handwerklichen Arbeit. Zahlreiche Beschäftigte seien mit Verwaltung und organisatorischen Anforderungen beschäftigt. Diese Kapazitäten würde er gern stärker für die Weiterentwicklung des Unternehmens einsetzen. Von Politik und Behörden wünsche er sich deshalb eine Haltung, die nach Möglichkeiten suche und Entscheidungen ermögliche.
Dabei nahm Witt auch die Unternehmer selbst in die Pflicht. Junge Menschen für das Handwerk zu begeistern, Verantwortung weiterzugeben und die Unternehmensnachfolge frühzeitig vorzubereiten, seien zentrale Aufgaben. Wer zu Hause und im Betrieb positiv über die eigene Arbeit spreche, könne dazu beitragen, dass die nächste Generation Unternehmertum als Chance wahrnehme.
Ein besonderes Anliegen war ihm das Miteinander von Arbeitgebern und Beschäftigten. „Mein Kapital ist meine Belegschaft“, betonte Witt. Wirtschaftlicher Erfolg entstehe gemeinsam. Dazu gehöre auch, zusätzliche Leistungsbereitschaft stärker zu belohnen und Beschäftigten mehr Möglichkeiten zum Zuverdienst zu eröffnen.
Connemann: Mittelstand gibt Zuversicht
Gitta Connemann griff die Erfahrungen des Gastgebers auf und würdigte den Mittelstand als tragende Säule von Wirtschaft und Gesellschaft. Familienunternehmen stünden für Verantwortung, Ausbildungsplätze und die Bereitschaft, langfristig zu investieren. Gerade deshalb müssten ihre Anliegen in politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Mit Blick auf die Unternehmensnachfolge warnte sie vor zusätzlichen Belastungen des Betriebsvermögens durch Erbschaft- oder Vermögensteuern. Maschinen, Gebäude und Grundstücke seien im Unternehmen gebunden. Zusätzliche Belastungen könnten deshalb auch Arbeits- und Ausbildungsplätze treffen.
Connemann warb außerdem für mehr wirtschaftliche, finanzielle und digitale Bildung. Ein besseres Verständnis unternehmerischer Zusammenhänge helfe, politische Debatten sachlicher zu führen. Gleichzeitig brauche es den direkten Austausch: Die konkreten Hinweise aus den Betrieben seien für ihre politische Arbeit und für die MIT unverzichtbar.
Beim Bürokratieabbau und bei schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren komme es neben gesetzlichen Änderungen auch auf deren praktische Anwendung an. Neue Spielräume müssten vor Ort mutig genutzt werden. Reformen verlangten Entschlossenheit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Als roten Faden ihres Beitrags formulierte Connemann drei Begriffe: Mut, Ideen, Taten. Sie beschreiben den Mittelstand ebenso wie den Anspruch der MIT, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zusammenzubringen.
Beim traditionellen Spanferkelessen wurden die Gespräche anschließend fortgesetzt. Der Abend machte deutlich, welchen Wert die unmittelbare Begegnung von Politik und Wirtschaft hat: Betriebliche Erfahrungen werden greifbar, politische Entscheidungen können erläutert und gemeinsame Lösungen diskutiert werden.