05/06/2026
Putzaktion 2026: Ivo hat in Kiel den Stein von Mendel Harry Hirsch geputzt.
Mendel Harry Hirsch wurde am 29.6.1870 in Kiel geboren und war hier Mitglied der Israelitischen Gemeinde, der liberalen Richtung zugehörig. Mit seiner Frau Caroline, geb. Wellendorf, hatte er vier Kinder: Frieda, Ella, Jonny und F***y.
Von Beruf Eisendreher, war Mendel Hirsch seit 1919 in der Mittelstraße 27 gemeldet, wo er sich auch als Hausverwalter engagierte. Seit Dezember 1925 scheint er aufgrund eines Unfalls arbeitslos und hilfsbedürftig gewesen zu sein. Er versuchte zeitweise als Fischverkäufer den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu verdienen. Bis 1933 blieb er Mitglied der SPD und des Metallarbeiterverbandes Kiel. Als „Volljude“ mit vier jüdischen Großeltern litt auch Mendel nach 1933 unter zunehmender Ausgrenzung, Entrechtung
und Verfolgung. Die „Mischehe“ mit seiner nicht jüdischen Ehefrau Caroline, „privilegiert“ durch die nicht jüdisch erzogenen Kinder, schützte nur wenig. Kurz nach der Deportation zahlreicher Kieler Juden nach Riga, darunter seine Schwestern Dora Hirsch und Rosa Lewin geb. Hirsch, wurde er vom 21. bis 23.1.1942 in „Schutzhaft“ im Polizeigefängnis Kiel genommen, anschließend der Gestapo übergeben. Was mit ihm in dieser Zeit geschah und ob er danach in seine Wohnung zurückkehren konnte oder in das nach dem Riga-Transport leerstehende „Judenhaus“ am Kleinen Kuhberg 25 eingewiesen wurde, ist ungewiss. Noch im selben Jahr, am 3.7.1942, verstarb Caroline, und nur wenig später, am 18.7.1942, wurde Mendel mit einem der ersten Transporte über Hamburg ins neu eingerichtete Ghetto Theresienstadt deportiert. Er war zu diesem Zeitpunkt 72 Jahre alt. In Theresienstadt herrschten furchtbare Bedingungen. Das Ghetto war überfüllt, die Menschen litten unter Kälte, Seuchen grassierten, es gab nur wenig Nahrung. Hinzu kam die ständige Angst vor dem Weitertransport nach Auschwitz. Unter diesen qualvollen Umständen überlebte Mendel noch knapp zwei Jahre, bis er am 3.5.1944 mit fast 74 Jahren verstarb. Mendel Hirschs Kinder überlebten die Shoa (LH Kiel).