11/09/2026
Putzaktion 2026: Sophie hat in Hamburg vor dem Amtsgericht den Stein von Dr. Karl Stern geputzt.
Er wurde als zweiter Sohn des angesehenen Sanitätsrats Dr. Moritz Stern und seiner Frau Emma geboren. Er wurde Arzt wie sein Vater und übernahm 1911 dessen Praxis in Eschwege. Er war jüdischer Abstammung, seine aus Schwerin stammende Frau Clara Maria, geborene Schultz (Jg. 1885), war Nichtjüdin. 1913 bekam das Ehepaar den Sohn Joachim Heinrich, 1917 und 1919 folgten die Töchter Ursula Miriam und Edelgard Elisabeth. Die Kinder wurden im evangelischen Glauben erzogen. Karl Stern praktizierte bis 1933 in Eschwege bei Kassel. Doch schon vor Hitlers Machtantritt begannen Eschweger Nationalsozialisten, Karl Stern zu verfolgen und zu bedrohen. Schließlich war er gezwungen, die Praxis aufzugeben. 1932 kaufte er ein Haus in Blankenese am Strandweg 67, in das er 1933 mit seiner Familie übersiedelte. Karl Stern hatte die Hoffnung, in einer Großstadt vor Verfolgung sicherer zu sein als in einer Kleinstadt. Doch am 21. Februar 1935 holte ihn der Eschweger Antisemitismus wieder ein. Karl Stern erhielt eine Vorladung vor das Amtsgericht Blankenese, ohne zu wissen, was gegen ihn vorlag. Die Anzeige kam aus Eschwege. Ihm wurde eine Abtreibung, die er angeblich acht Jahre zuvor vorgenommen hatte, zur Last gelegt, und es wurden Ermittlungen gegen ihn wegen „Rassenschande“ eingeleitet. Karl Stern musste mit einer hohen Strafe rechnen, sollte er verurteilt werden. Unmittelbar nachdem der Richter ihm eröffnet hatte, dass ein Ermittlungsverfahren gegen ihn schwebte, nahm er im Gerichtsaal Zyankali zu sich. Offenbar verwirklichte er damit einen schon lange gefassten Beschluss. Zunächst wurde ein in der Nähe wohnender Arzt gerufen. Auf dem Transport in das Krankenhaus in der Schenefelder Landstraße verstarb Karl Stern (Stolpersteine-Hamburg).