05/06/2025
Zum Opferfest möchten wir mit euch die ganz persönliche Bedeutung teilen, die dieses Ereignis für eines unserer Mitglieder hat:
Familien, die dazu in der Lage sind, sind am Opferfest dazu aufgerufen, ein Opfertier zu schächten. Wer dazu nicht in der Lage ist, soll durch das Teilen des Opfers dennoch am Fest teilhaben. Dazu gleich mehr.
Schon als Kinder nahm mein Vater uns mit zum Schächten. Viele empfanden das als befremdlich, doch für mich war es eine prägende Erfahrung. Sie weckte in mir ein Bewusstsein für nachhaltigen und bewussten Fleischkonsum. Ihm war es wichtig, dass wir wissen und verstehen, woher das Fleisch kommt und dass ein Lebewesen dafür sein Leben lässt.
So fuhren wir gemeinsam zum Bauernhof seines Vertrauens und sahen das lebendige Opfertier, bevor es geschächtet wurde. Auf dem Weg erklärte er uns, dass Halal-Schächtung weit mehr bedeutet als nur „Bismillah“ zu sagen. Das Tier darf keinen Stress empfinden und soll ruhig zum Ort der Schächtung geführt werden. Es darf nicht mitansehen, wie andere Tiere geschächtet werden. Und das Messer muss scharf sein. Die Technik muss so angewendet werden, dass das Tier möglichst sofort stirbt und kein unnötiges Leid erfährt.
Genau das setzte er vor unseren Augen um. Das Lamm wurde geschächtet und zum Ausbluten aufgehängt, wie es dem Halal-Ritus entspricht.
Zu Hause verarbeiteten wir als Familie alle gemeinsam das Lamm. Wir zerlegten und portionierten es. Mein Vater sagte, alles davon müsse verzehrt werden, um den Tod des Tieres zu würdigen und nichts zu verschwenden. Wir schnitten es gemeinsam zurecht. Nichts davon sollte verschwendet werden – aus Respekt vor dem Tier.
Das Opfertier wird am Opferfest in drei Teile geteilt: Ein Drittel wird Bedürftigen gespendet, ein Drittel geht an Freunde oder Nachbarn, das letzte Drittel wird für die eigene Familie behalten. Anschließend verteilten wir dementsprechend die Portionen. In Deutschland gehen die Fleischspenden oft an Studierende oder bedürftige Familien. Auch das machten wir gemeinsam als Familie, sodass ich bereits als Kind ein Verständnis für das Teilen und dessen Bedeutung bekam.