05/02/2026
Am 8. Dezember 2025 wurde in der Bahnhofstraße in Apolda eine antisemitische Schmiererei an einer Fassade entdeckt.
Der Schriftzug lautete: „Warum AfD weil wir Juden hassen.“ Obwohl die Schmiererei aufgrund der unterschiedlichen Farben und der variierenden Schriftstärke vermutlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgeführt wurde, ergibt sich in ihrer Kombination eine antisemitische Aussage. Durch die Formulierung werden Jüdinnen*Juden pauschal als homogene Gruppe dargestellt, die angeblich zu Recht Ziel von Hass sei. Gleichzeitig wird die rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland (AfD) direkt mit Antisemitismus positiv in Verbindung gebracht. Während antisemitische Einstellungen, Äußerungen und Positionen innerhalb der Partei wiederholt dokumentiert wurden, wird Antisemitismus in der Schmiererei offen als verbindendes Motiv und Rechtfertigung für die AfD dargestellt. Zudem wird Antisemitismus als etwas Positives präsentiert und zur Begründung einer politischen Haltung herangezogen. Dadurch wird er legitimiert und politisch aufgewertet.
RIAS hat den Vorfall als antisemitisches Othering erfasst. Dabei werden jüdische Identitäten durch Handlungen, Bilder und Worte als abstrakte und fremde Gruppe dargestellt, um Abgrenzung zu erzeugen. Auf diese Weise wird ein Gegensatz zwischen einem angeblichen „Wir“ und einem konstruierten „Sie“ hergestellt, bei dem Jüdinnen*Juden als nicht zugehörig markiert werden. Adressiert werden dabei Jüdinnen*Juden als kollektive Gruppe und nicht als einzelne Personen.
Seit Beginn ihrer Dokumentationstätigkeit stellt RIAS fest, dass antisemitische Schmierereien einen konstanten Anteil der gemeldeten Vorfälle ausmachen. Sie werden häufig an Fassaden, Haltestellen oder anderen öffentlich zugänglichen Orten entdeckt und entfalten durch ihre dauerhafte Sichtbarkeit ihre Wirkung.
Melden Sie antisemitische Vorfälle unter www.report-antisemitism.de