RIAS Thüringen - Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus

RIAS Thüringen - Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus RIAS Thüringen registriert und dokumentiert antisemitische Vorfälle und unterstützt Betroffene. B

RIAS Thüringen wünscht allen, die feiern, ein frohes und koscheres Pessach!Pessach beginnt heute Abend und ist eines der...
01/04/2026

RIAS Thüringen wünscht allen, die feiern, ein frohes und koscheres Pessach!

Pessach beginnt heute Abend und ist eines der wichtigsten Feste im Judentum. Es erinnert an den Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten und an die Befreiung aus der Sklaverei.

Zum Fest gehören nicht nur Erinnern und Erzählen, sondern auch besondere religiöse Bräuche und Speisen. Im Mittelpunkt steht der Sederabend, an dem die Geschichte des Auszugs gemeinsam gelesen und weitergegeben wird. Auf den Tisch kommen dabei symbolische Speisen wie Mazza (ungesäuertes Brot), Maror (bittere Kräuter), Charosset (Fruchtmus) sowie weitere Bestandteile des Sedertellers, die an Leid, Hoffnung und Befreiung erinnern. Viele Familien und Gemeinden feiern Pessach mit gemeinsamen Mahlzeiten und Gebeten.

Am 8. Januar 2026 wurde an einer Toilettenwand der Ernst-Abbe-Hochschule eine antisemitische Schmiererei entdeckt.Der Sc...
24/03/2026

Am 8. Januar 2026 wurde an einer Toilettenwand der Ernst-Abbe-Hochschule eine antisemitische Schmiererei entdeckt.

Der Schriftzug lautete „F**k Issrael“, wobei das doppelte „S“ in Form der sogenannten SS-Runen dargestellt war. Damit wird eine visuelle Anlehnung an das Symbol der nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS) hergestellt. Die Kombination aus abwertender Parole und NS-Symbolik stellt eine gezielte Dämonisierung Israels dar und bedient sich einer Täter-Opfer-Umkehr: Israel wird mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt.

Darüber hinaus fungiert die verfremdende Schreibweise als Mittel der Delegitimierung. Israel wird nicht sachlich kritisiert, sondern beleidigend herabgewürdigt. Die Verwendung der SS-Rune verstärkt den antisemitischen Gehalt. Die Schutzstaffel (SS) war eine zentrale Organisation des nationalsozialistischen Regimes und verantwortlich für die Verfolgung, Deportation und Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen*Juden in der Shoah. Sie organisierte und überwachte Konzentrations- und Vernichtungslager und koordinierte Massenerschießungen.

RIAS hat den Vorfall sowohl als israelbezogenen Antisemitismus als auch als Post-Shoah-Antisemitismus erfasst. Zum israelbezogenen Antisemitismus zählen antisemitische Äußerungen, die sich gegen Israel richten, ihn dämonisieren, delegitimieren oder mit nationalsozialistischen Verbrechen gleichsetzen. Als Post-Shoah-Antisemitismus wurde der Vorfall eingeordnet, weil durch die Verwendung der SS-Rune und die Gleichsetzung Israels mit dem Nationalsozialismus eine Täter-Opfer-Umkehr vorgenommen und NS-Verbrechen relativiert werden.

Seit Beginn ihrer Dokumentation stellt RIAS fest, dass antisemitische Schmierereien einen konstanten Anteil der gemeldeten Vorfälle ausmachen. Sie werden an öffentlich zugänglichen Orten entdeckt und entfalten durch ihre Sichtbarkeit eine einschüchternde und normalisierende Wirkung.

Melden Sie antisemitische Vorfälle unter www.report-antisemitism.de

Wir wünschen allen ein fröhliches Purim!Der Feiertag erinnert an die biblische Erzählung von der jüdischen Königin Esthe...
02/03/2026

Wir wünschen allen ein fröhliches Purim!

Der Feiertag erinnert an die biblische Erzählung von der jüdischen Königin Esther, die sich im persischen Reich mutig für das jüdische Volk einsetzte und es so vor der drohenden Vernichtung, veranlasst durch eine Intrige des persischen Ministers Haman, bewahrte. Die im Buch Esther überlieferte Geschichte steht bis heute für Zusammenhalt und Hoffnung.

Purim ist ein fröhlicher und lebensbejahender Feiertag. Mit Festmählern, dem Verschenken von Speisen und wohltätigen Gaben sowie dem Tragen von Kostümen wird die Rettung und das Weiterbestehen jüdischen Lebens gefeiert. In der Synagoge wird lautstark mit Purim-Rasseln protestiert, sobald der Name Hamans fällt. Die Geschichte um die Königin Esther kann sowohl damals als auch heute als Sinnbild für jüdische Resilienz angesichts antisemitischer Bedrohungen verstanden werden.

Am 8. Dezember 2025 wurde in der Bahnhofstraße in Apolda eine antisemitische Schmiererei an einer Fassade entdeckt. Der ...
05/02/2026

Am 8. Dezember 2025 wurde in der Bahnhofstraße in Apolda eine antisemitische Schmiererei an einer Fassade entdeckt.

Der Schriftzug lautete: „Warum AfD weil wir Juden hassen.“ Obwohl die Schmiererei aufgrund der unterschiedlichen Farben und der variierenden Schriftstärke vermutlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgeführt wurde, ergibt sich in ihrer Kombination eine antisemitische Aussage. Durch die Formulierung werden Jüdinnen*Juden pauschal als homogene Gruppe dargestellt, die angeblich zu Recht Ziel von Hass sei. Gleichzeitig wird die rechtsextreme Partei Alternative für Deutschland (AfD) direkt mit Antisemitismus positiv in Verbindung gebracht. Während antisemitische Einstellungen, Äußerungen und Positionen innerhalb der Partei wiederholt dokumentiert wurden, wird Antisemitismus in der Schmiererei offen als verbindendes Motiv und Rechtfertigung für die AfD dargestellt. Zudem wird Antisemitismus als etwas Positives präsentiert und zur Begründung einer politischen Haltung herangezogen. Dadurch wird er legitimiert und politisch aufgewertet.

RIAS hat den Vorfall als antisemitisches Othering erfasst. Dabei werden jüdische Identitäten durch Handlungen, Bilder und Worte als abstrakte und fremde Gruppe dargestellt, um Abgrenzung zu erzeugen. Auf diese Weise wird ein Gegensatz zwischen einem angeblichen „Wir“ und einem konstruierten „Sie“ hergestellt, bei dem Jüdinnen*Juden als nicht zugehörig markiert werden. Adressiert werden dabei Jüdinnen*Juden als kollektive Gruppe und nicht als einzelne Personen.

Seit Beginn ihrer Dokumentationstätigkeit stellt RIAS fest, dass antisemitische Schmierereien einen konstanten Anteil der gemeldeten Vorfälle ausmachen. Sie werden häufig an Fassaden, Haltestellen oder anderen öffentlich zugänglichen Orten entdeckt und entfalten durch ihre dauerhafte Sichtbarkeit ihre Wirkung.

Melden Sie antisemitische Vorfälle unter www.report-antisemitism.de

Heute Abend beginnt Rosch Haschana - das jüdische Neujahrsfest. RIAS Thüringen wünscht ein süßes, gesundes und friedvoll...
22/09/2025

Heute Abend beginnt Rosch Haschana - das jüdische Neujahrsfest.
RIAS Thüringen wünscht ein süßes, gesundes und friedvolles neues Jahr 5786.

Wenn möglich erfasst RIAS den politisch-weltanschaulichen Hintergrund der dokumentierten Vorfälle. In Thüringen waren im...
17/09/2025

Wenn möglich erfasst RIAS den politisch-weltanschaulichen Hintergrund der dokumentierten Vorfälle. In Thüringen waren im Jahr 2024 in 163 der 392 Gesamtvorfälle eine eindeutige politisch-weltanschauliche Verortung der Verantwortlichen möglich.

Der Anteil der antisemitischen Vorfälle mit rechtsextremem oder rechtspopulistischem Hintergrund stieg leicht auf 14% der Gesamtvorfälle (2023: 11%). Diese äußerten sich z.B. in antisemitischen Schmierereien kombiniert mit rechtsextremen Symboliken, Redebeiträgen auf rechtsextremen Versammlungen oder wurden in antisemitischen Sticker von rechtsextremen Parteien und Vertrieben sichtbar.

Vorfälle mit einem verschwörungsideologischen Hintergrund sanken stark von 13% (2023) auf 5% (2024) der Gesamtvorfälle. Sie waren vor allem auf Versammlungen und in Massenzuschriften zu beobachten.

Zu deutliche Steigerungen kam es im vergangene Jahr hinsichtlich Vorfällen mit Bezug zum links-antiimperialistischen Spektrum und antiisraelischem Aktivismus. Mit 16% (2023: 8%) des Gesamtvorfallgeschehens verdoppelte sich der Anteil von Vorfällen, die in Zusammenhang mit antiisraelischem Aktivismus stehen. 7 % (2023. 2%) der Vorfälle hatten hingegen einen links-antiimperialistischer Hintergrund.
Die Nähe dieser beiden politisch-weltanschaulichen Hintergründe trat 2024 im Freistaat offen im antiisraelischen Versammlungsgeschehen zu Tage und zeigte sich in zahlreichen antisemitischen Stickern und Schmierereien mit Israelbezug.

Bei der Erfassung des politisch-weltanschaulichen Hintergrunds wird keine Mehrfachzuordnung vorgenommen. Dabei kann es durchaus zu Überschneidungen verschiedener ideologischer Einflüsse kommen. Besonders deutlich wird dies bei Versammlungen: So vereinen etwa sogenannte „Montagsspaziergänge“ häufig sowohl rechtsextreme als auch verschwörungsideologische Positionen. Gleiches gilt für die Verknüpfung links-antiimperialistischer Haltungen mit antiisraelischem Aktivismus. Die Zuordnung erfolgt jeweils auf Basis der dominanten Ideologie im konkreten Vorfallgeschehen.

Den gesamten Jahresbericht findet ihr im Link in unserer Bio.

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Das Jahr 2024 war für RIAS Thüringen ein Jahr der Eskalation, der Enthemmung und der Sichtbarkeit eines Antisemitismus, ...
22/08/2025

Das Jahr 2024 war für RIAS Thüringen ein Jahr der Eskalation, der Enthemmung und der Sichtbarkeit eines Antisemitismus, der längst nicht nur am Rand der Gesellschaft zu finden ist. Mit 392 dokumentierten Vorfällen wurde in Thüringen ein neuer Höchststand erreicht – ein Anstieg um rund ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr.

Bei 291 der 392 Vorfälle handelt es sich um verletzendes Verhalten. Darunter fasst RIAS alle mündlichen, schriftlichen und bildlichen antisemitischen Äußerungen – etwa Sticker, Graffiti oder auch Aussagen gegenüber jüdischen oder nicht-jüdischen Personen. Im Vergleich zu 2023 (78%) blieb diese Vorfallart mit 74% der Gesamtvorfälle auf einem ähnlich hohen Niveau. Allerdings stieg innerhalb dieser Vorfallart der Anteil von Versammlungen, auf denen antisemitische Inhalte geäußert wurde von 45 im Jahr 2023 auf 72 in 2024.

RIAS Thüringen dokumentierte 2024 54 gezielte Sachbeschädigungen – also Beschädigungen von jüdischem Eigentum oder Gedenkorten. Die Hälfte dieser Vorfälle richtete sich gegen Stolpersteine. Neben Sprühdosen und Säuren griffen die Täter*innen in einem Fall gar zu einem Winkelschleifer, um einen Stolperstein in Weimar zu beschädigen.

Die Anzahl antisemitischer Massenzuschriften ist nach einem deutlichen Absinken (2022: 181; 2023: 10) im vergangenen Jahr wieder auf 38 gestiegen. Als Massenzuschriften verzeichnet RIAS E-Mails mit antisemitischem Inhalt, die an drei oder mehr Empfänger*innen gerichtet wird.

Besonders besorgniserregend ist die Steigerung der dokumentierten Vorfälle antisemitischer Angriffe und Bedrohungen. In 2024 wurden 7 Fälle von Bedrohungen (2023: 1) und 2 Angriffe (2023: 1) gemeldet. Dieser Trend deutet auf eine zunehmende Aggressivität und Enthemmung hin. Diese Vorfallarten unterscheiden sich qualitativ von den anderen, da sie bei den Betroffenen häufig starke psychische oder körperliche Nachwirkungen auslösen.

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