Die Entstehungsgeschichte
Der 30jährige Krieg, in dem mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung getötet wurde oder an der Pest starb, endete mit dem "Westfälischen Frieden" im Jahr 1648. Es kam soweit, dass Frauen und Mädchen als Hexen verbrannt wurden. Der damalige Mensch hatte das Bedürfnis nach Schutz und suchte etwas, das ihm Halt versprach, nach einer religiösen und sittlichen Heimat, na
ch menschlicher Bindung und nach einem gemeinschaftsfördernden Bund. In dieser furchtbaren und grauenhaften Zeit bildeten sich auf den Dörfern in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts Schützengilden, Schützenbruderschaften und die Bruderschaften unter dem Titel "St. Sebastian" und anderer Heiliger. Ziel und Aufgabe der Bruderschaften war es, Hab und Gut zu schützen und zu verteidigen. Sie hatten einen stark ausgeprägten, kirchlichen Charakter, während die Gilden ein mehr militärisches Gebilde darstellten. Die Existenz unserer Bruderschaft reicht nachweislich bis in diese schreckliche Zeit zurück. Leider sind sämtliche Zeugnisse aus früherer Zeit durch die damaligen Kriegsereignisse im Winter 1944/45 verloren gegangen. Aus einem Verzeichnis
aus der Zeit vor 1944 über Kirchenbücher und Archivalien geht hervor, dass bis dahin umfangreiches Geschichtsmaterial vorgelegen hat. Es sind unter anderem angegeben:
-Satzung vom Jahre 1670 und vom 24.2.1880
-Totenverzeichnis der Mitglieder von 1670- 1899 und von 1899- 1942(noch vorhanden)
-Verzeichnis der Königsbilder von 1660- 1850
-Silberner Königsvogel aus dem Jahre 1652 (noch vorhanden)
-Mitgliederverzeichnis von 1830- 1885 und von 1901- 1935
-Verpachtungsprotokolle der 3 Bruderschaftsfahnen von 1891- 1898
-Aufzeichnungen über Vereinsversammlungen von 1831- 1935
Wenn danach offensichtlich die ersten Satzungen erst aus dem Jahre 1670 stammen, so kann doch aus der in den Königsvogel eingravierten Jahreszahl 1652 und aus der noch vorhandene silbernen Plakette an der Königskette aus dem Jahr 1660 geschlossen werden, dass die Bruderschaft bereits in jenen Jahren bestanden hat. Das Jahr 1652 wird, da die Geschichte sich nicht weiter zurückverfolgen lässt, als Gründungsjahr angesehen.
Über die noch heute vorhandene Königskette enthällt die Pfarrchronik folgenden Bericht (unleserliche Stellen sind mit Punkten markiert)
"Gelegentlich des Vogelschusses wurden vom "Könige" Andenken gestiftet, die meist in einem silbernen Denkschild bestanden, da sich nun mit den Jahren die Schilder zum Tragen im Festzug zu sehr ...., so wurden die Schilder 1847 verkauft. Aber das silberne Rauchfass und Schiffchen, wie die Leute sagen, hat man davon nicht machen lassen. Rauchfass versilbert wurde von 1850 von H.J. Aldenkirchen geliefert für 16 Th. Jedoch bleiben folgende Gegenstände erhalten und dienen noch heute (1903) zur Dekoration des jedesmaligen Königs:
1. eine schwere silberne Kette mit silbernem Vogel (1652)
2. an dem Zweig, worauf der Vogel stehet, sind befestigt zwei silberne Schilder, davon hat das eine ein graviertes Wappen und die Inschrift: Anno 1660 hat Johan Geller in Namen Ihrer Kurfürst den Vogel allhier zu Broich abgeschossen. Das andere trägt die Inschrift: Wilhelmus Frei Nepoti suo Wilhelmus Gutrath Sosmit 1736.
3. an der Kette selbst hängt ein Schild ( silber mit Goldverziehrung) folgende Inschrift enthaltend:
REGI PATRI SUO SUCCESS IT FILIUS IOANNES WILHELMUS FLOHS CONFRATERN IT AT IS SEBASTINEE REX NATUS INCOLA ET PASTOR IN BROICH
(Dem König seinem Vater folgte der Sohn Johann Wilhelm Floß, der König der Sebastianus Schützenbruderschaft, dort als Einwohner geboren und gleichzeitig Pastor in Broich)