29/06/2026
Die Buchpräsentation „Wir wollen nicht klagen. Sölden und Söldner in Bayerisch-Schwaben" von Ida Vollmar fand am 24.06.26 an einem besonderen Ort statt: hier wurde eine Vision umgesetzt: 1948 wurde der Verein gegründet, mit dem Ziel, ein Museum für das Illertal zu gründen. 1955 wurde die Idee der Museumsgründer Hermann Zeller und Jakob Fickler umgesetzt:
Sie richteten in der Sölde, die seit 1696 in Illerbeuren an dieser Stelle verankert ist, ein Museum ein. Der Grundstein für das heutige Freilichtmuseum war gelegt. Zunächst waren nur wenige Räume zugänglich, die Sölde war letztlich bis 1962 bewohnt.
Die Sölde offenbart in ihrem Namen, dass sie letztlich über eine zu kleine Landwirtschaft verfügt um davon leben könnte. Man übte einen weiteren Beruf aus. Doch die Söldner, wie man die Sölden-Bewohner nannte, lebten nicht alle am Existenzminimum. Manche übten ihr Handwerk so gut aus, dass sie besser als mancher Landwirt lebten.
Die St-Ulrich-Sölde wurde seinerzeit von Hermann Zeller und Jakob Fickler im Stile eines Heimatmuseums eingerichtet, so berichtet Dr. Otto Kettemann, erster wissenschaftlicher Leiter des Museums.
Eine Führung durch die Sölde zeigt exemplarisch das Leben in früheren Zeiten. Anhand der ganz besonderer Sammlungsstücke, wie sie Zeller in der Sölde aus der Zeit um 1750 bis 1920 arrangierte, kann man wunderbar die Geschichte des Hauses und der dörflichen Bevölkerung erzählen: Warum der Hennenkorb in der Stube zu finden ist, was es mit der verzierten Messingschüssel für den Aderlass und den Utensilien des Baders auf sich hat, die Primizhaube, der Stiefelknecht, das Wechselbild….
Aufmerksamen Besucherinnen und Besuchern befanden einen Widerspruch zwischen Sölde und dem Gebäudetyp: Als Sölde sei es doch ein stattlicher Hof. Und das stimmt ja auch irgendwie: Die Sölde steht nicht mehr so da, wie sie 1696 gebaut wurde. Wie jedes Haus, wie jeder Hof, erfuhr sie Anpassungen an die neue Lebenswelten und Herausforderungen der Zeit. So gehörte sie einst zum Kloster Mönchsroth, wurde dann von der Herrschaft von Kronburg gekauft, bis 1788 wurde zudem eine Bäckerei betrieben, danach eine Wagnerei.
Besonders prägend war hier die Familie Einsiedler, die nahezu 100 Jahre – von 1812 bis 1900, über Generationen hinweg in der Sölde lebte und arbeitete. Sie betrieben die Wagnerei – ein Beruf, der für das Dorfleben unerlässlich war, stellten sie doch Räder, Wagen und andere Gegenstände her, wie sie nicht nur in der Landwirtschaft gebraucht wurden.
Die St.-Ulrich-Sölde zeigt, wie eng Wohnen, Arbeiten und Wirtschaften miteinander verbunden waren. Werkstatt, Stall, Tenne und Wohnräume, alles liegt dicht beieinander; das zeigt auch, wie das Familienleben als wirtschaftliche Einheit organisiert war.
Wer mehr wissen will, dem sei die neue Publikation „Wir wollen nicht klagen. Sölden und Söldner in Bayerisch-Schwaben“ empfohlen. Sie macht sichtbar, wer hier lebte, welche Herausforderungen diese Menschen bewältigen mussten und wer die Söldner, wie die Familie Einsiedler in der St.-Ulrich-Sölde, waren. Die St.-Ulrich-Sölde ist nicht nur Kulisse dieser Buchvorstellung, sondern selbst Teil der erzählten Geschichte.
Gebäudegruppierungen bilden Dorf nach
Die Museumsgründer, allen voran Hermann Zeller, haben im alten Museumsdorf Räume geschaffen, wie man sie in alten Dörfern vorfand: Es entstanden Gebäudegruppierungen, die kleine Plätze oder die dörfliche Infrastruktur wiedergeben. So wie hier – am Dorfplatz mit mächtigen Linden, die heute Schatten spendet. Wir befinden uns hier im alten Museumsdorf, das seinerseits schon wieder Museumsgeschichte erzählt. Und die auch so erhalten bleiben sollte.