14/06/2026
Artemia. Oder: Wie ich versehentlich Herrscher eines salzigen Imperiums wurde.
Es gibt Momente im Leben, da steht man im Baumarkt vor einem Mörtelkübel und denkt: "Heute gründe ich eine Zivilisation."
Normalerweise endet das mit einer Modelleisenbahn oder einer schlecht geplanten Kaninchenzucht.
Bei mir waren es Artemia.
Salinenkrebse.
Das klingt wie eine Steuerklasse für Hummer.
Tatsächlich handelt es sich um winzige Krebse, die aussehen, als hätte ein Wissenschaftler versucht, eine Garnele aus Büroklammern und Hoffnung zusammenzubauen.
Diese Viecher leben in Wasser, das so salzig ist, dass selbst die Nordsee daneben wirkt wie ein stilles Mineralwasser für sensible Orchideen.
Und genau deshalb faszinieren sie mich.
Die Natur hat sich irgendwann hingesetzt und gesagt:
"Weißt du was? Lass uns ein Tier erschaffen, das freiwillig dort lebt, wo jede andere Kreatur nach drei Minuten anfängt, Gott um Verzeihung zu bitten."
Artemia fanden die Idee offenbar gut.
Also kaufte ich einen Mörtelkübel.
Neunzig Liter.
Schwarz.
Sieht aus, als würde man darin entweder Beton anrühren oder einen Bond-Bösewicht verstecken.
Man füllt Wasser hinein.
Dann Salz.
Viel Salz.
Nicht "eine Prise".
Nicht "nach Geschmack".
Sondern Mengen, bei denen Nachbarn glauben, man wolle einen mittelgroßen Kabeljau einpökeln.
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