21/05/2026
Warum gibt es immer mehr Zecken? Die einfache Antwort lautet oft: Klimawandel. Tatsächlich sorgen mildere Winter und längere warme Jahreszeiten dafür, dass Zecken heute deutlich länger aktiv bleiben. Früher starben viele Tiere in langen Frostperioden. Heute überleben deutlich mehr Zecken den Winter und breiten sich immer weiter aus – inzwischen nicht nur im Wald, sondern auch in Parks, Gärten und Wohngebieten. Doch damit hört die Erklärung nicht auf.
Ein entscheidender Punkt wird in der öffentlichen Debatte kaum angesprochen: das gestörte Räuber-Beute-System durch intensive Jagd auf Beutegreifer wie den Fuchs. Füchse erfüllen im Ökosystem eine wichtige Funktion. Sie regulieren Mäusepopulationen – und genau Mäuse sind die wichtigsten Wirte für Zecken. Wo Füchse fehlen, vermehren sich Mäuse massiv. Und mit ihnen steigt auch die Zahl der Zecken. Die Natur verliert ihr Gleichgewicht.
Die Folgen der Fuchsjagd bekommen damit längst nicht nur Wildtiere zu spüren, sondern auch Menschen und Haustiere. Mehr Zecken bedeuten auch ein höheres Risiko für Krankheiten wie Borreliose oder FSME.
Hinzu kommt: Durch veränderte Landnutzung, unausgewogene Landschaften sowie das Zurückdrängen natürlicher Räuber entstehen ideale Bedingungen für Zecken. Hohe Gräser, feuchte Böden, weniger Vögel und ein Überangebot an den kleinen Nagern schaffen ein perfektes Umfeld. Natur funktioniert nur über komplexe Zusammenhänge. Jägerei wird jedoch stets als sehr vereinfachte Rechnung mit oberflächlichen scheinbar verständlichen Aussagen verkauft. Was dabei völlig außer Acht gelassen wird: Wer ständig in funktionierende Kreisläufe eingreift und Räuber aus dem System entfernt, verändert weit mehr als nur den Bestand einer Tierart.
Die zunehmende Zeckenplage muss deshalb auch als Warnsignal verstanden werden: Ein Ökosystem ohne seine natürlichen Regulatoren ist aus dem Gleichgewicht – mit Folgen, die am Ende wir alle spüren…