11/11/2025
Ein Tag für Ackerwildkräuter in Wartaweil
Am Freitag den 7.11.25 hat die Kreisgruppe Starnberg des BUND Naturschutz zum Fachtag nach Wartaweil geladen. Vorausgegangen war eine zweijährige Erfassung von seltenen Ackerwildkräutern im Landkreis Starnberg. Die Kreisgruppe kümmert sich seit geraumer Zeit darum, dass diese bunten Begleiter der Äcker, die heute kaum mehr zu finden sind wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und auf diese Weise gefördert werden können. Die Teilnehmer waren nicht nur aus dem Landkreis gekommen, sondern von weit her bis von Südtirol angereist.
Hohe Artenvielfalt im Landkreis
Der Agrarbiologe Dr. Stefan Meyer von der Universität Göttingen, der die Kartierung durchgeführt hat, konnte berichten, dass die wenigsten Äcker im Landkreis eine nennenswerte Artenvielfalt bei ihren Beikräutern aufweisen. 81 Äcker konnten genauer untersucht werden, dort kommen aber insgesamt 195 verschiedene Arten vor, von denen 27 in Bayern auf der Roten Liste stehen. Highlight war unter anderem der Wiederfund des Finkensame in Farchach nach 30 Jahren und der des Eiförmigen Tännelkrautes in Wörthsee, und der Erstnachweise von Sumpfquendel, Schlammling und Mauergipskraut in Ackerfehlstellen in Etterschlag.
Andechs als blütenreichste Gemeinde Bayerns
Die Äcker in Andechs beherbergen so viele bunt blühenden Wildkräuter, dass sie Andechs zur wohl blütenreichsten Gemeinde Bayerns machen, was Georg Scheitz, Bürgermeister der Gemeinde Andechs, der das Grußwort hielt, auch ein bisschen stolz macht. Als Ökopionier der ersten Stunde weiß er, dass „ein Landwirt ein Gefühl für seine Acker und die Pflanzen darauf braucht und nur so eine gedeihliche Ackerbewirtschaftung möglich ist“.
Fördermöglichkeiten vorgestellt
Der Schwerpunkt der Tagung drehte sich darum, was es für Möglichkeiten zur Förderung der Ackerflora gibt. Wichtig dabei sei vor allem die Bevölkerung, die die Vielfalt auf den Äckern einfordert.
Wie man Ackerbeikräuter am besten fördert und sogar ansäht und vermehrt, wurde von Heidi Lehmann von der Biobauern Naturschutz GmbH erläutert und von Florian Gäck, einem Landwirt aus Beilngreis sehr anschaulich dargestellt. „Ackerwildkräuter hört man schon von weitem, denn da summt es gewaltig. Das fällt jedem sofort auf.“
Flächeneigentümer „von der Ersatzbank holen“
Ein ganz wichtiger Bausteinstein zur möglichen Förderung wurde von Lioba Degenfelder vorgetragen, die sich mit Ihrem Projekt A.ckerwert um die Beratung von Flächeneigentümern kümmert, die sich ihrer ökologischen Verantwortung bewusstwerden und das Gespräch mit ihren landwirtschaftlichen Pächtern suchen, um eine gute und nachhaltige Lösung bei der Bewirtschaftung zu finden. Das Potential solcher Flächen ist riesengroß, da in Bayern 51% der landwirtschaftlichen Flächen gepachtet sind.
Dr. Marion Rasp von der Bayerischen KulturLandStiftung stellte die Möglichkeiten dar, die sich mit Hilfe von Ausgleichsmaßnahmen bei Eingriffen umsetzten lassen. Dass man die Eingriffe auch auf Äckern ausgleichen kann ist noch nicht so bekannt. Oft hilft der Ackerwildkrautschutz gleichzeitig Bodenbrütern wie Feldlerche und Kiebitz.
Feldflorenreservat startet
Frau Rasp konnte auch über die ersten Schritte zu einem Feldflorenreservat berichten. Das bringt derzeit die Bayerische KulturLandStiftung in Kooperation mit der Regierung von Oberbayern auf Ackerflächen der Schutzgemeinschaft Ammersee e.V. in Andechs auf den Weg. Hier sollen die konkurrenzschwachen Arten durch eine besondere Bewirtschaftung gefördert werden. Es wird sehr spannend, was sich in den nächsten vier Jahren auf den Äckern, die bisher zum Teil konventionell bewirtschaftet werden, entwickeln wird.
Nicht nur die Verköstigung durch die schmackhaften Linsen und Brot vom Ackerwildkrautpatenschaftsprojekt der Familie Koböck aus Unterbrunn überzeugte die Teilnehmer. Durch den Austausch der positiven Beispiele waren alle sehr motiviert, sich weiter für die Förderung von Ackerwildkräutern einzusetzen. Es wurde vereinbart sich zu vernetzen, beispielsweise durch einen Runden Tisch auf lokaler Ebene.
Fotos: S. Meyer
gefördert durch
Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus und Region Ammersee