31/03/2026
https://www.landeskirche-hannovers.de/presse/tagesthemen/2026/03/24-stille-im-vieh-waggon
"Spring School" bringt junge Menschen aus Europa zusammen
Die 17-jährige Dora Bokrosova steht regungslos und still im Dunkeln eines früheren Vieh-Waggons. Vorsichtig setzt die junge Slowakin ihren Fuß zwischen die weißen Klebestreifen. Ihre Füße passen gerade so in das kleine Quadrat – so wenig Platz blieb den Menschen, die vor mehr als 80 Jahren zu Tausenden in Zügen an der sogenannten Verladerampe ankamen – auf ihrem Weg nach Bergen-Belsen.
Dora ist eine von 35 Jugendlichen und jungen Erwachsenen der 31. sogenannten „Spring-School“. Dabei beschäftigen sich Gruppen aus Litauen, der Slowakei, Frankreich, Ungarn, Polen und Tschechien zehn Tage lang mit der Geschichte des früheren Konzentrationslagers. Jedes Frühjahr, kurz vor dem Jahrestag der Befreiung durch britische Truppen am 15. April, werden Jugendliche aus ganz Europa eingeladen.
Auf dem Platz vor dem Waggon, an dem lediglich die Gleise an einen Bahnhof erinnern, liest die pädagogische Mitarbeiterin Caroline Altmann der Gruppe auf Englisch einen Zeitzeugenbericht der Jüdin Hanna Levy-Hass vor. Diese schilderte dabei in ihren Tagebuchaufzeichnungen die unerträgliche wochenlange Fahrt in kompletter Dunkelheit, eingepfercht in einem Waggon mit etwa 60 weiteren Frauen, Männern und Kindern. Es gab kaum Luft zum Atmen: „Es war die Hölle.“ Viele der Eindrücke werde er erst abends nach dem Abendbrot auf seinem Zimmer für sich verarbeiten, sagt der junge Mann im schwarzen Kapuzenpulli.
Auf dem Weg zum Reisebus atmet die 18-jährige Rusne aus Litauen tief durch. Zu Hause hätten sie im Geschichtsunterricht nur wenig über den Nationalsozialismus gelernt. In den vergangenen Tagen habe sie die Schrecken dieser Zeit sehen können, und das sei schwer zu verarbeiten. „Ich werde das hier mein ganzes Leben nicht vergessen.“
Die ganze Geschichte findet Ihr auf unserer Website!
✍️: Charlotte Morgenthal Evangelischer Pressedienst (epd)
📸: Inna Rempel
Gedenkstätte Bergen-Belsen