31/05/2026
Meeressäugerexpedition Azoren
Tag 5 – 30. Mai 2026
Heute Morgen gingen wir direkt nach dem Frühstück zum Whale-Watching. Dort warteten wir zunächst, bis sich der Nebel gelegt hatte. Auf den Azoren tritt Nebel besonders häufig auf, weil hier warme und feuchte Luftmassen des Atlantiks auf kühlere Luftschichten treffen. Zudem werden die feuchten Luftmassen durch die bergige Landschaft der Inseln angehoben, wodurch sie abkühlen und Wolken sowie Nebel entstehen. Nachdem sich der Nebel aufgelöst hatte, fuhren wir schließlich hinaus auf den Atlantik.
Zu Beginn der Fahrt blieben Sichtungen aus, bis schließlich eine Meldung von einem Beobachtungsposten an Land einging. Bei vielen Whale-Watching-Anbietern beobachten sogenannte Spotter von erhöhten Standorten aus die Meeresoberfläche und geben Sichtungen von Meeressäugern per Funk an die Boote weiter.
Daraufhin steuerten wir die gemeldete Position an, das eine Gruppe Delfine gesichtet hatte. Daraufhin fuhren wir zu diesem Boot und beobachteten dort tatsächlich Streifendelfine (Stenella coeruleoalba). Diese Art lebt vor allem in warmen und gemäßigten Meeresregionen. Ihren Namen verdankt sie den auffälligen dunklen Streifen entlang der Körperseiten. Streifendelfine gelten als vergleichsweise scheu und halten häufig einen gewissen Abstand zu Booten. Wissenschaftler vermuten, dass dies mit ihrer Lebensweise im offenen Ozean zusammenhängt, wo sie seltener Kontakt zu Schiffen haben als andere Delfinarten. Deshalb verschwanden sie schon bald wieder.
Wenig später entdeckten wir erneut Streifendelfine, die wir diesmal länger beobachten konnten. Dabei sprangen einige Tiere spektakulär aus dem Wasser. Delfine springen aus verschiedenen Gründen: Sie können dadurch Energie sparen, da die Fortbewegung durch die Luft weniger Widerstand verursacht als im Wasser. Außerdem dient das Springen der Kommunikation innerhalb der Gruppe, dem Entfernen von Parasiten und vermutlich auch dem spielerischen Verhalten der Tiere.
Nachdem die Delfine abgetaucht waren, sahen wir längere Zeit keine Meeressäuger mehr. Plötzlich tauchten beim zweiten Whale-Watching-Boot erneut Delfine auf. Dieses Mal handelte es sich um Gemeine Delfine (Delphinus delphis). Der Name „Gemeiner Delfin“ bedeutet dabei nicht „böse“ oder „unangenehm“. Das Wort „gemein“ wird hier in seiner älteren Bedeutung von „gewöhnlich“ oder „weit verbreitet“ verwendet. Früher galt diese Art als eine der häufigsten Delfinarten der Weltmeere.
Im Gegensatz zu den Streifendelfinen verhielten sich die Gemeinen Delfine sehr zutraulich. Sie schwammen ständig um das Boot herum und ritten auf der Bugwelle. Viele Populationen dieser Art begegnen Schiffen regelmäßig und nutzen die von ihnen erzeugten Wellen sogar zum Energiesparen. Daher zeigen sie oft deutlich weniger Scheu als Streifendelfine. Wir konnten zahlreiche beeindruckende Fotos und Videos aufnehmen und blieben bis zum Ende der Ausfahrt bei dieser Delfingruppe.
Delphine orientierten sich mithilfe ihrer Echoortung. Dabei senden sie hochfrequente Schallwellen aus und können anhand der zurückkehrenden Echos Beutetiere, Hindernisse oder andere Delfine erkennen.
Die Gewässer rund um die Azoren gehören zu den besten Regionen der Welt für die Beobachtung von Walen und Delfinen. Hier treffen verschiedene Meeresströmungen aufeinander, wodurch besonders viele Nährstoffe ins Oberflächenwasser gelangen. Diese Nährstoffe fördern das Wachstum von Plankton, das wiederum die Nahrungsgrundlage für Fische, Tintenfische und schließlich auch Wale bildet. Viele Walarten ziehen durch die Gewässer der Azoren, um dort zu jagen oder auf ihren Wanderungen zwischen nördlichen und südlichen Meeresgebieten Rast zu machen. Besonders Pottwale halten sich regelmäßig vor den Inseln auf, da sie in den tiefen Gewässern rund um die Azoren reichlich Tintenfische finden.
Am Abend gingen wir noch in ein Fischrestaurant, wo wir den ereignisreichen Tag gemütlich ausklingen ließen und unsere Erfahrungen austauschen konnten.
Viele Grüße vom Medienteam
Tom und Tonio