07/03/2023
Letzte Spendentour ins Ahrtal
Kameradinnen und Kameraden aus der VG Hauenstein besuchten
verschiedene Stationen im Landkreis Ahrweiler
"Ohne eine gute Jugendarbeit würden es zukünftig überall im Land die Freiwilligen Feuerwehren schwer haben“, so Ernst Bosch bei der ersten Spendenübergabe bei einer Wachbereitschaft im August 2021 in Bachem als er mit weiteren Kameraden den Brandschutz für die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sicherstellte.
Diesen Satz sagte er aber nicht nur dort. Auch beim SWR-Fernsehen in der Landesschau, bei vielen Veranstaltungen wo er Spenden einsammeln konnte, bei einem Gesprächsaustausch mit der Landrätin Frau Dr. Ganster und bei einem Empfang für ehrenamtliche Helfer bei der Ministerpräsidentin Malu Dreyer in Mainz. Dieser Satz hat die ganze Arbeit der Fluthilfe für Jugendfeuerwehren der Feuerwehren der VG Hauenstein geprägt.
Ernst Bosch war am 15./16. Juli 2021 mit seiner Feuerwehr Lug in Dernau im Einsatz. Als Teil des Einsatzzuges der VG Hauenstein machte er sich, die gesehen und erlebten Bilder vor Augen, auf einer dreistündigen Heimfahrt - schnell Gedanken über das Ausmaß der Flutkatastrophe. Er wollte helfen, Spenden sammeln, unterstützen. Aber wie, und wo?
Immer noch das von der Flut zerstörte und ausgeräumte Feuerwehrhaus von Dernau vor Augen, fuhr er Anfang August mit weiteren Feuerwehrkameraden in seinen angestammten Urlaubsort nach Fischen im Allgäu.
Vor Ort, in Fischen im Allgäu berichteten die Kameraden von ihrem Einsatz und fand so die erste Spenderin für die damals noch nichtexistierende Fluthilfe der VG Hauenstein.
Oft sah man in den sozialen Netzwerken Spenden an die örtlichen Feuerwehren im Ahrtal. Material, Fahrzeuge, Kleidung, Hilfe von Kameraden vor Ort beim Wiederaufbau. Aber wer denkt an die Jugend, den Nachwuchs, die Feuerwehrleute von morgen?
Unser Kamerad Ernst hatte schon immer einen besonderen Draht zur Jugendfeuerwehr. Egal ob über 15 Jahre als Jugendwart in seiner Heimat Lug, in der ganzen Verbandsgemeinde Hauenstein oder auch als Mitglied des Kreisfeuerwehrverbandes in unserem Landkreis Südwestpfalz.
Schnell konnte er die Wehrführer überzeugen eine Fluthilfe für die betroffenen Jugendfeuerwehren aus der Verbandsgemeinde Hauenstein heraus ins Leben zu rufen.
Am 27. August 2021 konnte, wie oben bereits erwähnt, die erste Spende aus unserer VG an die Kreisjugendfeuerwehr Ahrweiler übergeben werden. Ab diesem Zeitpunkt zahlte auch jeder, der zum Einsatzdienst im Stadtschutz nach Bad Neunahr-Ahrweiler fuhr, 10 Euro für eine Fahrkarte. Von Ernst Bosch gedruckt.
Fortan gab es kein Fest der Feuerwehr bei uns ohne die Spendenkassen für die Jugendfeuerwehren. Es wurden Flyer und Plakate für die Aktion gedruckt, durch die Werbung für unsere Spendenaktion über die sozialen Medien und Netzwerke und fanden wir auch Feuerwehren in unserem Umkreis die sofort die Aktion unterstützten. Eine Jugendfeuerwehr aus dem Landkreis SÜW verkaufte Weihnachtsgebäck und spendete den kompletten Erlös- aufgerundet versteht sich. Eine andere Feuerwehr spendete den kompletten Erlös aus ihren Tannenbaumsammlung und kam sogar 2022 mit nach Schuld zu einer Spendenübergabe.
Viele regionale Firmen spendeten für die Fluthilfe.
Waldläufer, eine Schuhfabrik aus dem Luger Tal hat uns hier besonders unterstützt. Die Firma Wawi und Bernd Hummel von der Fa. Kangaroos hatten wir auf unseren Spendentouren ins Ahrtal dabei. 100 Paar Kinder- und Jugendschuhe und zahlreiche Weihnachtsmänner und Osterhasen fanden so den Weg von der Südwestpfalz in den Landkreis Ahrweiler.
neben der Hilfe für Jugendfeuerwehren konnten wir auch Kleidung, Fahrräder und sogar einen PKW in die Region weitergeben. Bei den fünf Spendenübergaben vor Ort haben wir viele zerstörte Orte und Bauwerke gesehen, aber auch wunderbare Bekanntschaften Freundschaften zu Kameraden geknüpft.
In Absprache mit der Kreisjugendfeuerwehr Ahrweiler wurden im Dezember die letzten Spenden in der VG Hauenstein gesammelt.
Am Samstag, 04.02.2023 fand nun in Barweiler, unweit vom Nürburgring die letzte Spendenübergabe zur Kreisjugendfeuerwehr Ahrweiler statt.
Barweiler gehört nicht direkt zum Flutgebiet im Landkreis Ahrweiler.
Der kleine Eifelort mit 420 Einwohnern war aber die Heimat von Katharina Kraatz. Katharina verunglückte im Einsatz am 14. Juli 2021 tödlich, als sie vom Hochwasser auf einem Campingplatz eingeschlossen wurde.
Sie war lange Jahre Mitglied der Jugendfeuerwehr und engagierte sich auch nach ihrem Übertritt in die aktive Feuerwehr weiter bei der Jugendfeuerwehr.
Im Spätjahr 2022 hatten wir von der Fluthilfe den ersten Kontakt zu Frauke und Udo Kraatz, den Eltern von Katharina. Udo ist Jugendwart in Barweiler und hat nun die letzte Spende für die Kreisjugendfeuerwehr entgegengenommen.
In einer gemeinsamen Runde mit guten Gesprächen war man sich sicher, es wird auch weitere Treffen mit der Kreisjugendfeuerwehr und mit der Familie Kraatz geben. Unsere Abordnung aus der Verbandsgemeinde konnte Katharina die letzte Ehre unter Kameraden auf dem Friedhof erweisen.
Katharina starb im größten Einsatz der Feuerwehr in der Geschichte von Rheinland-Pfalz.
Der Verlust der Eltern und der Feuerwehrkameradin in Barweiler ist allgegenwertig. Ihr Schicksal ist mit den vielen, weiteren zivilen Opfern der Flutkatastrophe verbunden.
Am Abend war die Gruppe aus der VG Hauenstein dann nochmals in Schuld.
Oberhalb der stark betroffenen Gemeinde konnte man die „neue“ Pizzeria von Schuld besuchen. Das Wohngebäude mit Restaurant der Familie Toplaca war in der Flutnacht eingestürzt und die Familie konnte in letzter Minute von der Feuerwehr Schuld und von Strömungsrettern des DLRG aus Andernach gerettet werden. Hier hatten wir auch schon im April 2022 die ersten Kontakte zur Feuerwehr und ganz besonders zur Jugendfeuerwehr in Schuld.
Am nächsten morgen fuhren wir über Schuld, Insul, Dümpelfeld, Hönningen, Ahrbrück, Kreuzberg, Altenburg, Altenahr, Reimerzhofen, Laach, Lochmühle, Mayschoß, Rech bis nach Dernau.
Im kompletten Ahrtal ist die Zerstörung der Flut noch allgegenwertig.
Eingerissene oder verlassen Häuser, fehlende oder gerade im Aufbau befindliche Infrastruktur, zerstörte Fußballplätze und Freizeitstätten wie Campingplätze sieht man noch in fast jeder Ortschaft. Hier wird es noch Jahre dauern, bis wieder etwas Normalität eintritt.
In Dernau waren wir kurz am Feuerwehrhaus und an der Kirche. Zwei von vielen Gebäuden, an denen wir 2021 bei der Flut im Ahrdorf im Einsatz waren.
Dernau selbst hatte damals allein 11 Tote zu beklagen. 550 von 640 Häusern waren von der Flut teilweise massiv getroffen.
Auf der Weiterfahrt durch Marienthal und Walporzheim kam man in das vertraute Gebiet, wo viele Feuerwehrangehörige aus der VG Hauenstein im Sommer 2021 über 3 Monate beim Stadtschutz tätig waren. In Ramersbach, einem Ortsteil von Bad Neunahr-Ahrweiler machten wir unseren Abschluss bei der Jugendfeuerwehr.
Neben Schokofeuerwehrautos und Osterhasen konnten wir auch eine kleine Spende für die Jugendarbeit überreichen.
Mit dieser Tour endete die monetäre Unterstützung für die Kreisjugendfeuerwehr. Weiter bestehen bleiben die persönlichen Kontakte oder auch der Austausch auf Feuerwehrebene. Wir werden die Kameraden an der Ahr und auch in der Eifel weiter unterstützen.
Kameradschaftlich, herzlich wie wir es bei der Feuerwehr gewohnt sind.
Frei dem Motto: Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr.
Besondere Auszeichnung
für Ernst Bosch, Irene Eymann-Reutter und Matthias Kustes
Im Rahmen der letzten Spendenübergabe gab es noch eine große Überraschung für die Abordnung aus der Verbandsgemeinde Hauenstein.
Stellvertretend für ihre Kameradinnen und Kameraden aus der VG Hauenstein erhielten die oben genannten das goldene Ehrenzeichen der Kreisjugendfeuerwehr Ahrweiler vom Kreisjugendwart Dirk Schorn verliehen.
Die Kreisjugendfeuerwehr brachte hierdurch ihre Dankbarkeit für die guten Kontakte und das große Engagement nach der Flutkatastrophe zum Ausdruck.