02/10/2026
Sucht verstehen statt verurteilen
Was fällt dir spontan ein, wenn du diesen Satz hörst: „Ich bin Psychologische Psychotherapeutin und arbeite in einer Fachklinik zur Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen (illegale Suchtmittel) und angrenzenden psychosomatischen Störungen.“ Mit dieser Frage, angelehnt an Freuds Methode der freien Assoziation, eröffnete unsere Clubschwester Cordula Schmidt unseren Clubabend am 1. Oktober 2026 und kam so direkt mit Clubschwestern und Gästinnen ins Gespräch.
Seit 23 Jahren arbeitet sie als Psychologische Psychotherapeutin in der Fachklinik Haus Germerode. Nach der körperlichen Entgiftung kommen die Patientinnen und Patienten dorthin zur stationären Langzeitentwöhnung.
→ 32 Therapieplätze für Frauen und Männer, Begleitkinder bis zwölf Jahre, 22 bis 24 Wochen Therapie
→ Wochenstruktur aus Gruppentherapie und Sport, Ergo- und Arbeitstherapie, Vollversammlung und gemeinschaftlicher Freizeitgestaltung
→ Kostenträger: vor allem Rentenversicherung, daneben Krankenkassen und Sozialhilfeträger
→ Aufgaben der Therapeutinnen und Therapeuten von Diagnostik, Einzel- und Gruppensitzungen über Berichte bis zu Fallkonferenzen
Im Zentrum standen die familiären Bedingungen: Oft geben Eltern unbewusst eigene Konflikte an ihre Kinder weiter. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verstehen, auch der Entwicklungsbedingungen der Eltern. Vorurteile wie ein „schwacher Wille“ haben dabei keinen Platz. Soziale Kompetenzen, die manchen nach einem Drogeneinstieg in der Pubertät fehlen, werden im Alltag der therapeutischen Gemeinschaft trainiert. Zudem üben die Patientinnen und Patienten, Verantwortung zu übernehmen, etwa im Ethikrat als einer von mehreren Möglichkeiten.
Außerdem ging es um den Anteil der Patientinnen in der Klinik, der seit Corona von etwa 25 % auf rund 10 % gesunken ist. Da bundesweit Tagesmütter und Kindergartenplätze fehlen, können derzeit nur Schulkinder als Begleitkinder aufgenommen werden.
Ein anonymisiertes Fallbeispiel einer abhängigen Frau verband die Inhalte anschaulich, und die vielen interessierten Fragen im Anschluss zeigten, wie sehr das Thema bewegte.
Für uns als Soroptimistinnen bleibt eine klare Botschaft: Abhängigkeit ist eine Erkrankung und keine Charakterschwäche. Wer ihre Hintergründe versteht, kann Betroffenen mit Respekt begegnen und Stigmatisierung entgegenwirken.
Du möchtest unsere Clubabende kennenlernen? Gästinnen sind bei uns willkommen.
Mehr zu unserem Club und Austausch mit Clubschwestern und Freundinnen in unserer LinkedIn-Gruppe: https://lnkd.in/dASrmqzc
🔗 Fachklinik Haus Germerode: https://www.hausgermerode.de