19/12/2024
19. DEZEMBER 1903 – JAHRHUNDERTFEIER DER HANNOVERSCHEN REGIMENTER
Am 19. Dezember 1903, kurz nach 12 Uhr mittags, traf Kaiser Wilhelm II. auf dem Waterlooplatz in Hannover ein. Hier waren – neben anderen Truppenteilen der Garnison – das Füsilier-Regiment General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) Nr. 73, das Königs-Ulanen-Regiment (1. Hannoversches) Nr. 13 und das Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst (1. Hannoversches) Nr. 10 mit vielen ihrer ehemaligen Regimentsangehörigen zur Parade angetreten. Der Kaiser ließ den Chef des Militärkabinetts den folgenden Erlass vorlesen:
„Die heutige Feier gilt einer Truppe, deren Namen das Herz jedes Angehörigen der Provinz Hannover höher schlagen läßt: der königlich deutschen Legion.
Bei Sulingen und Artlenburg war das Geschick des kurhannoverschen Heeres besiegelt worden: Die stolzen Regimenter, deren Fahnen in Candia und bei Neerwinden, bei Löchstädt [recte: Höchstädt] und Minden geweht, hatten aufgehört, zu bestehen. Aber nicht untergegangen war der Geist, der in ihnen gelebt hatte. Hunderte und aber Hunderte, Offiziere und Mannschaften, in deren Seele die angetane Schmach brannte, suchten unter den größten Gefahren, dem angedrohten Tode zum Trotz, Englands Gestade auf, nicht, um dort vor den Bedrückungen des Feindes eine Freistatt zu finden, sondern mit dem Entschlusse, ihrem Herrn [u]nd Könige sich für den Kampf gegen den fränkischen Eroberer zu weihen. Ihnen folgten aus allen Gauen Deutschlands Männer, welche die Hoffnung auf die Wiederaufrichtung ihres Vaterlandes nicht sinken lassen mochten.
So entstand die deutsche Legion, deren Ringen auf der Peninsula von Coruna und Talavera bis Salamanca und Vittoria einen großen, mit dem Blute vieler Tausende getränkten Ruhmeskranz bildet. Und mußten auch ihre Mannen, fern von der Heimat, auf fremdem Boden, unter fremden Fahnen sich opfern: auch dies Blut floß für Deutschlands Befreiung.
Und dann kam, nachdem die Legion in siebenjährigen Kämpfen ihren Siegeszug vom Tajo bis zur Garonne vollendet hatte, ihr letzter Waffengang: Waterloo. Was sie in dieser Entscheidungsschlacht geleistet, leuchtet mit Flammenschrift in die Jahrhunderte hinaus; La Haye-Sainte, das schönste Blatt in dem an diesem Tage um ihre Fahnen gewundenen Ehrenkranze, wird für alle Zeiten ein Vorbild sein aufopfernden Heldenmutes und unerschütterlichen Ausharrens bis zum Tode.
Diesen Geist der Hingebung und Treue pflanzten die Männer der Legion der neuen Königlichen Armee ein, deren Kern sie wurden. Ihn bewährten die Söhne an dem blutigen Tage, der – Gott gebe es – zum letzten Male Deutsche gegen Deutsche die Waffen in die Hand drückte und abermals den Untergang ihrer Regimenter herbeiführte; ihn bestätigten sie in dem ruhmvollen Kriege, der die endliche Einigung Deutschlands unter meinem erhabenen Herrn Großvater, des großen Kaisers Majestät besiegelte.
Der Ruhm der Väter ist der Söhne Ehre, der unerschöpfliche Jungbrunnen, aus dem sie fort und fort Kraft schöpfen, es diesen gleichzutun; der Hort der eigenen Ehre in sturmbewegter Zeit.
Freudigen Herzens und im vollen Vertrauen habe Ich deshalb Meinem Heere die großen Erinnerungen der Legion geschenkt, indem Ich sie in den Truppenteilen zu neuem Leben erweckt habe, in denen die früher hannoverschen Krieger, Schulter an Schulter mit ihren altpreußischen Kameraden kämpfend, an den Tagen von Colombey und im Jura den Ruhm der Ahnen erneut haben.
Möge es diesen Regimentern und Bataillonen, mit denen Ich heute den hundertjährigen Stiftungstag der Legion festlich begehe, nie an Männern fehlen, wie die waren, die freudig Blut und Leben für die Ehre und die Größe des Vaterlandes dahingegeben haben. Das walte Gott.“ (Hannoverscher Courier Nr. 24749, Sonnabend, 19. Dezember 1903, Abend-Ausgabe, S. 7)
19.12.2024 MAT
Abbildung: Ansichtskarte „Zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen des Königs-Ulanen-Reg. (1. Hannov.) No 13. Füsilier-Reg. Gen.-Feldmarsch. Prinz Albrecht v. Preussen (Hannov.) No 73. Feld-Art.-Reg. V. Scharnhorst (1. Hannov.) No 10.“ o.O. o.D., nicht gelaufen (Sammlung akHMG)