13/08/2026
Neulich im Strandkorb (wieder)gelesen …. der 100. Geburtstag der Autorin war Anlass genug, den Band „Das dreißigste Jahr“ mit in den Urlaub zu nehmen. Mit ihm war Ingeborg Bachmann 1961 nicht mehr nur als Dichterin, sondern auch als Erzählerin hervorgetreten. Die am wenigsten bekannte Erzählung „Ein Wildermuth“ erwies sich als die fesselndste: Die Geschichte eines Richters, dem die Liebe zur Wahrheit nicht nur in die Wiege gelegt, sondern so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass er diese Wahrheit körperlich fühlen und begehren kann und muss. Und den die Wahrheitsliebe dann in ein Drama von Eifersucht, Affären und Überdruss verstrickt. So schonungslos und wortgewaltig ist der Eros der Erkenntnis, seit Sokrates der Motor der Philosophie, wohl selten seziert worden. Auch nach 65 Jahren gibt Bachmanns kraftvoll klare Sprache unverbrauchte Anstöße. (ht)