Ziel dessen ist, Städte so auszurichten, dass sie immer mehr von dem produzieren, was sie selbst verbrauchen. Fab City Hamburg wird gefördert aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Problem
Mehrere globale Trends prägen die Gegenwart: der Klimawandel, eine nicht abreißende Ressourcen-Verschwendung, globale Lieferketten, eine weltumspannende Digitalisierung sowie eine massive Veränderung
der Arbeitswelt. Diese Trends verstärken sich gegenseitig, und die Corona-Pandemie hat sie seit 2020 noch einmal zugespitzt. Zugleich zieht es weltweit immer mehr Menschen in die Städte, weil hier die Aussichten, einen Job zu finden, besser sind als in ländlichen Regionen. Derzeit leben bereits 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, 2050 könnten es bereits 70 Prozent sein. Städte oder verstädterte Regionen wirtschaften bislang aber nicht nachhaltig: Ihr Anteil an Treibhausgas-Emissionen und Ressourcen-Verbrauch ist sehr hoch; und sie sind die Knotenpunkte eines globalisierten Konsums und weltweiter Datenströme, die ihrerseits immer mehr Energie verschlingen. Die Chance
Darin liegt allerdings eine Chance: Denn während die internationale Staatenwelt in der Umwelt- und Klimadiplomatie kaum Fortschritte erzielt hat, lassen sich in Städten die Weichen in eine nachhaltige Zukunft deutlich leichter stellen. Mehr noch, sie sind die Orte, an denen weltweit bereits Alternativen zur bisherigen Art der Globalisierung mit all ihren Problemen erprobt werden. Genau hier setzt das Konzept der Fab City an. Die Initiative
Vereinfacht gesagt, ist eine Fab City eine Stadt, die alles, was sie benötigt und verbraucht, zunehmend selbst herstellt. Fernziel der globalen Fab-City-Initiative ist, bis 2054 den Übergang zu einer datenbasierten Kreislauf-Wirtschaft auf dem Gebiet einer Stadt oder Region zu schaffen. Im Idealfall würden dann nur noch Datensätze importiert und exportiert – Energie, Rohstoffe, Materialien, Halbzeuge und Produkte hingegen würden im Stadtgebiet selbst zirkulieren, wiederverwertet, neu zusammengesetzt. Das wäre erstens ökologisch nachhaltig, weil die Stadt ihren Ressourcenverbrauch selbst steuern kann und dabei ihren ökologischen Fußabdruck im Griff hat. Es wäre zweitens wirtschaftlich nachhaltig, weil sie lokale Wertschöpfung fördert und nicht mehr von globalen Liefer- und Rohstoffketten abhängig ist, deren Anfälligkeit für Unterbrechungen aktuell die Corona-Pandemie gezeigt hat. In dieser Art der Globalisierung bekommen nicht Großkonzerne wie Amazon den Gewinn, sondern lokale Akteure. Und es wäre drittens sozial nachhaltig, weil die Stadtbewohner*innen nicht mehr zuerst Konsument*innen anderswo produzierter Dinge sind, sondern näher an der Wertschöpfung stehen – was wiederum den sozialen Zusammenhalt stärkt. Mehr noch, die Kreativität der gesamten Stadtgesellschaft kann sich in einem bisher nicht gekannten Maße entfalten. Die Methode
Dass die Fab City keine reine Utopie ist, liegt an mehreren Entwicklungen. Es ist immer mehr Offene Hardware und Software verfügbar – offen bedeutet, dass Konstruktion, Codes und Nutzung für alle frei zugänglich sind. Das senkt zunehmend die Anschaffungskosten für Produktionsmittel und immer mehr Menschen können sich technisches Knowhow aneignen. Die Digitalisierung und Vernetzung von Maschinen ermöglicht wiederum, Dinge nicht mehr an wenigen Orten in Massenproduktion, sondern verteilt und dezentral nach lokalen Bedürfnissen herzustellen. Die Datensätze für die Herstellung lassen sich austauschen und an die lokalen Bedürfnisse anpassen. Mit Maker Spaces, Fab Labs und Open Labs sind in den vergangenen Jahren erste Prototypen für lokale Produktionsorte entstanden, an denen viele Akteur*innen sich an der Herstellung der Dinge beteiligen können. Und diese offenen Produktionsorte können zum Modell einer neuen, dezentralen Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet werden. Darüber hinaus können bestehende wirtschaftliche Strukturen, insbesondere das Handwerk und KMU (kleine und mittlere Unternehmen), in synergetischer Beziehung zu dieser Produktionssystematik stehen. Fazit: Die städtische Wirtschaft kann als Fab City das heutige PITO-Modell, für „Products In – Trash Out“ (Produkte importieren, Müll exportieren) hinter sich lassen und zum DIDO-Modell, für „Data In – Data Out“ (Daten importieren, Daten exportieren) übergehen (mehr dazu unten). Die Hamburger Wirtschaft kann hiervon enorm profitieren. Das Netzwerk
In Hamburg ist in den 2010er Jahren ein Netzwerk aus Open Labs, Forschungseinrichtungen und kleinen Unternehmen entstanden, die bereits mit den oben genannten Entwicklungen Erfahrungen gesammelt haben. Sie bilden die Community der Fab City Hamburg, die das Konzept in den kommenden Jahren aktiv voranbringen und ausweiten will. Mit dem 2020 gegründeten Fab City Hamburg e.V. hat sich die Community institutionalisiert.