09/06/2026
CGB-Zweifel an amtlichen Statistiken
„Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“ An diesem dem ehemaligen britischen Premier
minister Sir Winston Churchill zugeschrieben Ausspruch fühlt man sich nach einer Meldung im Newsletter
„Berlin.Table“ der Table Media GmbH erinnert. Das Medium verweist darin auf stark auseinanderklaffende
Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und der Kultus-Minister-Konferenz (KMK).
Während Destatis in einer Bevölkerungsvorausberechnung bis 2035 einen Rückgang der Kinder im schul
pflichtigen Alter um rund 800.000 prognostiziert, geht die KMK in einer eigenen Vorausberechnung von einem
Zuwachs um etwa 260.000 Schülerinnen und Schüler aus.
Wer liegt richtig mit seiner Prognose? Dies ist keine belanglose Frage, sondern hat Konsequenzen für die
Schulplanung. Brauchen wir bis 2035 zusätzliche Schulgebäude oder müssen wir uns auf Schulschließungen
einstellen? Wird sich der vielerorts bestehende Lehrkräftemangel in den nächsten Jahren weiter verschärfen
oder ist Entspannung angesagt? Regierungs- und Oppositionsparteien werden die Fragen sicherlich unter
schiedlich beantworten und sich dabei auf die für sie passende Statistik stützen. So sieht die Stadtgemeinde
Bremen aktuell keinen Lehrkräftemangel. Sie hat verkündet, dass alle Planstellen besetzt sind. Die Konse
quenz: bereits im April wurden Referendarinnen und Referendaren im bremischen Schuldienst signalisiert, dass
nicht alle mit einer Anstellung als Lehrkraft rechnen können. Die rechnerische Besetzung aller Planstel-len gibt
allerdings die Realität nur unvollkommen wieder. Tatsächlich gibt es Schulen mit Lehrkräfteüberhang, während
beispielweise das Technische Bildungszentrum Mitte (TBZ) als eine der größten Bremer Berufs-schulen
aufgrund von Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung im kommenden Schuljahr voraussichtlich nicht den im
Lehrplan vorgesehen Unterricht vollumfänglich erteilen kann.
Für den CGB ist unverständlich, wie es angesichts der finanzpolitischen Bedeutung verlässlicher statistischer
Grundlagen für einen überschaubaren Prognosezeitraum von fünf bis sechs Jahren zu solch unterschiedli-chen
Prognoseergebnissen kommen kann wie zwischen Destatis und der KMK. Leider beschränken sich die CGB
Zweifel an der Verlässlichkeit amtlicher Prognosen nicht auf den Bildungsbereich. Auch die Notwendig-keit der
Reformen von Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung wird im wesentlichen mit demografischen
Vorausberechnungen begründet. Dies gilt insbesondere für die Rentenversicherung, bei der gerne mit dem
sogenannten Rentenquotient argumentiert wird, dem Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenempfän-gern.
Wenn das Institut der Wirtschaft (IW) prognostiziert, dass bereits im Jahr 2030 auf einen Rentenbezie-her nur
noch 1,5 Beitragszahler kommen, sind Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der gesetzlichen Rentenver-sicherung
verständlich. Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern ist jedoch nicht nur von der
demografischen, sondern auch von der Entwicklung der Erwerbstätigkeit abhängig und damit politisch beein
flussbar. Im letztjährigen OECD-Beschäftigungsausblick für Deutschland wird darauf verwiesen, dass durch
eine Steigerung des Produktivitätswachstums und die Mobilisierung ungenutzten Arbeitskräftepotenzials –
z.B. durch eine Verringerung der Geschlechterdifferenzen in der Beschäftigung und vor allem durch die
Aktivierung älterer Arbeitskräfte in guter Gesundheit sowie eine Erhöhung der regulären Migration - die
Bremswirkung, die der demografische Wandel auf das Wachstum ausübt, teilweise – oder sogar vollständig –
kompensiert werden könnte. Der CGB sieht dies ähnlich und hofft, dass die von der Bundesregierung einge
setzte Reformkommission ihre Arbeitsergebnisse und Empfehlungen nicht ausschließlich auf demografische
Prognosen stützt.
Dass politische Rahmenbedingungen immer wieder den sich verändernden gesellschaftlichen und wirtschaft
lichen Verhältnissen angepasst werden müssen, ist unstrittig. Die Entscheidungsgrundlagen müssen aber
verlässlich und nachvollziehbar sein.
Christlicher Gewerkschaftsbund Deutschlands (CGB)
Regionalsekretariat Nordwest
Mittelwendung 24, 28844 Weyhe
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Landesvertretung Bremen
Wachmannstr.74, 28209 Bremen
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Cgb Christlicher Gewerkschaftsbund Deutschlands