18/06/2026
Ein toter Mann in der Oker. Und plötzlich streiten zwei Staaten.
Es ist ein Sonntag im Juni 1738, als Dorfbewohner aus Lengde einen leblosen Körper aus dem Fluss ziehen. Der zuständige Amtmann lässt den Mann beerdigen. Fall erledigt, sollte man meinen.
Doch schon am nächsten Tag landet ein empörter Brief auf dem Schreibtisch des Nachbarn: Die Leiche, so die Beschwerde aus dem Fürstentum Halberstadt, sei auf der falschen Seite der Oker gefunden worden. Und damit: im falschen Staat.
Was folgt, ist ein monatelanger Schriftverkehr zwischen Amtmännern, Regierungsräten und Domkapitularen – von Wiedelah über Halberstadt bis Hildesheim. Beide Seiten beharren auf ihrer Version, beide ziehen alte Grenzkarten hervor. Und beide streiten um die Verfügungshoheit über einen toten Körper, der zu diesem Zeitpunkt schon begraben ist.
Der Mann in der Oker hieß Heinrich Christoph Reineke, war 35 Jahre alt, Seiler aus Hornburg. Er wollte den Fluss überqueren, fühlte sich "incommodiret" und ist ertrunken.
Die Oker als Grenzfluss: eine Geschichte, die sich bis heute fortsetzt.
Die ganze Geschichte dieser historischen Grenzgeschichte könnt ihr in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift KONNEX lesen. Link im ersten Kommentar.
Foto: Marcel Giffey