Zeit-Geschichten e.V. - Verein für erlebte Geschichte

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Zeit-Geschichten e.V. - Verein für erlebte Geschichte Der Verein Zeit-Geschichte(n) wurde 1995 in Halle gegründet.

Er betreibt eine öffentliche Bibliothek und ein Archiv, gibt Bücher heraus, produziert Dokumentarfilme, konzipiert Ausstellungen und führt öffentliche Diskussionsveranstaltungen durch.

Einladung zur Gedenkveranstaltung der Stadt Halle an die Pogromnacht vom 9.11.1938In diesem Jahr am Ort des 1937 zwangsw...
03/11/2026

Einladung zur Gedenkveranstaltung der Stadt Halle an die Pogromnacht vom 9.11.1938
In diesem Jahr am Ort des 1937 zwangsweise aufgelösten jüdischen Friedhofs am Martinsberg, Adresse: Wilhelm-Külz-Straße 22-23, 06108 Halle (Saale)
18 Uhr
Im Anschluss wird es einen gemeinsamen Gang zum Jerusalemer Platz geben, um dort am Mahnmal für die zerstörte Synagoge Kerzen anzuzünden und Blumen niederzulegen.

Zur Geschichte dieses Friedhofs:
Im Jahr 1692 hat die Jüdische Gemeinde für 65 Taler einen Garten vor dem Galgtor auf dem Töpferplan zur Anlage eines jüdischen Friedhofs erworben. 1716 wurde noch ein Nachbargrundstück hinzugekauft. Auf dem Friedhof wurden Gemeindemitglieder, aber auchauswärtige Juden beigesetzt, die während der Leipziger Messe verstarben.
Die von einer hohen Mauer umgebene Begräbnisstätte wurde bis 1869 genutzt. (Danach wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Humboldtstraße bestattet.) Auf dem Gelände befand sich ein kleines Gebäude, das Kantorhaus, in dem Beamte der jüdischen Gemeinde ihre Dienstwohnung innehatten. Im Jahr 1927 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
Auf Drängen der damaligen Stadtverwaltung sah sich die jüdische Gemeinde 1936 gezwungen, einen Teil des Friedhofsgeländes (800 m²) an das Deutsche Reich zu verkaufen, das dort ein Verwaltungsgebäude für das Reichswasserstraßenamt errichten wollte. Die Gemeinde erhielt die Erlaubnis, ihre Bestatteten auf den neuen jüdischen Friedhof in der Boelckestraße, heute Dessauer Straße, zu überführen. Rabbiner Dr. Kahlberg tauschte sich in dieser Frage schriftlich mit anderen Rabbinern aus und man kam zu dem Ergebnis, dass eine Umbettung unter dieser besonderen Umständen, der drohenden Zwangsräumung, erlaubt ist. Somit wurden die sterblichen Überreste von Gemeindegliedern sorgfältig geborgen und auf dem neuen jüdischen Friedhof beigesetzt. Mit Handwagen brachten Mitglieder der jüdischen Gemeinde über einen Zeitraum vom 15. März bis 14. April 1937 die rund 250 über hundert Jahre alten und schweren Grabsteine in die Boelckestraße, nach anderen Berichten war hieran auch eine Steinmetzfirma beteiligt.
Im Mai 1937 fand eine Feier anlässlich der Umbettung der sterblichen Überreste statt.
Die Steine wurden im Karree in kleiner werdenden Vierecken aufgestellt und nach innen immer tiefer eingegraben, sodass sie in der Erde und in der Ewigkeit zu versinken scheinen. Sie sind auf den in der Mitte befindlichen Stein ausgerichtet, unter dem sich alle Gebeine befinden. Dieser Stein zeigt nach Osten.

Nachdem der größte Teil des Friedhofsgeländes am Martinsberg verkauft worden war, erwarb ein Privatmann 1937 einen weiteren Abschnitt des ehem. Friedhofs. Der Rest wurde an die Stadt Halle verkauft, sodass der jüdischen Gemeinde gegen Ende des Jahres 1937 vom ehemaligen Friedhofsgrundstück nichts mehr gehörte.
Das erste Foto zeigt die geborgenen Grabsteine im Jahr 1939, das zweite im heutigen Zustand.

Gestern Abend feierte die MDR-Doku "Der große Stasi-Leak - Helden oder Verräter" von Melissa Müller, Ulrike Schwerdtner ...
31/10/2026

Gestern Abend feierte die MDR-Doku "Der große Stasi-Leak - Helden oder Verräter" von Melissa Müller, Ulrike Schwerdtner und Bettina Wobst) Premiere in Halle.
Zeitgleich wurde er auch in der Mediathek veröffentlicht: https://www.mdr.de/tv/programm/sendung-5137024.html
Melissa Müller, die im kommenden Jahr ein ausführliches Buch dazu vorlegen wird, hat hierzu viele Male die über die Jahre zusammengetragenen Unterlagen in unserem Archiv gesichtet, auch mit der Vermittlung von Zeitzeugen konnten wir behilflich sein. Der Film ist unbedingt sehenswert und wir freuen uns nun auf das Buch! Das Besondere ist, dass nun erstmals die Personen sprechen, die damals die Liste erstellt haben.

Bereits im Jahr 2004 hat Steffen Reichert für unseren Verein eine Broschüre namens "DARF MAN DAS? Die Veröffentlichung von Stasi-Listen in Halle an der Saale im Sommer 1992 und die Folgen. Dokumentation einer Auseinandersetzung" verfasst. Es gibt noch ein paar Exemplare der Broschüre, man kann sie auch downloaden: https://www.zeit-geschichten.de/publikationen/darf-man-das-die-veroeffentlichung-von-stasi-listen-in-halle-an-der-saale-im-sommer-1992-und-die-folgen/

Weitere Bücher von Melissa Müller als Autorin und Co-Autorin:
Mit Dir steht die Welt nicht still. Eine Liebe nach dem Holocaust / Traudl Junge. Bis zur letzten Stunde. Hitlers Sekretärin erzählt ihr Leben. / Das Mädchen Anne Frank / Alice Herz-Sommer "Ein Garten Eden inmitten der Hölle" über eine Pianistin in Theresienstadt / Picassos Friseur / Der Gute Onkel. Mein verdammtes deutsches Erbe (mit der Großnichte Hermann Görings) und weitere...

In MemoriamRita Teichert geb. Schieß* 10.10.1930 in Nilbau (Schlesien)+ 14.8.2026 Halle (Saale)Als im Jahr 2022 unsere B...
14/10/2026

In Memoriam

Rita Teichert geb. Schieß

* 10.10.1930 in Nilbau (Schlesien)
+ 14.8.2026 Halle (Saale)

Als im Jahr 2022 unsere Broschüre "Hier wohnte …" zu den halleschen Stolpersteinen erschien, meldete sich als erste telefonisch Rita Teichert aus der Frohen Zukunft, um zwei Exemplare zu bestellen. Eines für sich und eines für ihren Sohn Christian, der in Leoben/Österreich ebenfalls Stolpersteine organisiert, wie sie erzählte.
Nun ist sie mit 95 Jahren in Halle verstorben. Schon vor Jahren hatte sie festgelegt, dass bei ihrer Beerdigung anstelle von Blumen u.a. auch für weitere Stolpersteine gesammelt werden sollte. 953 Euro sind dabei nun zusammen gekommen, eine Summe, mit der wir nie gerechnet hätten. Wir danken allen Spendern!

Rita Teichert hat die Stolpersteinverlegungen immer mit Interesse verfolgt, sie hat selbst auch mehrere Patenschaften übernommen, auch weil es einen persönlichen Bezug gab:
Ihr jüdischer Großvater konnte in den 30er Jahren nach Palästina fliehen, doch ihr Vater, Dr. Paul Schieß, geboren 1892 in Berlin, galt den Nationalsozialisten als „Halbjude“. Er war Landarzt in Schlesien gewesen und hat gegen Ende des Krieges den Flüchtlingstreck nach Thüringen begleitet. Hier wollte er im April 1945 eine verlassene Arztpraxis übernehmen, was daran scheiterte, dass gemeldet wurde, dass er Halbjude sei. Er folgte dann der Aufforderung, sich an der Front im Sudetenland zu melden. Rita Teichert hat ihren Vater nie wieder gesehen, er gilt seither als vermisst.

Wir danken ihr für die langjährige Unterstützung!

Zu Gast war in der vergangenen Woche Prof. Dr. .stecker zum Thema: Am Scheideweg der Brandmauer - wie weiter mit Sachsen...
05/10/2026

Zu Gast war in der vergangenen Woche Prof. Dr. .stecker zum Thema: Am Scheideweg der Brandmauer - wie weiter mit Sachsen-Anhalt und der Bundesrepublik. Er hat unlängst ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Ohne Koalitionskorsett und Brandmauern. Wie flexible Mehrheiten die Demokratie stärken“ und wurde dazu in letzter Zeit in zahlreiche Talkshows eingeladen. Prof. Stecker lehrt an der TU Darmstadt, kommt aber aus Halle und lebt auch hier, so entstand die Idee, ihn einmal einzuladen, um direkt mit ihm diskutieren zu können.

Es war ein interessanter und intensiver Abend, bei dem jeder einzelne etwas schlauer nach Hause gegangen ist.

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hat dieses Jahr das Thema „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der ...
26/09/2026

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten hat dieses Jahr das Thema „Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“.
Finden sich hier hallesche Schüler, die Lust hätten, sich dem Thema über das Kochbuch von Gertrud Cohn zu widmen? Sie konnte 1939, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, nach England fliehen, wohin schon ihre Kinder über einen Kindertransport gelangt waren. In ihrem Kochbuch hatte sie viele Rezepte von anderen Frauen der jüdischen Gemeinde Halle notiert. Einige dieser Frauen haben den Holocaust nicht überlebt und wir haben keinerlei Hinterlassenschaften von ihnen, nicht mal ein Foto - nur ein Rezept.
Die Enkelinnen von Gertrud Cohn waren 2024 in Halle und haben uns das Kochbuch überlassen.
Wir würden uns sehr über Interessenten am Thema für den Geschichtswettbewerb freuen und haben viele Ideen, wie man das bearbeiten könnte (wir helfen...).

Alles zum Wettbewerb hier:
https://koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb/

Die Bilder zeigen die Haftanstalt am Hansering in Halle. Heidi Bohley hat sie im Jahr 2006 angefertigt.Das Landesamt für...
14/09/2026

Die Bilder zeigen die Haftanstalt am Hansering in Halle. Heidi Bohley hat sie im Jahr 2006 angefertigt.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie sucht derzeit nach Fotos der Haftanstalt aus früheren Jahren. Seit 1910 diente das Gebäude als Gefängnis. Während des Volksaufstands am 17. Juni 1953 wurden hier alle damaligen Insassen (alles Frauen) von den Aufständischen befreit. Seit der Wiedervereinigung steht das Gebäude leer und war nur einige Male zu besonderen Anlässen zu besichtigen. Wer mit Bildern helfen kann, wende sich bitte an Herrn Vesting: [email protected]



Neuere Bilder stammen vom Fotografen Marcus Andreas Mohr, der sich für sein neues Buch „ . Eine Ortsbegehung.“ mit dem Ort auseinander gesetzt hat. Das Buch wird am Montag, 14.9. 19 Uhr im Literaturhaus vorgestellt.

27/08/2026

Hier ist das Ergebnis der Schulprojekttage der Sekundarschule Halle-Süd in Ammendorf zu sehen. Vor den Sommerferien haben wir uns mit einer 8. Klasse über mehrere Tage zu Stolpersteinen in Halle auseinandergesetzt.

Während einer Exkursion zu Stolpersteinen starteten wir eine „Putzmittel-Challenge“, die die Schüler dann vollkommen selbstständig in dieses Video verwandelt haben. Uns hat schon lange mal interessiert, welche Putzmittel am besten funktionieren!

Getestet wurden: Spülmittel, The Pink Stuff (Paste und Spray), Lackpflege und selbst hergestellte Mittel mit Natron und Essig sowie Essig und Salz.

Ergebnis:

Das Putzmittel aus Wasser, Essig und Salz schnitt am besten ab - umweltschonend, hohe Reinigungsleistung ohne großen Kraftaufwand und ohne Putzmittelrückstände zu hinterlassen.

Mischverhältnis (500 ml Essigessenz, 500 ml Wasser, 2 TL Salz)

In Erinnerung an Roberto Ender (31.12.1956 - 27.7.2026)Das Foto zeigt ihn 1988 beim Druck des im Samisdat herausgegebene...
22/08/2026

In Erinnerung an Roberto Ender (31.12.1956 - 27.7.2026)

Das Foto zeigt ihn 1988 beim Druck des im Samisdat herausgegebenen "Blattwerk" der Ökologischen Arbeitsgruppe Halle im Jahr 1988.
Im Herbst 1989 hat er mit seinem Freund Matthias Waschitschka gegrübelt, wie man die Flamme des Widerstands auch in Halle entzünden kann. Wie wäre es zu schaffen, dass Hallenser nicht nach Leipzig zur Demonstration fahren, sondern die Leipziger von hier aus unterstützen. Dann hatten sie eine gute Idee: Sie setzten sich in das damals in der Kulturszene beliebte Cafe Sasse in der Geiststraße (heute Format Filmkunst) und erzählten sich laut, dass sie gehört hätten, dass am Montag, 9. Oktober 1989 um 17 Uhr auch in Halle auf dem Markt etwas sein soll, ein Schweigen für Leipzig. Der Plan ging sofort auf und das Gerücht verbreitete sich rasant.
Roberto Ender war damals Hausmeister der Paulusgemeinde, in seiner Küche wurde ein Transparent gemalt:

Schweigen für Leipzig, Schweigen für Reformen, Schweigen für`s Hierbleiben. Roberto steckte sich die Holzstangen mit eingerolltem Plakat in die Latzhose, um es ungehindert zur Marktkirche transportieren zu können, was gelang.

Matthias Waschitschka wurde am Nachmittag verhaftet und konnte im Gegensatz zu Roberto Ender den Erfolg der Aktion nicht selbst erleben.

Hunderte kamen zur Marktkirche. Die Staatsmacht griff ein und räumte den Platz brutal, zahlreiche Menschen wurden verhaftet. Am Tag danach entstand die Mahnwache für die Inhaftierten an der Georgenkirche und die Revolution nahm auch in Halle ihren Lauf.

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Zuletzt war Roberto Ender als Krankenpfleger im Klinikum Kröllwitz tätig.

Danke - Roberto Ender!

Die Traueranzeige erschien am 22.8. in der MZ

Emil Lange, Max Jovishoff, Otto Avemarg und Franz Peters. Um diese vier Sozialdemokraten, denen Stolpersteine in Halle g...
12/08/2026

Emil Lange, Max Jovishoff, Otto Avemarg und Franz Peters. Um diese vier Sozialdemokraten, denen Stolpersteine in Halle gewidmet sind, geht es am Donnerstag, 13. August um 18 Uhr.

Dann sind alle Interessierten herzlich eingeladen in die Räume der SPD in der Großen Märkerstraße 6 zu einem Vortrag + Gespräch über Stolpersteine für verfolgte Sozialdemokraten in Halle. Anne Kupke-Neidhardt zeigt Quellen aus dem Leben der vier Männer und ihrer Familien und gibt Einblicke in die Recherchen.

Studenten der  Kunsthochschule Burg Giebichenstein laden ein zum "Spaziergang des solidarischen Erinnerns":Lauft mit uns...
16/07/2026

Studenten der Kunsthochschule Burg Giebichenstein laden ein zum "Spaziergang des solidarischen Erinnerns":

Lauft mit uns zur Kleinen Klausstraße 16
Treffpunkt: Sonntag, 19.7.2026 um 13:50 Uhr auf dem Campus Design der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, Neuwerk 7, auf dem Parkplatz vorm Hafengebäude
Mit Input von Katharina Eger (Uni Halle) und einer kurzen Lesung der Künstlerin Liane Pförtner.

Der Spaziergang ist ein Ergebnis des Kurses "Erinnern ermächtigend gestalten: Die Kleine Klausstraße 16". Er ging der Frage nach, welches Potential Erinnerungsorte als Ort des Empowerments und Zusammenkommens bieten. Wie kann Design dazu beitragen, einen Ort ins kollektive Gedächtnis einer Stadt einzuschreiben und Räume des Austauschs und der Ermächtigung zu gestalten? Wie kann ein betroffenenzentriertes Gedenken aussehen?
Mitten in Halles Innenstadt befand sich in der DDR eine sogenannte Venerologische Station, in die Frauen und Mädchen ohne medizinische Notwendigkeit zwangseingewiesen wurden und gynäkologische Gewalt erfahren haben. Die ehemalige Venerologische Station liegt zwar mitten in der Innenstadt, aber dennoch ist die Geschichte dieses Ortes noch immer bei Vielen unbekannt, obwohl es in den letzten Jahren in Forschung und Presse mehr Aufmerksamkeit dafür gab. Viele der Frauen und Mädchen, die in solche Stationen in der DDR zwangseingewiesen wurden, schweigen bis heute. Die Scham, welche in den Stationen als strategisches Werkzeug gegen Frauen zur Kontrolle benutzt wurde und viele Betroffenen bis heute begleitet, sorgt dafür, dass die Gewalt unsichtbar bleibt.
Im Kurs wurden kreative Ansätze und kleine Interventionen der Sichtbarkeit und Solidarität ausgearbeitet, die vor Ort erprobt werden.

Adresse

Große Ulrichstraße 51
Halle
06108

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