17/06/2026
Margot Hirsch wurde 1933 in Breslau geboren. Im Juni 1953 arbeitete sie als Verkäuferin in der Stoffabteilung des HO-Warenhauses am Markt. Erst kurz zuvor, im April 1953 hatte sie den Obstplantagenbesitzer Wilfried Hirsch aus Reideburg geheiratet. Ihre Kolleginnen beschrieben sie als ausgesprochen lebenslustig und beliebt. Am 18. Juni, einem Tag nach Beginn des Aufstands in Halle, wurde auf dem Markt noch geschossen und der Abteilungsleiter verbot den Verkäuferinnen, das Warenhaus zu verlassen. Eine damalige Kollegin und Freundin berichtete, dass Margot Hirsch darum gebeten habe, das Haus verlassen zu dürfen, weil ihr Mann sie abholen wolle. Ausdrücklich auf eigene Verantwortung sei es ihr gestattet worden. Kurz darauf wurde sie an der Haltestelle der Straßenbahn von einer Kugel getroffen, die Brust und Herz durchbohrte, ihr Mann wurde durch einen Querschläger an der Hand verletzt.
Am 18. Juni zogen seit dem frühen Morgen mit Gewehren bewaffnete Polizeigruppen durch die Innenstadt, um größere Menschenansammlungen zu verhindern. Nach 16 Uhr kamen streikende Arbeiter aus den Betrieben auf den Markt, wo sie von Passanten mit Fragen nach der Lage der Dinge bedrängt wurden. Immer mehr Zuhörer versammelten sich um die Arbeiter, die wachsenden Gruppen diskutierender Hallenser ignorierten die Aufforderungen der Polizei, auseinander zu gehen.
Als gegen 18 Uhr an die tausend Menschen auf dem Markt versammelt waren, wurde die Polizeiführung nervös, nun wurden bewaffnete Einheiten der Kasernierten Volkspolizei und sowjetische Soldaten zum Markt beordert, die gegen 18.30 Uhr begannen, den Platz gewaltsam zu räumen. Als geschossen wurde, flohen die Versammelten nach allen Richtungen. Margot Hirsch wurde in ein nahes Schuhgeschäft gebracht, starb aber auf dem Weg zur Klinik.
Trotz des unübersehbaren Polizeiaufgebotes vor dem Friedhof wagten sich am 24.6. viele Menschen zur Beerdigung, auch Kolleginnen aus dem HO-Warenhaus und dem Schuhgeschäft, in das sie schwer verletzt gebracht wurde. Auch die FDJ hatte einen Redner geschickt, aus seiner Rede ist nur der eine Satz überliefert: "Margot, wir versprechen dir, dass dir das nicht wieder passieren wird".