03/11/2026
Einladung zur Gedenkveranstaltung der Stadt Halle an die Pogromnacht vom 9.11.1938
In diesem Jahr am Ort des 1937 zwangsweise aufgelösten jüdischen Friedhofs am Martinsberg, Adresse: Wilhelm-Külz-Straße 22-23, 06108 Halle (Saale)
18 Uhr
Im Anschluss wird es einen gemeinsamen Gang zum Jerusalemer Platz geben, um dort am Mahnmal für die zerstörte Synagoge Kerzen anzuzünden und Blumen niederzulegen.
Zur Geschichte dieses Friedhofs:
Im Jahr 1692 hat die Jüdische Gemeinde für 65 Taler einen Garten vor dem Galgtor auf dem Töpferplan zur Anlage eines jüdischen Friedhofs erworben. 1716 wurde noch ein Nachbargrundstück hinzugekauft. Auf dem Friedhof wurden Gemeindemitglieder, aber auchauswärtige Juden beigesetzt, die während der Leipziger Messe verstarben.
Die von einer hohen Mauer umgebene Begräbnisstätte wurde bis 1869 genutzt. (Danach wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Humboldtstraße bestattet.) Auf dem Gelände befand sich ein kleines Gebäude, das Kantorhaus, in dem Beamte der jüdischen Gemeinde ihre Dienstwohnung innehatten. Im Jahr 1927 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
Auf Drängen der damaligen Stadtverwaltung sah sich die jüdische Gemeinde 1936 gezwungen, einen Teil des Friedhofsgeländes (800 m²) an das Deutsche Reich zu verkaufen, das dort ein Verwaltungsgebäude für das Reichswasserstraßenamt errichten wollte. Die Gemeinde erhielt die Erlaubnis, ihre Bestatteten auf den neuen jüdischen Friedhof in der Boelckestraße, heute Dessauer Straße, zu überführen. Rabbiner Dr. Kahlberg tauschte sich in dieser Frage schriftlich mit anderen Rabbinern aus und man kam zu dem Ergebnis, dass eine Umbettung unter dieser besonderen Umständen, der drohenden Zwangsräumung, erlaubt ist. Somit wurden die sterblichen Überreste von Gemeindegliedern sorgfältig geborgen und auf dem neuen jüdischen Friedhof beigesetzt. Mit Handwagen brachten Mitglieder der jüdischen Gemeinde über einen Zeitraum vom 15. März bis 14. April 1937 die rund 250 über hundert Jahre alten und schweren Grabsteine in die Boelckestraße, nach anderen Berichten war hieran auch eine Steinmetzfirma beteiligt.
Im Mai 1937 fand eine Feier anlässlich der Umbettung der sterblichen Überreste statt.
Die Steine wurden im Karree in kleiner werdenden Vierecken aufgestellt und nach innen immer tiefer eingegraben, sodass sie in der Erde und in der Ewigkeit zu versinken scheinen. Sie sind auf den in der Mitte befindlichen Stein ausgerichtet, unter dem sich alle Gebeine befinden. Dieser Stein zeigt nach Osten.
Nachdem der größte Teil des Friedhofsgeländes am Martinsberg verkauft worden war, erwarb ein Privatmann 1937 einen weiteren Abschnitt des ehem. Friedhofs. Der Rest wurde an die Stadt Halle verkauft, sodass der jüdischen Gemeinde gegen Ende des Jahres 1937 vom ehemaligen Friedhofsgrundstück nichts mehr gehörte.
Das erste Foto zeigt die geborgenen Grabsteine im Jahr 1939, das zweite im heutigen Zustand.