09/06/2026
Im Rahmen der Ausbildung der Amphibien-Ranger fanden mehrere Theorie- und Praxistage rund um die Biologie und Ökologie der Amphibien sowie deren Schutz in Hagen und Umgebung statt. Zu Beginn lernten sich die Teilnehmenden in einer kurzen Vorstellungsrunde kennen, bevor in verschiedenen Vorträgen Grundlagen zu Amphibien in Hagen und Nordrhein-Westfalen sowie zur Biologie und Systematik heimischer Amphibien vermittelt wurden. Anschließend ging es direkt ins Gelände: Bei der ersten Exkursion wurden Laichballen von Grasfröschen gezählt und ein fest installiertes Amphibienleitsystem besichtigt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung lag auf dem praktischen Amphibienschutz. Ralf Blauscheck, der ehemalige Leiter der Biologischen Station Hagen, stellte verschiedene Schutzmaßnahmen und Praxisbeispiele vor. Ergänzend informierte Kai Gockel, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Hagen, über die rechtlichen Grundlagen des Amphibienschutzes. Im Außeneinsatz konnten die Teilnehmenden anschließend praktische Naturschutzmaßnahmen direkt vor Ort kennenlernen. Besichtigt wurden künstlich angelegte Gewässer, wobei erläutert wurde, welche Standorte geeignet sind, worauf beim Anlegen geachtet werden muss und wie solche Projekte umgesetzt werden.
Besonders praxisnah waren die Exkursionen zu mehreren Gewässern in Berchum, bei denen verschiedene Reusenfallen getestet wurden. Dabei lernten die Teilnehmenden nicht nur die unterschiedlichen Reusentypen mit ihren Vorteilen und Einsatzmöglichkeiten kennen, sondern konnten beim Ausleeren der Fallen auch ihr Artenwissen erweitern und festigen. Nachgewiesen wurden drei Molcharten: der Fadenmolch (Lissotriton helveticus), der Teichmolch (Lissotriton vulgaris) und der Bergmolch (Mesotriton alpestris). Neben der Handhabung der Reusen standen insbesondere die Erkennungs- und Unterscheidungsmerkmale der Arten im Fokus. Zusätzlich wurden ein junger Grasfrosch sowie mehrere Erdkrötenpaare beim Ablaichen beobachtet. Bei bestem Wetter boten diese Exkursionstage zahlreiche eindrucksvolle Naturbeobachtungen.
Eine weitere Nachtexkursion hatte das Ziel, Geburtshelferkröten zu hören und im besten Fall auch zu beobachten. Aufgrund des trockenen und kalten Wetters blieb diese Exkursion zunächst ohne größeren Erfolg, lediglich eine Erdkröte wurde entdeckt.
Umso erfolgreicher verlief die darauf folgende Nachtexkursion zu Kreuzkröten und Wasserfröschen. Bereits zu Beginn konnten Laichschnüre und Kaulquappen der Kreuzkröte begutachtet werden. Mit Einbruch der Dunkelheit wurden schließlich auch adulte Tiere entdeckt, deren Rufe weithin zu hören waren. Zusätzlich konnten Wasserfrösche gefangen und näher begutachtet werden. Ein besonderes Erlebnis war zudem die Beobachtung eines männlichen Teichmolchs während seines Balzrituals. Ein weiteres Highlight stellte schließlich der Ruf der Geburtshelferkröte dar, mit dem nicht gerechnet worden war. Umso erfreulicher war die erneute Entdeckung einer Population in Hagen.
Den Abschluss der Ausbildung bildete die Prüfung, die alle Teilnehmenden erfolgreich bestanden haben. Damit konnten die angehenden Amphibien-Ranger ihre Urkunden entgegennehmen und sind nun offiziell als Amphibien-Ranger für den Amphibienschutz in Hagen aktiv. Im Anschluss wurden die Einsatzgebiete verteilt, sodass nun die notwendigen Genehmigungen durch die Untere Naturschutzbehörde erstellt werden können.
Mit dem erfolgreichen Abschluss des ersten Amphibien-Ranger-Kurses dieser Art in Hagen ist ein wichtiger Schritt für den lokalen Amphibienschutz gelungen. Die Ranger werden künftig ausgewählte Kleingewässer betreuen, deren Zustand dokumentieren und kleinere Pflegemaßnahmen eigenständig oder gemeinsam in der Gruppe durchführen. Darüber hinaus erfassen sie Amphibienvorkommen, zählen Laich und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Datengrundlage und Artenschutz. Nicht zuletzt tragen sie ihr Wissen und ihre Begeisterung für Amphibien weiter und helfen dabei, das Bewusstsein für diese faszinierenden Tiere in der Öffentlichkeit zu stärken.
Die Arbeit mit dieser motivierten Gruppe hat sehr viel Freude bereitet und macht Hoffnung für die Zukunft des Amphibienschutzes in Hagen.
Ein besonderer Dank gilt Martin Schlüpmann für seine Vorträge, seine fachliche Expertise und die Unterstützung bei der Durchführung des Kurses. Ebenso bedanken wir uns bei der Unteren Naturschutzbehörde Hagen für die gute Zusammenarbeit, bei Michael Thissen für seine Unterstützung in der Aufbauphase des Projekts sowie beim LWL-Freilichtmuseum Hagen für die gute Kooperation und den Zugang zum Museumsgelände und den dortigen Gewässern.
Wir freuen uns auf viele gemeinsame Amphibien-Projekte, wertvolle Erkenntnisse und darauf, die neuen Amphibien-Ranger bei ihren zukünftigen Aufgaben zu begleiten.