09/02/2026
Nachbar Fasan hat mich heute beim Koppelabsammeln wohl für ein Pferd gehalten. Er hat in aller Seelenruhe weiter nach Essbarem gesucht, ganz in meiner Nähe. Bisher sind wir uns nur begegnet, wenn er über die Straße geeilt ist.
Es beschämt mich jedesmal, wenn ein Wildtier mir so viel Vertrauen schenkt. Allein hier in Niedersachsen wurden in der letzten Jagdsaison vom 1. Oktober bis 15. Januar etwa 19.000 Fasane getötet.
Fasane wurden bereits vor 2000 Jahren von den Römern in Mitteleuropa eingeführt. Sie stammen aus Asien und sind bei uns in Freiheit nicht auf Dauer überlebensfähig. Wenn man sich mit ihnen beschäftigt, stößt man auf eine lange Geschichte von Leid und Gewalt.
Sie galten als Delikatesse und wurden in Fasanerien gehalten. Man setzte sie aus, um sie anschließend zu jagen. Die letzen Massenaussetzungen erfolgten in den 50er bis 70er Jahren. Danach kam es zu massiven Einbrüchen in die Populationen.
Fasane sterben oft schon als Küken, da das Wetter zu feucht ist und es nicht genug Insekten gibt. Die Überlebenden werden mangels Deckung von Raubtieren gefangen oder sie sterben an Krankheiten. Sie finden auch als Erwachsene nicht genug Nahrung, obwohl sie sich überwiegend von Pflanzen ernähren. Nach wenigen Generationen gibt es keine Überlebenden mehr.
Fasane gibt es in der Natur nur, weil sie gefüttert und vor allem immer wieder von Neuem gezüchtet und ausgesetzt werden. Dieses nur zu dem Zweck, um sie anschließend zu töten.
Flugwild darf nur im Flug erschossen werden, deshalb werden die Fasane aufgescheucht. Ihrem Wesen entsprechend schützen sie sich vor Gefahr durch Ducken. Treiber mit Hunden laufen in einer Reihe, so dass die Fasane im letzten Moment in Todesangst auffliegen und von den Jägern mit Schrot beschossen werden. Wie die Verletzungen aussehen, mag sich jeder selbst vorstellen. 19.000 mal.
Wenn ich an den netten Nachbar Fasan denke, kann ich mich nur schämen für 2000 Jahre Leid. Er ist so klein und zierlich und wunderschön. Ich verstehe nicht, wieso heutzutage Menschen dabei Spaß empfinden, ihm und den anderen Fasanen Angst zu machen und ihnen tödliche Verletzungen zuzufügen.