31/05/2026
Diesmal war ich nicht Notfallseelsorgerin. Diesmal war ich Mama. 🫂
Es war früh am Morgen, als mein Telefon klingelte. Am anderen Ende: meine Tochter, die in einer Klinik arbeitet. Sie weinte und war hörbar mitgenommen. In ihrer Schicht war ein neugeborenes Baby bei der Geburt gestorben. Ihr erstes totes Baby im Dienst.
Als Notfallseelsorgerin bin ich genau für solche Momente ausgebildet. Ich weiß, wie man Schockreaktionen auffängt, wie man Trauernden Halt gibt und welche Worte man wählt.
Doch in diesem Moment merkte ich: Ich konnte meinen Job nicht machen. Weil ich in diesem Moment keine Seelsorgerin war. Ich war einfach nur eine Mutter, der es das Herz zerriss, ihr eigenes Kind so leiden zu sehen.
Ich tat alles, um sie zu trösten. Aber ich merkte auch, wie eine tiefe Trauer in mir aufstieg. Trauer um dieses kleine Baby, das keine Chance hatte, und um die Eltern, die ich überhaupt nicht kannte. Es beschäftigte mich tatsächlich mehrere Tage.
An diesem Morgen wurde mir klar: Ich konnte hier nicht als Notfallseelsorgerin helfen. In dieser Situation war ich einfach nur als Mama hilfreich. Und das war auch genau richtig so.
Ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Und ich will ehrlich mit euch sein: Vor meiner Ausbildung zur Notfallseelsorgerin habe ich genau deswegen lange Zeit intensiv mit mir gehadert. Ich habe mich gefragt: „Bin ich vielleicht viel zu nah am Wasser gebaut? Bin ich zu weich für diesen Job? Kann man das überhaupt machen, wenn man so tief mitfühlt?“
Heute weiß ich: Genau das macht den Unterschied.
Wir brauchen in der Notfallseelsorge im Einsatz die professionelle Distanz, um handlungsfähig zu bleiben und der Fels in der Brandung zu sein. Aber diese Distanz funktioniert nur, wenn dahinter ein echtes, fühlendes Herz steckt. Unsere Emotionalität ist keine Schwäche – sie ist der Kompass, der uns überhaupt erst antreibt, diesen Dienst zu tun.
Ich habe gelernt, meine emotionale Seite zu akzeptieren. Sie macht mich nicht unfähig für den Dienst – sie macht mich menschlich. Im Einsatz schützt mich meine Rolle, aber zu Hause darf ich – genau wie an diesem Morgen mit meiner Tochter – einfach Mensch und Mutter sein.❤️💜
In Gedanken sind wir bei allen Familien, die so einen Verlust tragen müssen – und bei allen Pflegekräften und Ärzten, die jeden Tag alles geben und diesen Schmerz oft mit nach Hause nehmen. 🤍
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