03/06/2026
Offener Brief an die deutschen Tierheime
Für mehr Differenzierung, mehr Verantwortung und mehr Zusammenarbeit im Tierschutz
Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn über Auslandstierschutz gesprochen wird, fallen häufig dieselben Vorwürfe: Auslandshunde würden die deutschen Tierheime füllen, Vereine würden Hunde unkontrolliert importieren und sich ihrer Verantwortung entziehen, sobald die Vermittlung abgeschlossen ist.
Wir möchten eines vorweg klarstellen: Ein Teil dieser Kritik ist absolut berechtigt!
Auch wir beobachten seit Jahren Entwicklungen im Auslandstierschutz, die wir kritisch sehen. Es gibt Vereine, die Hunde vermitteln, ohne diese jemals persönlich kennengelernt zu haben. Tiere werden anhand weniger Fotos und knapper Beschreibungen vermittelt, obwohl niemand aus dem vermittelnden Verein sie selbst erlebt hat. Die Verantwortung endet nicht selten mit der Übergabe des Hundes.
Treten anschließend Probleme auf, stehen die neuen Halter oft allein da.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die den gesamten Tierschutz betrifft und die wir nicht verschweigen möchten: Immer häufiger werden Hunde nicht aufgrund unlösbarer Probleme abgegeben, sondern weil die Bereitschaft fehlt, langfristig Verantwortung zu übernehmen. Ein Hund soll ins Leben passen, solange es bequem ist. Verändern sich Prioritäten oder wird der Alltag anstrengender als erwartet, wird das Tier nicht selten zum Problem erklärt.
Auch diese Entwicklung trägt maßgeblich dazu bei, dass Tierheime und Tierschutzvereine zunehmend an ihre Grenzen geraten.
Genau deshalb möchten wir heute um eines bitten: Bitte beurteilen Sie nicht alle Auslandstierschutzvereine nach den Maßstäben derjenigen, die ihrer Verantwortung nicht gerecht werden.
Unser Verein wurde vor drei Jahren gegründet. Wir arbeiten mit ausgewählten Projekten in Italien zusammen und stehen in engem, persönlichem Kontakt mit unseren Partnern vor Ort. Mehrmals im Jahr besuchen wir unsere Projekte selbst. Die Hunde, die wir vermitteln, kennen wir aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig empfehlen wir Interessenten grundsätzlich auch den Besuch eines örtlichen Tierheims, wenn die Anschaffung eines Hundes im Raum steht.
Jede Vermittlung erfolgt mit größtmöglicher Sorgfalt, ehrlicher Beratung und dem Ziel, Hund und Mensch dauerhaft zusammenzuführen.
Dennoch wissen auch wir: manchmal muss ein Hund zurück. Davor ist kein seriöser Tierschutzverein gefeit.
Der Unterschied zeigt sich nicht darin, ob Probleme entstehen. Der Unterschied zeigt sich darin, wie man mit ihnen umgeht!
Wir vertreten die klare Haltung, dass Verantwortung nicht mit der Vermittlung endet. Wer einen Hund nach Deutschland holt, trägt Verantwortung für dessen weiteres Leben.
Deshalb stehen wir unseren Adoptanten auch nach Jahren noch mit Rat und Tat zur Seite. Deshalb suchen wir Lösungen, wenn Schwierigkeiten auftreten.
Und deshalb sitzt heute kein einziger Hund, den unser Verein vermittelt hat, in einem deutschen Tierheim.
Darauf sind wir nicht stolz, weil wir uns für besser halten als andere. Sondern weil wir überzeugt sind, dass genau das selbstverständlich sein sollte.
Bereits während unserer Vereinsgründung wurden wir mit einem Fall konfrontiert, der uns bis heute prägt. Ein Hund von einem anderen Verein sollte wieder in sein Herkunftsland zurückgebracht werden, weil sich in Deutschland keine passende Vermittlung mehr finden ließ – zurück in ein Tierheim.
Das ist nicht das Verständnis von Tierschutz, das wir vertreten.
Wer ein Tier nach Deutschland holt, sollte sich seiner Verantwortung nicht entziehen, wenn es schwierig wird.
Wir haben diesen Hund übernommen und tragen bis heute die Kosten für seine professionelle Unterbringung und Betreuung. Monat für Monat investieren wir rund 500 Euro, damit dieses Tier ein sicheres und würdevolles Leben führen kann.
Doch unser Engagement endet nicht bei unseren eigenen Vermittlungen.
Im vergangenen Jahr haben wir elf Hunde aus Deutschland aufgenommen und erfolgreich weitervermittelt, obwohl diese Tiere nie über unseren Verein vermittelt worden waren. Ihre Halter standen vor Problemen, Tierheime waren ausgelastet, die ursprünglich vermittelnden Vereine fühlten sich nicht verantwortlich – und für die Hunde gab es keine Perspektive.
Wir haben diese Tiere übernommen, tierärztlich versorgt, geimpft, medizinisch abgeklärt und teilweise in Pensionen untergebracht – alles auf unsere Kosten.
Auch in diesem Jahr haben wir bereits mehrere Hunde aus vergleichbaren Situationen übernommen.
Nicht weil wir dazu verpflichtet gewesen wären, sondern weil Tierschutz für uns nicht an Vereins- oder Landesgrenzen endet.
Wir erleben täglich, wie stark Tierheime unter Druck stehen. Wir kennen die personellen, finanziellen und räumlichen Belastungen und wissen, dass viele Einrichtungen seit Jahren am Limit arbeiten.
Gerade deshalb möchten wir eines deutlich machen:
Wir sehen Tierheime nicht als Gegner.
Wir verfolgen dasselbe Ziel.
Wir alle wollen verhindern, dass Tiere leiden, ausgesetzt werden oder durch das System fallen.
Deshalb wünschen wir uns mehr Differenzierung in der öffentlichen Diskussion.
Wenn von „den Auslandstierschutzvereinen“ gesprochen wird, entsteht häufig der Eindruck, es handele sich um eine homogene Gruppe. Das entspricht nicht der Realität.
Zwischen Vereinen, die Verantwortung übernehmen, und solchen, die Hunde wie Ware vermitteln, liegen Welten.
Bewerten Sie Vereine nach ihrem tatsächlichen Handeln.
Wir sind überzeugt, dass guter Tierschutz nur gemeinsam funktionieren kann – nicht durch Pauschalurteile, sondern durch Verantwortung, Transparenz und Zusammenarbeit.
Deshalb reichen wir Ihnen ausdrücklich die Hand zum Dialog.
Lassen Sie uns gemeinsam darüber sprechen, wie verantwortungsvoller Tierschutz aussehen kann – unabhängig davon, ob ein Hund aus Deutschland, Italien oder einem anderen Land stammt.
Denn am Ende zählt nicht, woher ein Hund kommt.
Entscheidend ist, dass jemand dauerhaft Verantwortung für ihn übernimmt.
Mit freundlichen Grüßen
Ingrid Meister
Amato Cane e.V.
Tierschutz mit Herz im In- & Ausland
Finkenweg 17
41516 Grevenbroich
www.amato-cane.de
Tel.: 0176 – 30736551
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