25/03/2026
Pressemitteilung 25.03.2026
Schafe leiden erhebliche Schmerzen auf Weiden im Landkreis Günzburg – Veterinäramt macht falsche Angaben und versagt bei Kontrollen – Strafanzeigen gegen Tierhalter und Amtsveterinäre
Landensberg/Landkreis Günzburg
Schwere Lahmheiten bei Schafen auf einer Weide neben der Kläranlage Landensberg waren Ende November des vergangenen Jahres kaum zu übersehen. Tierrechtsaktivisten dokumentierten Schafe, die nur noch auf drei Beinen
humpeln konnten oder sich „kniend“ fortbewegen mussten. Mit einer festen Kamera wurde die Weide überwacht, um Behandlungsmaßnahmen festhalten zu können. Trotz Kontrollfahrten eines Arbeiters änderte sich nichts am Leid der
Tiere. Nach drei Tagen verständigte das „Team Hörmann“ die zuständige Kontrollbehörde.
Das Veterinäramt Günzburg gab an, am Tag der Anzeige mit zwei Personen für ca. 30 Minuten an der Weide gewesen zu sein. Außerdem seien 11 auffällige Tiere festgestellt und mit Videoaufnahmen dokumentiert worden. Auch
Behandlungsbelege hätten die Beamten eingesehen. Die Kontrolle des Veterinäramtes wurde von der festen Kamera der Aktivisten sowie einer Drohne aufgezeichnet und stellt die Angaben in Frage. Während der rund zehnminütigen Kontrolle standen die zwei Personen fest an einer Stelle, während sich die Tiere größtenteils in mehreren hundert Metern Entfernung aufhielten. Später wurde eingeräumt, dass keine Ohrenmarken erfasst wurden. Dem Amt stehen für größere Entfernungen nach eigenen Angaben eine Zoomkamera und ein Fernglas zur Verfügung; beides wurde bei diesem Einsatz nicht verwendet.
Der Tierhalter äußerte sich ausführlich zu den Vorwürfen. Es handele sich um einen Altbestand, bei dem man sich gegen eine Schlachtung entschieden habe. Man stelle sich bewusst dem erhöhten Pflege- und Kontrollaufwand. Außerdem
stehe die Herde unter regelmäßiger tierärztlicher Betreuung. Auf Nachfrage, wie es trotz dieser Schilderungen zu den vielen auffälligen Tieren kommen konnte, reagierte der Tierhalter nicht mehr. Auch eine Angabe, wie oft der Tierarzt im
betroffenen Monat am Gehege war, blieb offen.
Münsterhausen/Landkreis Günzburg
Zwischen Hagenried und Kemnat wurden dem Team um Philipp Hörmann Anfang Dezember 2025 ebenfalls auffällige Schafe gemeldet. Zwei Anzeigen beim Veterinäramt durch die Mitteilerin hatten keine Veränderung erzielt. Die
Aktivisten dokumentierten hochträchtige Mutterschafe, die nur noch auf drei Beinen humpeln konnten oder sich auf den Karpalgelenken fortbewegten. Der Schäfer und Metzgermeister sowie Inhaber eines Verkaufswagens ignorierte das
Leid über mehrere Tage. Er brachte sie mit den frischgeborenen Lämmern in eine Halle ohne Licht und Fenster. Dort litten die hochgradig lahmen Mutterschafe weiter. Das „Team Hörmann“ verständigte mit einer eindringlichen E-Mail
das Veterinäramt Günzburg und wies auf schwerverletzte Tiere in der Halle sowie auf der Weide hin.
Die Kontrolle des Veterinäramtes war erneut mangelhaft. Liegende Tiere auf der Weide wurden nicht aufgetrieben, um den Zustand beurteilen zu können. Die Halle wurde an diesem Tag mit Verweis auf ein Vorhängeschloss und den
fehlenden Besitzer überhaupt nicht kontrolliert. Amtshilfe bei der Polizei wurde nicht angefordert. Stattdessen verständigten die Veterinäre nach eigener Angabe den Schäfer telefonisch. Bei der Kontrolle der Halle am nächsten Tag
konnten keine auffälligen Tiere gefunden werden.
Bei der Konfrontation des Tierhalters vor Ort durch Hörmann wies der Mann jede Schuld von sich. Selbst ein bei diesem Gespräch an der Weide hochgradig lahmes Schaf wollte er nicht sehen. Im Anschluss versuchte er allerdings umgehend, die Situation mit einem Klauenschnitt bei besagtem Tier zu entschärfen – allerdings ohne Erfolg. Von einem Witterungsschutz für die gebärenden Tiere im Winter wollte er nichts wissen.
Strafanzeigen – Polizei bestätigt Ermittlungen
Durch die Rechtsanwaltskanzlei Gabriela Riley aus Weiterstadt wurde im Auftrag von Philipp Hörmann gegen sämtliche Tierhalter Strafanzeige erstattet: im Fall Landensberg am 04.12.2025 und im Fall Münsterhausen am
21.12.2025. Auch gegen sämtliche Verantwortliche des Veterinäramtes Günzburg wurde Strafanzeige erstattet. Das vollständige Bildmaterial wurde an die Staatsanwaltschaft Memmingen übergeben.
Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West bestätigt auf Nachfrage: „aktuell werden Ermittlungen gegen zwei Schafhaltungsbetriebe geführt, die teilweise bereits an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden bzw. zeitnah werden.“
Stellungnahmen von Philipp Hörmann:
„Diese Arbeitseinstellung des Veterinäramtes ist der Nährboden für Tierskandale jeden Schweregrades. Hier liegt der Verdacht auf ein Behördenversagen vor.“
„Amtsveterinäre werden als Beamte für den Schutz der Tiere gut bezahlt. Wenn sie nicht in der Lage sind, Missstände verwertbar zu verfolgen, dann müssen sie aus dem Dienst entlassen werden.“
„Schafe sind stille Leider und zeigen Schmerzen erst sehr spät. In beiden Fällen waren die sichtbaren Zeichen sogar für Laien erkennbar und trotzdem will kein Tierhalter etwas bemerkt haben.“
„Die größte Gefahr für Weidetiere ist der Mensch. In Deutschland werden pro Jahr über eine Million Schafe geschlachtet und davon sind rund 80% Prozent Lämmer. Zum Vergleich durch Wölfe wurden im Jahr 2024 rund 4300 Weidetiere (alle Tierarten) getötet/verwundet.“
Kontakt für Rückfragen:
Philipp Hörmann unter: [email protected]
Bildmaterial: ©Team Hörmann – Schnitt: allgaeu_vegan