19/06/2026
17.06.2026 – ungewöhnliche Tour: Hagen-Wuppertal mit Frank und mir (Karin)
Planänderung:
Die Wuppertal-Tour ist an der Reihe (wir wechseln EN-Kreis und Wuppertal ab), aber Andreas S. hat eine Meldung erhalten, die mich zunächst sprachlos macht. Eine Mutter mit 3 Kindern wurde heute von ihrem Freund aus der Wohnung geworfen, hat Unterschlupf in einer Kleingartenanlage gefunden und braucht – einfach alles. Hinzu kommt, dass ihre älteste Tochter mit einem Frühchen bei ihr Zuflucht gesucht hat, so dass jetzt 2 Erwachsene und 4 Kinder versorgt werden müssen. Wir erwarten eine Lieferung von Backwaren (und wieder ganz herzlichen Dank an die Foodsaver!), fahren also etwas später los. Neuer Plan: Andreas besorgt Nahrung, Babynahrung, Windeln, Getränke, Frank und ich holen alles auf dem Weg nach Hagen ab und bringen es dieser Familie, die sich wirklich so richtig und aktuell in Not befindet!
Wie abgesprochen wartet die Mutter am Tor zur Gartenanlage, ist völlig überwältigt, kann kaum begreifen, dass sie sich zumindest in den nächsten Tagen um die Versorgung ihrer Kinder und ihres Enkelkinds keine Gedanken machen muss. Andreas hat ganze Arbeit geleistet – die Versorgung ist gesichert. Ich frage vorsichtig nach: Ja, ihr – nun Ex – Freund hat sie heute raus geschmissen, sie war bereits beim Jobcenter und hat morgen einen Besichtigungstermin einer Wohnung. Sie ist noch sehr jung, hat mit Sicherheit einiges erlebt und ich bewundere ihre Tatkraft und Energie. Aber sie hat ja keine Wahl, muss so handeln, sie hat 4 Kinder und ein Enkelkind. Frank hilft ihr, die Taschen mit den Einkäufen sowie Flaschen mit Wasser und Saft zur Hütte zu tragen und ich rufe ihr nach: „Ich drück’ dir die Daumen!“Im Wagen sage ich zu Frank, dass mir dieser „Freund“ jetzt nicht begegnen dürfte…
Wir starten nun die geplante Tour nach Wuppertal. In Vohwinkel same procedure as every time: Getränke und Saures. Irgendwie tut diese Beständigkeit jetzt gut.
Auch der nächste Besuch ist erfolgreich, der „Bewohner“ ruft aus dem Gebüsch: „Ich komme, schneide mir gerade die Haare!“ Frank bereitet schon mal den Kaffee zu, als unser Bekannter sich durch den Busch kämpft. „Ui – das ist die Sommerfrisur!“ – Letztens hatte er die Haare noch zu einem Zöpfchen gebunden, jetzt sind sie millimeterkurz. Er hat gerne ein neues T-Shirt und ich halte eins hoch: „Ich mag’s nicht, wenn‘s unter den Armen kneift – aber so ‘n Kleid brauche ich auch nicht!“ Stimmt – XXL ist eindeutig zu groß.
Fußgängerzone – wir treffen auf einen guten Bekannten mit seinem Hund und Frank und ich sind wieder völlig begeistert. Hundefans halt. Unser Bekannter wird mit Essen und Trinken versorgt, der Hund mit Streicheleinheiten. Wir bedauern, dass wir kein Hundefutter dabei haben, aber er winkt ab – offenbar erhält er mehr Futter für den Hund als für sich 😊!
Am Bahnhof sind sie alle wieder da: Die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten groß! Es ist viel los, alle sind friedlich, kein Gedränge, sehr entspannte Stimmung. Die Wärme tut offensichtlich gut – aber die Angst vor der angekündigten (eher angedrohten) Hitzewelle ist ebenso spürbar. Minusgrade und Hitze > 30 °C sind Feinde der Obdachlosen. Ein junger, uns lange bekannter Herr hat Redebedarf. Das Gehörte lässt mich nicht los und wird weiterhin ein Thema bleiben. Allmählich löst sich die Gruppe um unseren Wagen auf, Heckklappe zu und weiter.
Nicht Richtung Lager, noch einen Abstecher. Einem Herrn, der tief und fest schläft, hinterlassen wir eine Flasche Wasser, mit einem anderen, der nie Wünsche hat, sich jedoch über eine Unterhaltung freut, reden wir u.a. auch über das Wetter. Für ihn ist klar: Der Kälte hat er eher etwas entgegenzusetzen als der Hitze.
Die Wärme und die noch immer etwas drückende Luft machen auch uns zu schaffen und so fahren wir – beide immer wieder gähnend – zum Lager. Müde – aber zufrieden. Wir haben eine junge Familie versorgt, unsere Bekannten, einige Neue – und alle waren wieder begeistert über frische Backwaren, eine immer wieder schöne und willkommene Variante in unserem Angebot!
Passt gut auf euch auf, trinkt ausreichend, achtet bitte auch auf andere
Frank und Karin von der Lichtschmiede e. V.