31/08/2026
28.08.2026 – Wuppertaltour: Karin mit Gast
Heute begleitet mich ein Gast: Susanne, mit der ich bereits bei einem anderen Verein oft rausgefahren bin – sie ist also ein Profi. Der Wagen ist schnell gepackt und ich setze Susanne in Kenntnis, wohin wir fahren und wen wir hoffen, anzutreffen.
Das Paar, denen ich gestern das Zelt gebracht habe, ist nicht „Zuhause“ – aber das neue Zelt ist aufgebaut! Auch weitere Unterkünfte sind leer und so steuern wir den Hauptbahnhof an. Große Freude, da Mittwoch noch nicht sicher war, ob heute eine Tour stattfindet. Susanne ist sofort wieder in ihrem Element und so geht die Ausgabe wie gewohnt zügig vonstatten. Es ist zwar viel los, jedoch weniger als wir dachten: Eine Dame erklärt uns, dass es Geld gegeben habe und jetzt alle 'glücklich auf der Platte' sind. So bleibt mehr Zeit für das ein oder andere Gespräch. So wichtig diese Gespräche sind, so traurig sind sie auch meistens. So auch heute die Geschichte einer Dame, von der man nie gedacht hätte, dass sie obdachlos ist: Die jüngere Tochter im Heim, der ältere Sohn bei einer Pflegefamilie. Sobald sie eine Wohnung hat, dürfen die Kinder wieder zu ihr. Unvorstellbar, was sie mitmacht. Erst recht für Susanne: Sie ist Mutter.
Mehrmals wollen wir weiter, doch immer wieder kommen hilfsbedürftige Menschen, die ganz offensichtlich nicht nur etwas zu essen und zu trinken benötigen, sondern auch Hygieneprodukte, T-Shirts, Unterwäsche, Schlafsäcke und Isomatten. Irgendwann geht's dann doch weiter: Eine Runde durch die Fußgängerzone steht noch auf dem Plan.
Auch hier treffen wir auf einzelne Obdachlose. Wir stoppen bei einem Herrn, der in einem Hauseingang sitzt. Zunächst reagiert er unwirsch – gesundes Misstrauen kann überlebenswichtig sein. Wir erklären, wer wir sind, und sofort steht er auf und kommt zum Wagen. Weitere Menschen kommen zu uns, u.a. ein junges Paar. Sie haben zwar eine Wohnung, jedoch wurde ihnen der Strom abgestellt, als der junge Mann im Gefängnis war. Ihre bescheidenen Wünsche (Terrine, Wasser, Süßes) erfüllen wir gerne.
An anderer Stelle sehen wir zwei Menschen offensichtlich schlafend eingemummelt in Decken liegen. Kurzer Stopp, ob sie aufwachen, wir wollen sie nicht wecken. Ein Herr wacht auf, winkt – er braucht nichts. Wir wünschen ihm eine gute Nacht – und dann ist für uns die Tour zu Ende.
Auf der Rückfahrt Reflektieren der Tour: Susanne ist froh, die Situationen, die wir auf unseren Touren erleben, wieder mitgemacht zu haben: "Es erdet einen." Definitv.
Passt auf euch und eure Lieben auf,
Gast Susanne und Karin von der Lichtschmiede e. V.